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Energie

Gut gespeichert ist gut gespart

von , am
05.02.2014

"Solarstromspeicher - Energiedienstleister für die regionale und private Energieversorgung" - so lautete das Thema einer Pressefahrt vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar). Auch die LAND & Forst war dabei.

Vier Personen leben im Haushalt Elmer. Sie verbrauchen etwa 13 kWh pro Tag. Insgesamt 6,2 kWp Solarmodule liegen auf dem Wohnhaus und  im Keller steht ein Stromspeicher mit 7 kWh Kapazität. © Wraneschitz
Bei einer Pressefahrt rund um Aalen und Ellwangen im Donau-Ries drängelten sich Tages- und Fachjournalistinnen. David Wedepohl, der Pressesprecher des BSW Solar schiebt der abgewählten Schwarz-Gelben Bundesregierung die Haupt-"Schuld" zu, dass Investoren überhaupt über Solarstromspeicher nachdenken: "Es funktioniert im Großen und im Kleinen. 30 % der Speicherkosten übernimmt die Regierung. Denn es gibt günstige KfW-Kredite, sowohl für Neuinstallation als auch für Nachrüstung."

Denn bislang bot das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG durch feststehende und wirtschaftliche Einspeisepreise Anreiz genug, Photovoltaik-Anlagen (PVA) auf die Dächer zu schrauben und Solarstrom zu produzieren. Doch die Merkel-Rösler-Regierung hat massiv an der Einspeisevergütung herumgekürzt. Und sie hat dazu noch festgelegt, dass es bei PVA über 10 kWp Spitzenleistung höchstens für 90 % des produzierten Ökostroms Geld vom Netzbetreiber gibt. Das heißt im Gegenzug: mindestens 10 % sollten möglichst im eigenen Haus verbraucht oder anderweitig vermarktet werden.

Aber gleichzeitig gehen die Strombezugspreise für Normal-Verbraucher massiv nach oben. Seither denken immer mehr Privatleute wie Firmen darüber nach, wie sie möglichst viel Solarstrom selber verbrauchen können. Denn für "Strom ins Netz" wird meist weniger gezahlt, als für "Strom aus dem Netz" berappt werden muss. Dass übers Land verteilte Ökostromspeicher Hochspannungsleitungen vermeiden helfen, ist mehr als ein angenehmer Nebeneffekt.

Vorreiter im Süden

Die Region Donauries ist auf bayerischer wie württembergischer Seite mit Solaranlagen und Biogaskraftwerken gesegnet. Frank Hose, der Vorstand der EnBW-Tochter Ost-Württemberg Donau Ries AG (ODR) berichtet von "25.000 privaten, dezentralen Einspeisern ins Netz der Netzgesellschaft Ostwürttemberg", des zugehörigen regionalen Verteilnetzbetreibers. "40 % des Energieaufkommens (er meint natürlich damit nur Strom, d.Red.) wird schon regenerativ bereitgestellt. Und wir arbeiten mit Riesen-Peaks", weil die Solar- und Winderzeugung eben nicht kontinuierlich abläuft. Hose gibt zu: "Für ODR ist dieser Riesen-Paradigmenwechsel nach 100 Jahren Stromversorgung wieder ein revolutionärer Prozess". Mit einer so schnell vollzogenen Energiewende hat wohl niemand in der "alten" Energiewirtschaft gerechnet.

Für den BSW Solar ist die Gegend deshalb "eine Vorreiterregion der Energiewende: An 120 Tagen im Jahr wird bereits mehr Strom durch dezentrale Solar-, Wind- und Bioenergieanlagen erzeugt als verbraucht." Weil dort "schon früh Antworten auf Fragen der Netzintegration von Bürgerenergieanlagen gefunden" wurden, hat der Verband die JournalistInnen auch genau hierhin eingeladen.

Ein weiterer Grund für die Ortswahl ist Varta. Das Strompeichersystem "Engion" der Varta Storage GmbH wird in Nördlingen auf der bayerischen Ries-Seite produziert. Außerdem ist der Hauptsitz nebst Entwicklung der Konzernmutter Varta AG in Ellwangen im schwäbischen Ries.

Seit 2011 ist das konzernintern "Start Up II Energiespeicher" genannte Unternehmen dabei, Speichermodule von 0,5 kWh und Systemkomponenten dafür zu entwickeln. Seit 2013 ist das Produkt am Markt. Es weist laut Geschäftsführer (CEO) Herbert Schein "hohe Energie- und Leistungsdichte sowie 20 Jahre Lebensdauer" auf.

Das schaffe man durch das "Engion Live Balancing Battery Management System" genannte Verfahren: Es verhindere "jegliche Überladung", und dass wie sonst üblich "bei der Verschaltung einzelne LiIon Zellen schneller degradieren. Die schwächste Zelle ist bei uns nicht mehr der limitierende Faktor", erklärt Schein. Die modulare Bauweise lässt ein nachträgliches Erweitern der Stromspeicherkapazität zu, "denn jeder wird eine andere Batterie brauchen".

Aber auch der Austausch einzelner Module, die auf der Wechselspannungsseite dreiphasig miteinander gekoppelt sind, sei möglich. "Anklippsen, einschalten, Kiste läuft": Laut CEO Schein dauert es gerade mal eine Stunde, bis aus einer rein mit dem Netz gekoppelten eine Speicher-PVA wird. Die Bosch Power Tec GmbH aus Hamburg ist schon länger als Varta mit solchen Speichern am Markt. Armin Schmiegel, Bosch-"Projektleiter Innovation", bestätigt Scheins Auffassung: "Die Tag- und Nachtnutzung ist recht banal. Wenn ich mehr Strom produziere als ich verbrauche, fließt der in die Batterie rein. Wenn ich weniger Solarstrom habe, entlade ich die Batterie. Hausspeichersysteme haben also eine recht einfache Funktionsweise." Nur sollten die Kunden Wert auf Qualität legen. "Billigbatterien haben bis zu fünf Jahre Lebensdauer, Automotive (höherwertige Qualität; d.Red.) halten 20 Jahre, sind aber nicht einmal doppelt so teuer. Der entscheidende Punkt ist: Wegen der niedrigen Einspeisevergütung muss die Batterie in der Nacht den Verbrauch decken."

Schmiegel empfiehlt deshalb für Normalhaushalte mit etwa 14 kWh Tagesverbrauch die "Anlagenkonfiguration: 6 kWp Module, 5 kWh Batterie, also Faktor 1,2. So kann man auch an kurzen Tagen relativ schnell die Batterie laden."

Eigenen Strom

Das stimmt nicht ganz mit dem System überein, das sich Martin Elmer für sein Haus in Ellwangen angeschafft hat. Vier Personen leben darin, die 4.700 kWh übers Jahr verbrauchen, also etwa 13 kWh pro Tag. Insgesamt 6,2 kWp Solarmodule liegen auf dem Wohnhaus. Und im Keller steht seit Ende 2012 ein Varta-Engion-Schrank mit 14 Speichermodulen, also 7 kWh Kapazität. "Es macht mir Spaß, nach der Energie zu kucken", sagt der 29-jährige Mechatronik-Ingenieur. Vor allem die zehnteilige LED-Reihe an der Vorderseite des Speicherschranks sei dafür "die wichtigste Rückmeldung".

Elmer freut sich tierisch darüber, dass er seinen Strombezug inzwischen auf unter 2.000 kWh im Jahr gedrückt hat: "Mir geht’s möglichst darum, meinen eigenen Strom zu erzeugen." Gelernt habe er auch bereits einiges. Zum Beispiel, "wie viel die Heizungsumwälzpumpe nachts tatsächlich verbraucht". Und auch die Glühlampen ersetzt er nach und nach durch LED.

Kein Blackout

Jürgen Backes von der "Querverbund-Leitstelle" in Ellwangen hat "noch definitiv keine Störung wegen regenerativer Erzeugung erlebt. Das Netz ist so sicher wie vor zehn Jahren. Ein Blackout ist für unser Gebiet unwahrscheinlich", widerspricht er den Energie-Wirtschafts-Verbandsfunktionären, die ständig von dieser Gefahr reden. Doch gibt Backes auch zu: „Biogas ist eine kalkulierbare Grundlast“, PV und Wind dagegen würden die Mitarbeiter der Leitwarte schon hin und wieder dazu zwingen, "am großen Netz Hand anzulegen".

Und so freut man sich auch bei der ODR-Netzgesellschaft, dass Martin Elmers Batterie-Anlage "einen kleinen Schritt zur Netzentlastung beiträgt": Davon ist der Hausbesitzer nämlich überzeugt.
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