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Energie

Biogasanlagen jetzt nachrüsten

von , am
30.10.2013

Der Fachverband Biogas e.V. weist auf die ab Januar gültige Verpflichtung zum Einsatz von stationären alternativen Gasverbrauchsein-richtungen bei Biogasanlagen hin. Wer hier nicht rechtzeitig nachrüstet, riskiert die Vergütung.

Wer noch keine alternative Gasverbrauchseinrichtung hat, sollte jetzt schnell handeln. © landpixel
Die Verpflichtung zur Nachrüstung einer alternativen Gasverbrauchseinrichtung ist im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) 2012 definiert und gilt für alle Biogasanlagen unabhängig von ihrer Größe. Hat eine Biogasanlage keine funktionsfähige alternative Gasverbrauchseinrichtung installiert, reduziert sich der Vergütungsanspruch der Anlage ab dem 1.1.2014 bis zur Installation einer derartigen Einrichtung auf null.

Problem Lieferzeiten ernst nehmen

Aufgrund der anfallenden Lieferzeiten sollten sich alle Anlagenbetreiber - sofern noch nicht geschehen - umgehend um eine alternative Gasverbrauchseinrichtung kümmern. Da bereits erste Lieferengpässe bekannt geworden sind, hat der Fachverband Biogas eine Liste noch lieferfähiger Fackelhersteller zusammengestellt. Diese Liste kann auf Nachfrage auch an Nichtmitglieder vom Fachverband Biogas herausgegeben werden.

Neben der Problematik der Liefermöglichkeiten bestehen bei der Definition von alternativen Gasverbrauchseinrichtungen einige Unklarheiten. Zum einen ist nicht abschließend geklärt, welche Gasverbrauchseinrichtungen anerkannt werden. Zum anderen liegt ein erheblicher Auslegungsspielraum hinsichtlich des Standes der Technik bei den alternativen Gasverbrauchseinrichtungen und insbesondere den Gasfackeln vor. Aus diesem Grund hat der Fachverband Biogas im Rahmen einer Expertenrunde ein Positionspapier zu den alternativen Gasverbrauchseinrichtungen und Gasfackelanlagen ausgearbeitet.
 
Das Positionspapier wurde inzwischen ein zweites Mal überarbeitet und mit neuen Hinweisen zu alternativen Gasverbrauchseinrichtungen ergänzt. In aktuellen Gesprächen hat das Bundesumweltministerium (BMU) und das Umweltbundesamt (UBA) klar signalisiert, dass im Rahmen der geplanten Biogasanlagenverordnung (BiogasanlagenV) das Thema der alternativen Gasverbrauchseinrichtungen behandelt wird. Die hierzu fachlich eingebundene Arbeitsgruppe "Biogas" der Kommission für Anlagensicherheit (KAS) wird erst Ende November eigene unverbindliche Hinweise zu den Anforderungen an alternative Gasverbrauchseinrichtungen als Merkblatt veröffentlichen.

Vor der Auswahl bedenken

Das überarbeitete Positionspapier des Fachverbandes Biogas ist im Bereich der Publikationen unter der Rubrik Sicherheit und der Unterrubrik "Merkblätter" auf der Webseite des Fachverband Biogas e.V. (www.biogas.org) zu finden. Bei der Auswahl der alternativen Gasverbrauchseinrichtungen und Gasfackeln sollten folgende beispielhafte Grundsätze bedacht werden:

Da sich die technischen Anforderungen an alternative Gasverbrauchseinrichtungen und Gasfackeln im Laufe der nächsten Monate noch konkretisieren können, sollte in Technik investiert werden, die auch künftigen verschärften Anforderungen entsprechen könnte.
Bei der Auswahl der alternativen Gasverbrauchseinrichtung muss in jedem Fall der allgemeine Stand der Technik (siehe Positionspapier) eingehalten werden. Anlagenbetreiber sind für die richtige Auswahl, Einbau, Betrieb und Wartung der eingesetzten Technik verantwortlich.  

Ob und in welchem Leistungsbereich der Biogasanlagen zukünftig noch manuelle Fackeln als alternative Gasverbrauchseinrichtungen anerkannt werden, ist unklar. Unverbindliche Vorschläge (Schwellen) hierzu hat der Fachverband im Positionspapier aufgeführt. Es empfiehlt sich daher, wenn eine manuelle Fackel eingesetzt werden soll, diese so auszuwählen, dass sie gegebenenfalls modular zur automatischen Niedrigtemperaturfackel aufgerüstet werden kann.

Grundsätzlich besteht bei manuellen Fackeln die Gefahr, dass diese, sofern nicht den künftigen Mindeststandards entsprechend gebaut, im Rahmen einer Übergangsfrist durch anerkannte Fackelsysteme ausgetauscht werden müssen. Berücksichtigt werden muss bei den manuellen Fackeln auch, dass eine Flammenüberwachung (Stopp der Gaszufuhr oder erneute Zündung beim Erlöschen der Flamme) beim Betrieb der Fackel gewährleistet werden muss.

In der Regel erfolgt die Flammenüberwachung bei manuellen Fackeln über organisatorische Maßnahmen (dauerhafte Sichtkontrolle der laufenden Gasfackel durch den Betreiber über Bedienstand). Hier muss sich jeder Betreiber im Klaren sein, ob er diese Überwachung dauerhaft organisatorisch vor Ort an der Biogasanlage leisten kann.  

Sofern wirtschaftlich vertretbar, sollte in Erwägung gezogen werden, eine automatische Niedrigtemperaturfackel mit Verdichter/Gebläse und Flammenüberwachung einzusetzen (siehe Anforderungen im Positionspapier).

Jeder Anlagenbetreiber muss sich vor der Installation und der Inbetriebnahme seiner alternativen Gasverbrauchseinrichtung Gedanken über ein Notstromkonzept (Ausfall der elektrischen Stromversorgung) machen. Der Betrieb einer alternativen Gasverbrauchseinrichtung muss auch ohne Netzstromversorgung sicher erfolgen können.
Der Einbau einer alternativen Gasverbrauchseinrichtung muss in jedem Fall auch in der gesamten sicherheitstechnischen Dokumentation (z.B. Gefährdungsbeurteilung) ergänzt werden.

Der Einbau der alternativen Gasverbrauchseinrichtung muss weiterhin auch mit der zuständigen Genehmigungsbehörde abgestimmt werden.
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