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Erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien könnten mehr

Windpark-Wald
Thomas Gaul
am
20.05.2019

Die Bundesregierung hat sich mit ihrem Koalitionsvertrag hohe Klimaschutzziele für das Jahr 2030 gesetzt. Doch ob diese erreicht werden können, ist ungewisser denn je.

Die Landwirte in Niedersachsen, die ihren Teil zur Erzeugung der Erneuerbaren Energien beitragen, wissen, dass sich die Rahmenbedingungen mit jeder Fortschreibung des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG) immer weiter verschlechtert haben.

Ziel: Strom zu 65 Prozent aus Erneuerbaren Energien erzeugen

Dennoch wurde die Zielsetzung, dass im Jahre 2030 der Strom zu 65 Prozent aus Erneuerbaren Energien erzeugt wird, von der Kohlekommission als Bestandteil des Ausstiegs aus der Kohleverstromung noch einmal bekräftigt. Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) hat eine Szenarioberechnung vorgelegt, wie sich der Anteil von 65 Prozent „Erneuerbare“ bis 2030 erreichen lässt.
Kerngröße des BBE-Szenarios für das Zieljahr ist der Bruttostromverbrauch. Wenn es gelingt, auf der einen Seite Energie einzusparen, auf der anderen Seite aber auch trotzdem mehr Strom zu verbrauchen – etwa durch die Elektromobilität, geht der BEE von einem Bruttostromverbrauch von 740 Terawattstunden (TWh) aus. Bei einem Anteil von 65 Prozent müssten die Erneuerbaren Energien somit 481 TWh liefern.

Nicht unter derzeitigen Bedingungen

„Dafür sind jedoch bessere Rahmenbedingungen erforderlich“, betonte BEE-Präsidentin Dr. Simone Peter: „Der Schalter muss sofort umgelegt und der Ausbau der Erneuerbaren wieder beschleunigt werden.“ Ohne klare Perspektiven für Planung und Investitionen und unter den derzeitigen rechtlichen Gegebenheiten werde Deutschland seinen Bruttostromverbrauch nur zu 44 Prozent aus Erneuerbaren Energien abdecken.
Das hat negative Folgen auch für die regionale Wertschöpfung und für die Landwirte in Niedersachsen, die in die Erzeugung Erneuerbarer Energien eingestiegen sind.  Aus Sicht des BEE ginge deutlich mehr: Die Branche könnte 2030 deutlich über 80 Prozent Ökostrom liefern, wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden. Damit wäre auch ein höherer Beitrag zum Klimaschutz möglich, was im Übrigen dem Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens näher käme.

Photovoltaik-Feldanlage

Doch dazu müssten die vorhandenen Deckel – vom Biogas-Flexdeckel über Photovoltaik und die stockenden Genehmigungen bei der Windkraft – entfernt werden. Mit einem Preis für CO2 könnten auch faire Wettbewerbsbedingungen für saubere und klimafreundliche Energie geschaffen werden.

Der niedersächsische Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, Olaf Lies, bekräftigte:

  • Damit die energie- und klimapolitischen Ziele erreicht werden können, muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien konsequent vorangetrieben werden.
  • Gerade die Potenziale für Photovoltaik, On- und Offshorewind müssen genutzt werden. Die heute vorhandenen Ausbaubegrenzungen müssen aufgehoben werden.
  • Außerdem benötigen wir deutlich mehr Investitionen in innovative Technologien – von der Elektromobilität über Wärmepumpen bis hin zur Wasserstoffproduktion.

Niedersachsen setzt sich ein

Die Zielfestlegung für 2030 ist Verpflichtung zur Schaffung der notwendigen Rahmenbedingung. Niedersachsen setzt sich für die Einbeziehung von grünem Wasserstoff als Schlüsselelement der Energiewende ein. Aus erneuerbarem Strom erzeugter Wasserstoff kann zum Beispiel auch als Kraftstoff einen wichtigen Beitrag für eine erfolgreiche Verkehrswende leisten. Wir brauchen daher klare politische Entscheidungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien und eine Technologieoffenheit für die Anwendung.“

Eine Lücke wird bleiben

Im BEE-Szenario nimmt der gesamte Endenergieverbrauch und der herkömmliche Stromverbrauch inklusive Netzverluste und Eigenverbrauch jährlich um rund ein Prozent ab. Das entspricht den Effizienzzielen der Bundesregierung und dem Szenario B des aktuellen Netzentwicklungsplans. Zudem werden sehr ehrgeizige Ausbaupfade für Solarwärme, Bioenergie, Umweltwärme, Geothermie und Elektromobilität angenommen.

Trotz der ambitionierten Potenzialausnutzung der Erneuerbaren Energien im Wärme- und Verkehrssektor und der Effizienz verbleibt 2030 eine Lücke, um die CO2-Reduktionsziele des Klimaschutzplanes zu erreichen. Die Lücke wird sowohl mit national produzierten als auch importierten synthetisch erzeugten Gasen und Flüssigkeiten (Power to Gas, Power to Liquids, zusammen als PtX bezeichnet) geschlossen (30 Prozent Inland, 70 Prozent Import). Der inländische Anteil fließt entsprechend deutlich in die Berechnung des Bruttostromverbrauchs Deutschlands im Jahr 2030 ein. Wenn die Annahmen des BEE-Szenarios für Effizienzmaßnahmen und EE-Technologien bis 2030 nicht erreicht werden, ist eine deutlich größere PtX-Menge für die Umsetzung der Klimaschutzziele und somit ein deutlich höherer Stromverbrauch erforderlich.  

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