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Nährstoffe

Biogasanlage – Putenmist statt Mais

Maispflanzen
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Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
am
01.09.2017

Garrel - Biogasanlagen könnten viel mehr Geflügelmist vergären, wenn dieser Mist nicht so viel Stickstoff enthalten würde. Ein Löninger Unternehmen hat jetzt die Lösung entwickelt. Der Prototyp der Anlage ist seit Wochen in Betrieb.

Die Innovationswelle rollt. Ausgelöst durch den Nährstoffdruck in manchen Regionen Niedersachsens und den hohen Maisanteil in vielen Energiepflanzenfruchtfolgen, sind etliche technische Lösungsansätze in der Pipeline. Sie erreichen zum Teil jetzt Praxisreife.  So auch das Verfahren der MTL-Anlagentechnik GmbH aus Löningen im Landkreis Cloppenburg.

Gaerreste-Aufbereitung-Thiel

Zusammen mit der Fachhochschule Münster, namentlich Prof. Christof Wetter, hat das Unternehmen aus dem Oldenburger Münsterland ein Verfahren entwickelt, das dem Geflügelmist den Stickstoff entzieht. „Damit können in Zukunft höhere Anteile von in unserer Anlage behandeltem Geflügelmist in Biogasanlagen gefüttert werden“, erklärt Geschäftsführer Alfred Thiel. Die Entwicklung der Anlagentechnik zur Aufbereitung von Biomasse wurde von der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Osnabrück) gefördert.

Der behandelte Geflügelmist kann ohne die bekannten Probleme (zu viel Stickstoff im Fermenter) vergoren werden. „Wir ersetzen damit den Mais, der hier in der Region noch in großen Mengen in die Biogasanlagen wandert, während wir den Geflügelmist aus der Region abtransportieren lassen“, so Thiel. Dadurch kann mit dem neuen, zum Patent angemeldeten Biomasse-Aufbereitungs-Verfahren ein sinnvoller Kreislauf hergestellt werden: Geflügelmist wird zuerst in Biogasanlagen zur Stromgewinnung vergoren.

Das gewonnene Gärprodukt ist ein wertvoller Nährstoffträger, der weiter aufbereitet (z.B. granuliert) in Regionen vermarktet werden kann, die Humus und Nährstoffe benötigen. An einer solchen zweiten Anlagenlösung arbeitet das Unternehmen MTL-Anlagentechnik bereits.

Substrat austauschen

Das aus dem Aufbereitungsprozess gewonnene Ammoniumsulfat „konserviert„ den Stickstoff in einer bekannten Düngerlösung. Dadurch kann N-Dünger ersetzt werden. Generell können Aufbereitungsverfahren wie dieses für ammoniakhaltige Biomassen für Regionen mit Nährstoffüberschüssen, wie Südoldenburg oder das Emsland, zur Entlastung beisteuern. In der Biogasanlage kann der Geflügelmist aus der Aufbereitung Silomais als Substrat ersetzen. Bezüglich der Gasausbeute steht er dem Mais fast in nichts nach (1 t Mist ersetzt  1 t Mais). Das kann sich  positiv auf die Fruchtfolgen der Region auswirken, ist Thiel überzeugt.

Nachschub gesichert

Gaerreste-Aufbereiter_1

Das Vergären von mehr Mist und Gülle in Biogasanlagen ist ebenso gut für die Klimabilanz der Landwirtschaft. Seit acht Wochen wird das Verfahren in einer Praxisanlage der Firma Thiel GmbH getestet, mit Erfolg.  Der Substratmix beträgt 30 % Gülle, 10 % Mais und 60 % aufbereiteter Putenmist.

Da in der Region sehr viel Geflügelmist anfällt, dürfte der Nachschub für solche Aufbereitungsanlagen gesichert sein. Thiel: „Unsere Aufbereitungsanlage könnte direkt hinter einem Geflügelstall und Biogasanlagen installiert werden“.  Die Pilotanlage in Garrel verarbeitet 4 t Putenmist je Stunde. Thiel: „Wir bieten die Anlage mit einer Stundenleistung von 2, 4 und 8 t an“. Das Interesse der Praxis ist bereits groß.

Wie die Anlage genau funktioniert lesen Sie in der LAND & Forst 35/2017 ab Seite 42.

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