Login
Energie

Kleine Windparks nicht rausdrängen

von , am
25.04.2014

Es war einiges los im Landgasthof Alte Post in Aurich-Ogenbargen. In die rustikale Wirtschaft hatten der Windenergieanlagenhersteller Enercon und die Agentur für erneuerbare Energien geladen. Worum ging es?

Die Agentur für Erneuerbare Energien und Enercon haben eine Unterschriftenaktion zur regionalen Energiewende gestartet. © Thomas
Mit über 120 Teilnehmern war es in der Alten Post rappelvoll. Die Schar der angemeldeten Gäste rekrutierte sich vornehmlich aus Kommunen, Genossenschaften und Banken. Sie treibt die Sorge um, dass das geplante Ausschreibungsmodell für die Windenergie an Land zu neuen Monopolstrukturen führt und vor allem kleine Betreiber oder die Akteure von geplanten Windparks den Kürzeren ziehen.

Bisher stehen diese Ausschreibungspläne im Fahrplan zur Reform des neuen EEG und sollen ab 2017 den Ausbau steuern. Obwohl es bisher weder etwas Schriftliches, noch konkrete Details gibt, wird in der Windbranche befürchtet, dass große Mengen ausgeschrieben werden. Dann wären kapitalstarke Großkonzerne im Vorteil, die niedrige Preise für Kilowattstunden anbieten können und die Windparks bauen. Diese Option treibt auch niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) um. "Früher wurde die Energieversorgung von Großkonzernen bestimmt. Jetzt haben wir eine demokratisierte Energiewirtschaft, die wir weiter ausbauen wollen. Meine Sorge ist, dass große Ausschreibungen die kleinen Betreiber oder die von Bürgerwindparks aus dem Markt drängen könnten", sagt der studierte Elektroingenieur.

Dass es auch anders gehen kann, demonstrierten Referenten aus der Region. So zum Beispiel Dr. Simon Habben von der Energiegenossenschaft Wittmund. Der kleinste niedersächsische Netzbetreiber hat bereits Windparks umgesetzt und weitere in der Planung. "Wir denken darüber nach, wie die Region von solchen Projekten profitieren kann. Das geht nur mit Landbesitzern, Kommunen und Bürgern oder regionalen Projektierern und Versorgen in verschiedenen Konstellationen", findet er. Dabei seien gerade die guten Windbedingungen ein Pfund für die Region. "Windparkprojekte lassen sich besser kalkulieren als die Einnahmen einer Tankstelle, denn die Erträge sowie die fixen und variablen Kosten sind bekannt. Die Risiken liegen daher in der Planungen."

Ähnliche Gedanken hat sich auch der Gemeinderat in Dornum gemacht. Nachdem es in der Vergangenheit immer wieder Klagen von Windmüllern gegen die Änderungen von Flächennutzungsplänen gehagelt hatte, ist die 31 Fassung laut Bürgermeister Michael Hook endlich wasserdicht. Dabei hat sich die Gemeinde selbst Flächen gesichert, auf denen sie dieses Jahr drei Windmühlen von Enercon aufbauen will. "Wir haben uns nach langen Diskussionen im Gemeinderat bewusst gegen eine Bürgerbeteiligung entschieden und betreiben die Anlagen selbst. Über die Erträge sollen alle Einwohner von sinkenden Gebühren profitieren."

Derlei Konzepte sind durchaus Musik in den Ohren von Hans-Dieter Kettwig, dem Geschäftsführer von Enercon. "Wir brauchen natürlich Kunden in der Region. Aber wir wollen die Windenergiestandorte auch für die Zukunft und die nächsten Generationen sichern. Da ist es nur gut, wenn beispielsweise Betreiber alte Anlagen von Enercon abbauen und dafür unsere neuen Maschinen errichten", sagt er. Obwohl der Hersteller im internationalen Konzert wichtige Märkte beliefert und 2012 einen Umsatz von 3,9 Mrd. € eingefahren hat, bleibt die Region ein wichtiges Standbein. Alleine in Aurich sind inzwischen über 4.000 Menschen beschäftigt. An seinem Stammsitz hat Enercon 30 Mio. € in ein neues Testzentrum investiert und eine neue Rotorblattfabrik gebaut, in der 1.200 Menschen beschäftigt sind. Seit einigen Monaten ist der Maschinenbauer zudem mit 40 % an den Stadtwerken Aurich beteiligt und wird sich in den Netzbetrieb einbringen.

Dass davon die Region profitiert, bestätigt auch Dr. Jan Amelsbarg von der IHK Ostfriesland Papenburg. "Das sind Impulse fürs Steuersäckel. Durch die Windenergie machen alleine die Zulieferbetriebe einen jährlichen Umsatz von 300 Mio. € Umsatz." Genauso hoch waren vor zehn Jahren auch die Einnahmen der IHK durch Kammerbeträge. "Obwohl wir die Beiträge deutlich gesenkt haben und die bundesweit günstigste Kammer sind, belaufen sich die Einnahmen jetzt auf 2,1 Mird. €".

Amelsberg sieht für die Windenergie noch viel Potenzial, auch wenn in Ostfriesland schon sieben Mal mehr Windenergieanlagen stehen, als im Bundesdurchschnitt. Und das dürfte auch für weite Teile des Landes gelten. Das niedersächsische Umweltministerium will im Sommer einen sogenannten Windenergieerlass beschließen und 1,8 % der Landesfläche für die Windenergie nutzbar machen. Die politischen Vorschläge sehen vor, dass alle Landkreise dafür knapp 3 % ihrer Flächen als potenzielle Windeignungsgebiete ausweisen sollen. Das dürfte gerade dezentralen Projekten mit Kommunen und Bürgern neuen Auftrieb geben.
Auch interessant