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Energie

Bessern sich Chancen für Biomethan?

von , am
31.07.2013

Die Bundesregierung hat eine neue Strategie beschlossen, aber viele Fragen sind noch offen. Biomethan könnte von der Entwicklung profitieren, für Biotreibstoff aus Raps sieht es schlechter aus.

Im Landkreis Lüchow-Dannenberg sind - wie hier in Clenze und auch in Kürze in Salzwedel - weitere Biogas-Tankstellen von der Saatbau Clenze der Raiffeisen-Warengenossenschaft eG gegründet worden. Horst Seide, Präsident des Biogas-Fachverbandes und Biomethanerzeuger, ist mit im Boot und liefert Biomethan. © Schröder
Für Biokraftstoffe gibt es neue Hoffnung. Das Bundeskabinett hat vor kurzem eine Strategie zur Reduzierung des Spritverbrauchs im Verkehr beschlossen. Derzeit ist der Verkehr für 30 % des Energieverbrauchs verantwortlich und verursacht 20 % der CO2-Ausstöße. Bis 2050 sollen 40 % des Endenergieverbrauchs im Verkehr eingespart werden, unter anderem durch spritverbrauchsärmere Modelle, Elektroautos sowie den Einsatz neuer Wasserstoff- und Brennstofftechnologien. Zudem sollen Biokraftstoffe die Abhängigkeit vom Erdöl reduzieren. Im Luftverkehr soll verstärkt Biokerosin zum Einsatz kommen und im Schiffsverkehr soll statt auf Schweröl mehr auf Diesel und verflüssigtes Erdgas gesetzt werden.

Der Verkehr ist in Deutschland heute für rund 30 % des Energieverbrauchs und für rund 20 % des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Er ist zudem noch zu über 90 % vom Erdöl abhängig. Im Energiekonzept hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, 40 % des Endenergieverbrauchs im Verkehrsbereich bis 2050 einzusparen.

"Unsere Strategie ist technologieoffen", erklärte Bundesverkehrsminister Ramsauer nach Verabschiedung der Strategie im Kabinett. "Sie berücksichtigt alle alternativen Technologien und Energieträger. Dabei gibt es nicht die eine Lösung, aber sehr wohl die eine Frage: Wie können wir den Menschen und der Wirtschaft auch in Zukunft bezahlbare, saubere und sichere Mobilität ermöglichen?"

Bei der Erarbeitung der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie hat das Ministerium alle relevanten Branchen und Interessengruppen beteiligt und befragt: In 20 Arbeitstreffen wurden mehr als 300 Akteure von der Wissenschaft über Umweltverbände, Industrie bis hin zu interessierten Bürgern einbezogen. Ramsauer verspricht sich davon, Akzeptanz für die notwendigen, tiefgreifenden Veränderungen zu schaffen. "Nur so können sich Fahrzeugindustrie, Energiewirtschaft, Transportgewerbe sowie Bürgerinnen und Bürger darauf einstellen und Investitionen mit einer langfristigen Perspektive verbinden." Denn klar ist: "Biokraftstoffe haben in der Öffentlichkeit an Akzeptanz verloren", räumte Dr. Burkhard Dreher, Abteilungsleiter im Bundesumweltministerium, jüngst auf dem Bioenergie-Forum an der Universität Rostock ein. Es müsse daher zu einer Neubewertung von Biokraftstoffen kommen.

Eckpunkte der zukünftigen Strategie

Eckpunkte eines künftigen Maßnahmenprogramms der Bundesregierung sind zum Beispiel:
Der Verkehrsbereich braucht eine robuste Biokraftstoffstrategie. Hier herrschen erhebliche Unsicherheiten über die künftigen Potenziale und technischen Möglichkeiten.
Wichtig ist auch eine größere öffentliche Präsenz und ein besserer Zugang zu alternativen Tankstellen. Das Bundesverkehrsministerium will deshalb eine einheitliche Preisauszeichnung für alle Kraftstoffoptionen an Tankstellen prüfen. Dies würde die Alternativen bei den Verbrauchern besser bekanntmachen, deren Akzeptanz erhöhen sowie Vergleichbarkeit unterschiedlicher Optionen herstellen und den Wettbewerb fördern. Von einer einheitlichen Preisauszeichnung der verschiedenen Kraftstoffe an der Tankstelle würde insbesondere zu Biomethan aufbereitetes Biogas profitieren, hofft  der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Biogas, Dr. Claudius da Costa Gomez: "Eine auf die gleiche Einheit - z.B. Kilowattstunde - bezogene Preiseauszeichnung würde Transparenz schaffen und dem Verbraucher auf den ersten Blick klar machen, dass Biomethan und Erdgas die heute günstigsten Kraftstoffe sind", verdeutlichte der Verbandsgeschäftsführer. Die Beschilderung an Bundesautobahnen für Tankmöglichkeiten von alternativen Kraftstoffen könnte dies ebenfalls stützen. Allerdings ist die Zahl der Erdgasfahrzeuge, die Biomethan tanken können, relativ gesehen noch immer gering. Dr. Dreher warnte daher vor überzogenem Optimismus: "Bei Biomethan ist das Angebot größer als die Nachfrage."

Für den Luftverkehr wird empfohlen, gemeinsam mit der Industrie einen "Nationalen Entwicklungsplan nachhaltige alternative Flugkraftstoffe" zu erarbeiten. Eine Umsetzung könnte im Rahmen eines „10.000-t-Biokerosin“-Programms erfolgen. Im Luftverkehr ist Biokerosin derzeit die einzige Alternative zu fossilem Kraftstoff.

Im Schiffsverkehr zeichnet sich eine deutliche Umstellung der Kraftstoffbasis ab: von Schweröl auf Diesel sowie auf verflüssigtes Erdgas (LNG). Das Bundesverkehrsministerium will deshalb mit den relevanten Akteuren eine langfristige Markteinführungsstrategie für LNG als Alternative zum Schweröl entwickeln, z. B. auf Grundlage regionaler und grenzüberschreitender Pilotprojekte. Ziel ist die Harmonisierung von Sicherheitsstandards und Genehmigungsverfahren.

Die branchenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Industrie und Politik, wie sie in der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) und im Nationalen Innovationsprogramm für Wasserstoff- und Brennstofftechnologie (NIP) organisiert ist, soll fortgesetzt werden. Schwerpunkt soll künftig die Entwicklung von Geschäftsmodellen sein.

Die jetzt vorgelegte Strategie sei noch nicht das Ende des Prozesses, so der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann: "Vielmehr wird die Tür aufgemacht zu einer lernenden Strategie." In diesem Rahmen solle in Zukunft die weitere Entwicklung analysiert, das entstandene Netzwerk genutzt und auf Innovationen und neue Entwicklungen reagiert werden können.
Leidige Debatte wird weiter geführt

Die Debatte "Tank oder Teller" ist damit jedoch nicht vom Tisch. Herbert Behrens, Verkehrspolitiker der Fraktion Die Linke, erkundigte sich, in welcher Größenordnung die Bundesregierung plane, fossile Brennstoffe durch Biokraftstoffe zu ersetzen. "Wollten Sie fossile Energieträger zu 100 % ersetzen, hieße das, dass unsere Ackerflächen nicht ausreichen würden", gab der Abgeordnete zu bedenken. Enak Ferlemann antwortete, die Frage der Nutzung von Biokraftstoffen sei zugespitzt auch eine Frage von "Tank oder Teller". "Die Bundesregierung ist hier ganz klar: Der Teller geht vor", stellte er klar.
 
Aufgrund der in letzter Zeit verschlechterten Rahmenbedingungen haben die verbliebenen deutschen Produzenten von Biokraftstoffen verstärkt auf importiertes Palmöl statt auf einheimische Rohstoffe gesetzt. Und das, obwohl Deutschland als einziges Land Anfang 2011 rechtzeitig der Verpflichtung nachgekommen war, die Nachhaltigkeitsregelung für Biokraftstoffe umzusetzen. Weil Brüssel aber die deutschen Nachhaltigkeitszertifizierungen nicht anerkennt, bleiben hierzulande die Produzenten von nachhaltig angebautem Raps vom Kraftstoffmarkt ausgeschlossen. Dabei war es Ziel der Nachhaltigkeitsverordnung, mit dem Biosprit die EU-Klimaschutzziele ohne unerwünschte Änderungen der Landnutzung zu erfüllen. Biomasse für die Kraftstoffproduktion darf daher nicht in artenreichen Gebieten, auf C-reichen Böden oder Torfmooren gewonnen werden. Auch Gebiete mit hohem Naturschutzwert sind ausgeschlossen.

Weil das im vergangenen Jahr nachträglich eingeführte EU-Zertifizierungssystem ohne ausreichende Übergangsfristen kommuniziert wurde, würde das bereits umweltfreundlich in Deutschland produzierte Rapsöl nicht als nachhaltig anerkannt und dadurch auf dem Markt benachteiligt, beklagen die heimischen Rapsverarbeiter. Raps liefert bei der Spritproduktion mit dem Schrot ein wertvolles Tierfutter, das Soja-Importe verringert. Das wird dem Rapsaber kaum gutgeschrieben.
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