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Energie

Bunte Mischungen zeigen Wirkung

von , am
11.06.2014

Als Reaktion auf die Vermaisungs-Diskussion haben Jäger und Landwirte im Landkreis Rotenburg-Wümme vor drei Jahren begonnen, Blühmischungen an den Feldrand zu säen. Wie wirken sich dies aus?

Der Blühstreifen bietet Wildtieren auch im Winter eine gute Deckung und Rückzugsmöglichkeit. © Holsten

Die Blühstreifenaktion der Jägerschaften des Landkreises Rotenburg/Wümme sowie die Aktion "Bunte Felder"  des Landvolks Bremervörde können jetzt mit ersten wissenschaftlichen Auswertungen aufwarten. Wie unlängst auf einer Veranstaltung beim Landkreis deutlich wurde, ist das Interesse an diesen Aktionen groß. Die wissenschaftliche Begleitung haben Prof. Michael Rode, Prof. Jakob Reichel, Nana Wix sowie Studierende der Leibniz-Universität in Hannover übernommen. Sie stellten den Zwischenbericht für das Jahr 2013 im Kreishaus vor. Die Blühstreifen sollen generell einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten und gleichzeitig den natürlichen Lebensraum der Arten verbessern. Ein ebenso wichtiger Aspekt sei die Verschönerung des Landschaftsbildes, betonte Landrat Hermann Luttmann.  

Finanzielle Mittel
 
Die seit ein paar Jahren von der Jägerschaft Zeven angelegten Blühstreifen werden laut Kreisjägermeister Dr. Hermann Gerken aus der Jagdsteuer finanziert. Gerken verschwieg nicht, dass man anfangs auch Lehrgeld bezahlt habe. Die Landwirte finanzieren ihre Blühstreifen über den Mitgliedsbeitrag zum Verein "Bunte Felder". Prof. Rode und sein Team untersuchte die tatsächliche Wirkung der mehrjährigen Blühstreifen auf Tiere, Pflanzen und das Landschaftsbild. Rode stellte fest, dass nicht jede Behauptung stimme. Eine Überprüfung der unterschiedlichen Thesen sei deshalb erforderlich. Dazu wurden in 2012 zunächst überwiegend die Pflanzenarten quantifiziert, ein Jahr später kamen die  Tierarten dazu. Von den angelegten etwa 300 Blühstreifen (der Verein "Bunte Felder" hat 2014 knapp 30 ha angelegt)  wurden Untersuchungsflächen in der Nähe von Zeven/Hepstedt ausgewählt, da sich diese Gemarkungen als repräsentativ für den gesamten Landkreis Rotenburg /Wümme erwies. Trotz teilweise kühler und feuchter Witterungsbedingungen nach der Aussaat und damit geringerem Feldaufgang bei den Blühmischungen traten aus Sicht der Landwirtschaft keine nennenswerten Probleme auf. Auch stellte man im zweiten Jahr keine Problemunkräuter fest. Während die "Bunten Felder" jedes Jahr neu eingesät und teils geerntet werden, bleiben die Blühstreifen der Jägerschaft mindestens über den Winter und teilweise sogar zwei Jahre lang erhalten.

Insgesamt konnten im ersten Jahr der "Bunten Felder" insgesamt 32 Arten festgestellt werden, von denen sieben nur auf diesen Flächen vorkamen. Zwölf Arten enthält die Blühmischung, die mit 18 kg/ha ausgesät wird. Im Vergleich dazu wiesen die einjährigen Blühstreifen der Jägerschaft  74 Pflanzenarten auf, von denen 27 Arten nur hier vorkamen. Bei den zweijährigen Blühstreifen wurden immerhin schon 82 Pflanzenarten festgestellt. Summiert man die Anzahl Pflanzenarten aus der Landvolkinitiative "Bunte Felder" und den Blühstreifen der Jägerschaft auf, kommt man auf 114 Arten.

Daran zeigt sich, dass trotz unterschiedlicher Bewirtschaftung und Aussaat eine hohe Pflanzendiversität möglich ist. Es bestätigt sich damit, dass Blühpflanzenaktionen einen besonders hohen artenschutzfachlichen Wert erzielen. Für das Landschaftsbild wurden Vielfalt, Natur-Erleben, Raumeindruck und andere Aspekte heran gezogen. Besonders ins Auge sticht hier der sehr blühfreudige und zeitweise dominante Gelbsenf, der allerdings auch zusammenbrechen kann. Durch geringere Saatmenge und Düngerverzicht können konkurrenzschwächere Arten in der Blühmischung gefördert werden und über einen gleichmäßigeren Blühverlauf das ganze Jahr über die optische Wirkung beeinflussen.

Fledermäuse im Blick

Als aussagekräftige Tierart wurde 2013 auch das Verhalten von Fledermäusen untersucht. Um die nachtaktiven Tiere und ihre Nutzung von Blühstreifen und Maisäckern zu erkunden, werden laut Prof. Michael Reich (ebenfalls Leibniz Universität) sogenannte "batcorder" eingesetzt. Diese Geräte zur akustischen Erfassung von Fledermäusen stellten fest, dass die "guten Flieger", z.B. Abendsegler, unabhängig von der Feldfrucht in größerer Höhe nach Insekten jagen, während die "schwächeren Flieger", wie Zwergfledermaus, Braunes Langohr und Mausohrfledermaus die Blühstreifen mit Ihrem Insektenreichtum als Jagdrevier wählen. Anhand von Wildkameras wurde festgehalten, dass die Blühstreifen im zweiten und dritten Jahr ihre größte Attraktion auf viele Tierarten ausüben.
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