Login
Energie

Biogas: Kohle aus dem Netz drängen

von , am
21.01.2014

Biogas muss seine Rolle als speicherbarer und flexibler Energieträger ausbauen. Das wurde auf der Biogas-Jahrestagung vergangene Woche in Nürnberg betont. Nachfolgend weitereThemen der Pressekonferenz.

Horst Seide (links), Niedersachse und Präsident des Fachverbandes Biogas, zeigte sich in Nürnberg bei der 23. Jahrestagung überzeugt davon, dass Biogas als Systemdienstleister eine Zukunft hat. Rechts: Vizepräsident Hendrik Becker.   © webphotographeer/istockphoto.com
"Wir müssen die Branche umbauen", sagte Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas. Denn die Zahl der Neuanlagen ist weiter zurückgegangen: Wurden 2012 immerhin noch 340 neue Biogasanlagen gebaut, waren es 2013 nur noch 205. Davon waren rund die Hälfte kleine Gülleanlagen, der andere Teil überwiegend Anlagen zum Aufbereiten und Einspeisen von Biomethan.  Die typischen 500-kW-Anlagen, die gerade auch in Niedersachsen oft gebaut wurden, werden gar nicht mehr verkauft.

"Die Situation der Hersteller ist alles andere als rosig", räumte der Fachverbandspräsident ein. Derzeit wartet die Branche darauf, wie es mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)  weiter gehen wird. Der Fachverband Biogas hat bereits verschiedene Vorschläge für die Gesetzesnovelle erarbeitet. So soll der Maisanteil am Substratmix begrenzt werden. Ökologisch vorteilhafte Kulturen wie z.B. mehrjährige Gräser, Mischkulturen und Sonnenblumen sollten in die Einsatzstoffklasse 2 des EEG umgruppiert werden.

Ohne einen Anteil ertragsstarker Pflanzen wie Zuckerrüben oder Getreide-GPS werde es dennoch nicht gehen, erklärte Hendrik Becker, Vizepräsident des Fachverbandes Biogas. So soll die Wirtschaftlichkeit neuer Biogasprojekte und die Weiterentwicklung von Alternativen zum Mais für Bestandsanlagen gesichert werden. Becker nannte einen weiteren Vorteil: "Über den Energiepflanzenanbau kann die Vielfalt auf dem Acker deutlich erhöht werden."

Der Koalitionsvertrag sieht vor, dass zur Biogasproduktion vorwiegend Abfall- und Reststoffe vergoren werden. Das passt jedoch schlecht mit dem Entwurf der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) zusammen. Denn hier ist vorgesehen, alle unterirdischen Bauteile doppelwandig auszuführen, sobald neben Gülle auch tierische Nebenprodukte (etwa aus der Lebensmittelproduktion) eingesetzt werden. Der Fachverband befürchtet, dass durch die überzogenen Auflagen der kombinierte Einsatz von Gülle, Mist und Reststoffen nahezu unmöglich gemacht wird.

Ein weiterer Punkt im neuen EEG ist die Definition des Anlagenbegriffs. So könnte die Flexibilitätsprämie im EEG breiter genutzt werden und Biogas mehr Verantwortung für das Energiesystem übernehmen. Gegenwärtig sind die Kohleverstromung und damit die CO2-Emissionen auf einen Höchststand gestiegen. Verbandspräsident Seide gab deshalb als Ziel aus: "Wir müssen alte Kohlekraftwerke aus dem Netz verdrängen." Die Bündelung von Biogasanlagen zur Direktvermarktung des von ihnen produzierten Stroms bezeichnete Seide als Erfolg. Rund die Hälfte der Biogasanlagen ist mittlerweile in die Direktvermarktung eingestiegen.
Auch interessant