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Energie

Gülle: Überschüsse überbetrieblich vergären

von , am
06.05.2015

Wie sich Nährstoffe aus Regionen mit intensiver Tierhaltung exportieren lassen, wird immer mehr zum drängenden Thema. So wird das Gülle-Problem im westfälischen Dorsten gelöst.

Die Verantwortlichen (v.l.n.r.): Steffen Schirmacher-Rohleder, GF der ODAS GmbH, Dr. Philipp Spinne, GF der TerraSol Wirtschaftsdünger GmbH, Ludger Leifker, Generalbevollmächtigter Futtermittel der AGRAVIS Raiffeisen AG, und Bernd Homann, Leiter Unternehmenskommunikation der AGRAVIS. © Gaul
Statt Gülle, die wegen gesetzlicher Restriktionen nicht auf den eigenen Flächen ausgebracht werden kann, über weite Strecken zu transportieren, bietet sich die vorgeschaltete Energieproduktion in einer Biogasanlage an. Diesen Weg beschreitet jetzt die AGRAVIS mit ihrer Biogasanlage im nordrhein-westfälischen Dorsten. Die Anlage im Industriegebiet, die im vergangenen Jahr aus der Insolvenz erworben wurde, war ursprünglich auf die Biogasproduktion aus Mais und Getreide ausgerichtet. Bei einer elektrischen Leistung von 6,2 Megawatt ließen sich die benötigten nachwachsenden Rohstoffe in der Region nicht in einem ökonomisch vertretbaren Rahmen beschaffen. Die Anlage soll nun mit einem Wirtschaftsdüngeranteil von 80 % laufen - ein in dieser Größenordnung einmaliges Projekt.

Aktuell 70 % Gülle

"Das Konzept funktioniert", sagt Philipp Spinne, Geschäftsführer der Terra Sol Wirtschaftsdünger GmbH: "Die Anlage wird aktuell mit einem Wirtschaftsdünger-Anteil von 70 % gefahren und die Biologie kommt gut damit zurecht." Mit dem Projekt in Dorsten verfolgt die AGRAVIS nicht das Ziel, in den Betrieb von Biogasanlagen einzusteigen. Für den Konzern ist die Anlage vielmehr Mittel zum Zweck. Denn über die örtlichen Raiffeisen-Genossenschaften sollen auch weiterhin Futtermittel an die Landwirte verkauft werden, die sich durch die anfallenden Güllemengen vor große Herausforderungen gestellt sehen. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Düngeverordnung müssten sie möglicherweise ihre Bestände abstocken.

Autobahn als Transportroute

Die AGRAVIS hält auch nach weiteren Biogasanlagen in anderen Regionen mit ähnlichen Problemen - z.B. im nordwestlichen Niedersachsen - Ausschau, wo sich dieses Konzept ebenfalls realisieren ließe. Die ODAS GmbH, ein zusammen mit der AGRAVIS betriebenes Unternehmen, spielt bei der Nährstofflogistik eine entscheidende Rolle. Das Gemeinschaftsunternehmen ist für die Beratung, den Transport und die Aufarbeitung der Gülle sowie die Dokumentation zuständig. Abgeholt wird der Wirtschaftsdünger bei den Betrieben, entweder als flüssige Gülle oder als fester Bestandteil nach dem Separieren. Nach der Energiegewinnung bleibt Gärsubstrat übrig, das als hochwertiger Dünger in Ackerbauregionen eingesetzt werden kann. Als Transportroute dient dabei die Autobahn A2, um per LKW Betriebe im Raum Hannover-Braunschweig zu beliefern.

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