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Photovoltaik

Energie: Wie sich Sonnenstrom rechnen kann

Photovoltaikanlage auf Stalldach
Thomas Gaul
am
05.04.2018

Solaranlagen werden nach wie vor in der Landwirtschaft installiert. Doch das Wirtschaftsmodell muss stimmen. Sonst lohnt sich die Investition nicht. Was vor der Installation einer Solaranlage zu bedenken ist.

Unterschiede zwischen den Modultypen

Das Jahr 2017 hat überall Spuren hinterlassen, auch bei den Photovoltaikanlagen auf Stall- und Hausdächern bzw. Freiflächen. Der Mangel an Sonneneinstrahlung zeigt sich an den Ertragsauswertungen von norddeutschen Standorten. Die Erträge liegen deutlich unter denen des Jahres 2016 - an einem Modulfeld z.B. von 26.133 kWh in 2016 auf 24.279 kWh in 2017.

Wie sich auf einer Veranstaltung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in Blekendorf zeigte, gibt es aber Unterschiede zwischen den Modultypen. „Mit Ertragswerten von bis zu 116% liegen die monokristallinen Module immer über dem Durchschnitt“, so Dirk Wietzke, Energieberater der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LWK) in Blekendorf.

Photovoltaik: Dachfläche Futterkamp

Auf dem Lehr- und Versuchsgut Futterkamp der LWK sind verschiedene Anlagen montiert. Dadurch ist ein guter Vergleich untereinander möglich. Die Solaranlage „Futterkamp 2“ mit einer Leistung von 30 kWp besteht aus fünf verschiedenen Modulfeldern und wurde 2010 in Betrieb genommen.

Die Dünnschicht-Module erreichten im Durchschnitt nur 86 %. „Das Dünnschichtmodul von First Solar schwächelt erheblich“, stellte Wietzke fest. Auch bei einer PV-Anlage auf einem Dach der Deula in Rendsburg hinken die Dünnschichtmodule hinterher und liefern im Durchschnitt 20 % weniger Leistung ab. Dort läuft ein PV-Feldtest mit acht Modulfeldern seit 2009/2010. Die Ergebnisse in Rendsburg entsprechen weitgehend denen in Futterkamp.

„Monokristalline Module liefern die besten Erträge“, fasst Dirk Wietzke zusammen. Der Zubau bei PV ist soweit zurückgegangen, dass es seit Mitte vergangenen Jahres keine Degression mehr bei der Einspeisevergütung gibt.
Lohnt jetzt wieder eine Investition in eine neue PV-Anlage? Wietzke ist da skeptisch: „Investitionen lohnen eigentlich nur, wenn die Anlagengröße an den Eigenverbrauch angepasst ist.“ Das kann gerade für Betriebe  mit Tierhaltung und hohem Strombedarf durch Lüftungs-und Melkanlagen eine sinnvolle Investition sein.

  • Wird der Strom voll eingespeist, lässt sich bei der 30 kWp-Anlage bei einer EEG-Vergütung von 11,99 ct/kWh gerade einmal ein Gewinn von 1,29 ct/kWh bzw. von 348,30 Euro im Jahr bei 27.000 kWh erzielen.
  • Wer dagegen beim Strombezug mit Kosten von 25 ct/kWh rechnen muss, erzielt seinen Gewinn durch die Ersparnis von 11,58 ct/kWh. Die Erzeugung schlägt mit 10,70 ct/kWh zu Buche, hinzu kommt noch die EEG-Umlage von 2,72 ct/kWh, so dass Erzeugungskosten von 13,42 ct/kWh entstehen.

 

Eigenstrom

Landwirte-Photovoltaik

Mit mindestens 30 % Eigenverbrauch rechnen sich Anlagen also, so Wietzke. „Besser wäre ein Eigenverbrauchsanteil von 50 %“, so der Energieexperte. Das lässt sich eigentlich nur in der Schweinehaltung erreichen. Der Anteil an Eigenverbrauch lässt sich aber auch durch das Einkoppeln von Batteriespeichern erhöhen. Wietzke bezifferte die Speicherkosten auf 45 bis 50 ct/kW, was allerdings die Frage nach der Wirtschaftlichkeit stellt.

Hinzu kommt, dass die Batterien nur eine Lebensdauer von zehn Jahren haben. Neuerdings gibt es auch die Möglichkeit, sich Speicher in einer Cloud virtuell zu mieten. Der Überschuss wandert zu einem Anbieter, der damit am Strommarkt handelt. Bei solchen Angeboten sollten Landwirte aber nachhaken, welche Menge an Strom sie zu welchen Zeiten auch wieder beziehen können.

Auch bestehen noch Zweifel, ob dieses Geschäftsmodell EEG-konform ist. Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit einer neuen PV-Anlage ist, dass die Investitionskosten unter 1.000 Euro/kWp bleiben.

Verpachtung von Dächern oder Freiflächen

Eine weitere Möglichkeit, mit PV Einnahmen zu erzielen, ist das Verpachten von Dächern oder Freiflächen. Bei der Verpachtung großer Dachflächen lassen sich nach Angaben von Wietzke 150 Euro/kWp als Einmalzahlung erzielen. Alternativ lassen sich auch nur Teile der Anlage verpachten oder Speicher mit einbinden.

Bei der Verpachtung von Freiflächen kann eine Jahrespacht von 1.500 bis 2.000 Euro dabei herauskommen. Worauf bei der Gestaltung von Dachpachtverträgen für große PV-Anlagen zu achten ist, stellte der Projektentwickler Jens Rembold aus Lauffen am Neckar vor.

Zu den wesentlichen Eckpunkten des Gestaltungsvertrages gehören:

  • Eine Laufzeit von mindestens 20 Jahren ab Inbetriebnahme.
  • Eine Kündigung währenddessen ist im Regelfall nicht vorgesehen.
  • Nach dem Rückbau der PV-Anlage sollte die Dachfläche wiederhergestellt werden.
  • Dachreparaturen durch den Gebäudeeigentümer sollten nur in der sonnenarmen Zeit erfolgen.
  • Während der Pachtzeit müssen Verschattungen durch Bäume oder Gebäude unterbunden werden.

Beim Bau und Betrieb der Anlage sind die Belange der Landwirtschaft zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass landwirtschaftliche Emissionen wie Staubaufwirbelungen und Ammoniak aus Stallanlagen durch den Betreiber der Anlage hingenommen werden müssen.

Montage- und Installationsfehler

„Eine Photovoltaik-Anlage ist kein kurzfristiges Investment“, betonte Uwe Jost, Sachverständiger für PV-Anlagen aus Bargteheide. Eine Vielzahl der Praxisanlagen gilt als mängelbehaftet. Montage- und Installationsfehler überwiegen.

Wenn nicht fachgerecht gearbeitet wurde, bietet eine Versicherung nur eingeschränkten Schutz, warnte Jost. Einen Nachweis über installationsbedingte Mängel fordern Versicherer häufig erst dann, wenn der Schadensfall bereits eingetreten ist. Stellt sich dann heraus, dass Mängel existierten, die Anlage aber nicht oder unzureichend überprüft und gewartet wurde, kann der Versicherer die Kostenübernahme ablehnen oder nur zum Teil bezahlen.

Zur Sicherheit sollte daher eine Überprüfung des technischen Zustands der PV-Anlage durch einen Sachverständigen erfolgen. Dabei muss der Sachverhalt geklärt werden, ob die PV-Anlage nach den gültigen Regeln der Technik errichtet wurde.

Mitunter kommt es zu einer erheblichen Abweichung zwischen dem prognostiziertem und dem tatsächlichen Ertrag der Anlage. Ursachen können Planungsfehler ebenso wie eine nicht fachgerecht durchgeführte Installation sein. Bei einem erheblichen Minderertrag sollte ein Sachverständiger mit einem Ertragsgutachten beauftragt werden. Neben einer Überprüfung der Montagearbeiten können Sachverständige auch einen Qualitätstest der Module vor Ort durchführen.

 

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