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Innovationskongress

Biogas: Anlagen zum Klimaschutz nutzen

Biogasanlage
Thomas Gaul
am
23.05.2019

Biogas kann und sollte eine wichtige Funktion beim Klimaschutz übernehmen. Innovationen in der Anlagentechnik können helfen, aber auch der Abbau gesetzlicher Hürden.

Beim Biogas-Innovationskongress, der am Dienstag und Mittwoch (21./22. Mai) in Osnabrück stattfand, konnten die Veranstalter 150 Teilnehmer begrüßen. Das ist ein gutes Zeichen, obwohl in der Branche immer noch Unsicherheit und Ratlosigkeit ob der zögernden Umsetzung der Energiewende vorherrschen.

An beiden Tagen wurden von Referenten aus Wirtschaft und Wissenschaft eine Vielzahl an Innovationen vorgestellt, die den Anlagenbetreibern bei der Optimierung ihrer Anlagen helfen können. So ging es um Aufschlussverfahren zum Vergären von Stroh und Mist, um Wärmespeicherung und Sanierung von Anlagenbauteilen bis hin zur Gärrestlagerung und Gärrestverwertung.

Brennendes Thema für Niedersachsen

Das ist insbesondere für Niedersachsen ein brennend aktuelles Thema, da vor dem Hintergrund einer erneuten Verschärfung der Düngeverordnung der Umgang mit Wirtschaftsdünger und Gärresten neue Konzepte zur Verwertung erforderlich macht. „Biogas kann mit der Vergärung von Wirtschaftsdünger für den Klimaschutz eine große Rolle spielen“, sagte Harald Wedemeyer, beim Landvolk Niedersachsen für Recht und Erneuerbare Energien zuständig.

110 neue Biogasanlagen

Wie Dr. Jan Liebetrau vom Deutschen Biomasse-Forschungszentrum (DBFZ) ausführte, wurden im vergangenen Jahr bundesweit 110 Biogasanlagen neu gebaut, davon 100 Güllekleinanlagen. Die arbeitswirksame Leistung beträgt 36 MW, durch Flexibilisierung und Erweiterung ergibt sich ein effektiver Zubau von 300 MW. 85 Prozent der Biogasanlagen sind in der Direktvermarktung ihres produzierten Stromes. 2.900 Anlagen mit einer installierten Leistung von 2 GW erhalten die Flexprämie.

Die Vergärung von Wirtschaftsdünger trägt in erheblichem Maße dazu bei, die Methanemissionen aus der Güllelagerung zu reduzieren und leistet somit einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Liebetrau zufolge ließen sich so jährlich bis zu vier Millionen Tonnen CO2 und Lachgas einsparen. Damit könnte Biogas dabei helfen, die von der Landwirtschaft geforderten Klimaschutzanstrengungen zu erfüllen.

Doch neben den Perspektiven in der Nutzung von Biogas beschäftigt die Anlagenbetreiber eine Vielzahl von Veränderungen, die auf den Sektor und die Landwirtschaft zukommen. Nach den bereits in 2017 verschärften Bedingungen für die Ausbringung von Wirtschaftsdünger sind nach den Forderungen der Europäischen Kommission weitere Verschärfungen zu erwarten. Daraus resultieren auch Erhöhungen der Lagerkapazitäten für Gärreste.

Niedersachsen: neunmonatige Lagerdauer vorgeschrieben

In Niedersachsen ist ab 1. Januar die Kapazität für eine neunmonatige Lagerdauer zwingend vorzuhalten, wie Harald Wedemeyer auf Anfrage bestätigte. Außerdem müssen Flächennachweise für die Ausbringung von Gärresten vorgelegt werden. Weitere Verschärfungen gibt es im Umgang mit wassergefährdenden Stoffen. „Daraus ergeben sich in der Praxis erhebliche Probleme“, so Wedemeyer. Vor allem steigt der wirtschaftliche Druck auf die Betreiber. Den auch aus Gründen des Klimaschutzes gebotenen Weg, kostengünstigen Wirtschaftsdünger einzusetzen, versperrt in vielen Fällen die Genehmigungsbehörde, die bei den meisten NawaRo-Anlagen eine Änderungsanzeige verlangt.

Biogas-Innovationspreise

Preisträger des Innovationskongresses in Osnabrück

Auch in diesem Jahr wurden wieder die Biogas-Innovationspreise verliehen. Den Preis in der Kategorie „Wirtschaft“ erhielt Timo Middendorf von der Firma Erich Stallkamp. Er entwickelte einen Schneidfilter zum Schutz von Biomassekomponenten und Biogaspumpen. Durch die zunehmende Vergärung von Reststoffen ist das für die Praxis relevant, hob Michael Kralemann vom Kompetenzzentrum 3N in seiner Laudatio hervor.

Der mit 10.000 Euro dotierte Innovationspreis in der Kategorie „Wissenschaft“ geht an Maria Braune vom DBFZ in Leipzig und an Dr. Heike Sträuber vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), ebenfalls Leipzig. Sie entwickelten ein Verfahren, mit dem sich eine Biogasanlage um eine stoffliche Produktion erweitern lässt. Der Biogasprozess und die Produktion mittelkettiger Fettsäuren können gemeinsam im Fermenter ablaufen. Diese Fettsäuren werden beispielsweise zur Herstellung von Schmierstoffen und Reinigungsmitteln verwendet.

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