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LWK-Versuchsstation Poppenburg zeigt Alternativen zum reinen Maisanbau

Energiepflanze Sorghum auf dem Acker
Thomas Gaul
am
06.09.2019

Mais ist die dominierende Energiepflanze in Niedersachsen. Landwirt sollten aber auch die Alternativen im Blick behalten.

Mais ist zurzeit die Hauptenergiepflanze auf niedersächsischen Äckern. Aber die Landwirtschaftskammer Niedersachsen beschäftigt sich auf ihrer Versuchsstation in Poppenburg im Landkreis Hildesheim weiterhin mit alternativen Kulturen.

Diese Kulturpflanzen könnten den reinen Maisanbau an geeigneten Standorten in Zukunft ergänzen. Zu diesen Alternativen zählen unter anderen die Sorghum-Hirsen und das Mais-Bohnen-Gemisch.

In der Versuchsstation Poppenburg wird daher eine Auswahl von 150 Maissorten präsentiert. Laut Auskunft der Energiepflanzenberaterin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Thekla-Karina Niehoff, sind das die wichtigsten Maissorten für Niedersachsen. Insgesamt gibt es 800 zugelassene Maissorten. Künftig soll auch eine Smartphone-App der LWK den Maisanbauern die Sortenwahl erleichtern.

Der Mais gehört an sich zu den trockentoleranten Kulturen, dennoch begrenzt das knappe Wasserangebot jetzt den Ertrag. Wie fast landesweit, macht dem Mais auch in Poppenburg in diesem Jahr die Trockenheit zu schaffen. Das führt zu einer frühen Maisernte. Die ist laut Niehoff aber nicht vorzeitig, da die Wärmesumme und damit die physiologische Reife beim Mais erreicht sind.

Guter Rat für Energiemaisanbauer

Die Energiepflanzenberaterin der LWK rät den Energiemaisanbauern:

  • Bei den Sorten mit Biogas-Empfehlung sollten Landwirte nicht nur auf den TM-Ertrag schauen, sondern auch auf den Biogasertrag.
  • Viele Sorten des mittelspäten Sortiments, welches für das mittlere und südliche Niedersachsen relevant ist, kommen bei dem Kriterium Biogasertrag noch nicht ganz mit.
  • Anbauer sollten ihr Sortiment aber auch nicht jedes Jahr austauschen, denn wichtig ist der Faktor Ertragsstabilität, die sich erst im Vergleich von mehreren Jahren zeigt.
  • Zunehmend interessant werden Zweinutzungssorten wie Benedictio und Fabiano. Neben der Silierung für Kuh und Biogasfermenter können manche Sorten auch als Körnermais gedroschen werden, sind also Dreifachsorten.
  • Beim Körnermais ist der Hebel für die Wirtschaftlichkeit neben dem Vermarktungsweg die Trocknungskosten. Wohl dem, der günstige Wärme hat.

Mais-Stangenbohnen-Gemisch

    Interessant ist die Kombination von Mais mit Stangenbohnen. Folgendes ist zu bedenken:

    • Es gilt, die Saatstärke bei den Bohnen nicht zu überziehen, da sonst der Mais von den Bohnen heruntergezogen wird.
    • Generell sollte eine standfeste Maissorte gewählt werden.
    • Der Mischanbau ist eine Möglichkeit, Leguminosen in die Fruchtfolge aufzunehmen. Das ist im Hinblick auf die künftige Ackerbaustrategie von Bedeutung.
    • Nachteilig ist die eingeschränkte Herbizidauswahl.
    • Die Blüten der Bohnen sind attraktiv für Bienen und andere Insekten. Zugleich wird so der Mais optisch aufgewertet, was die Akzeptanz des Anbaus erhöhen kann.
    • Von der N-Fixierung der Bohne sollten sich Landwirte nicht zu viel versprechen. Sie funktioniert mit den Knöllchenbakterien nur, wenn der Boden nicht schon mit Stickstoff gut versorgt ist.
    • Ist das der Fall, zieht die Bohne sogar Stickstoff aus dem Boden.

    Mais-Bohnen-Mischung in der Fütterung

    Thekla Karina Niehoff von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen an einem Acker mit Mais-Stangenbohnen-Anbau.

      Interessant ist der Anbau auch für Futterbaubetriebe, erläuterte Karl-Gerd Harms, Maisexperte der LWK Niedersachsen. Nach seinen Angaben wollen Milchviehbetriebe die Mais-Bohnen-Mischung in der Fütterung einsetzen, um die Tiere auf diesem Weg mit Stärke und Eiweiß zu versorgen. Dann sollte eine phasinarme Bohnensorte gewählt werden.

      Toxische Werte sind laut Harms aber nicht zu befürchten, da durch die Schichtung im Silo ein Vermischen stattfindet. Negativ sind jedoch die hohen Saatgutkosten, die 150 % im Vergleich zur Reinsaat von Mais betragen. 

      Sorghum trockentoleranter

      In Niedersachsen wird auf etwa 650 ha Sorghum angebaut. Der Anbau der Energiepflanze könnte aufgrund der hohen Trockentoleranz künftig interessanter werden:

      • Sorghum reagiert erst später mit Ertragsdepressionen auf Trockenstress als der Mais. In Poppenburg war der Unterschied auffällig. Während der Mais abgereift und trocken war, präsentierte sich das Sorghum noch grün.
      • Durch das tiefreichende Wurzelsystem von Sorghum werden Wasser und Nährstoffe besser aufgenommen. Bei Trockenstress wird das Wachstum unterbrochen, nach Niederschlägen wächst die Pflanze weiter.
      • Bei Sorghum gibt es noch züchterisches Potenzial. Das betrifft etwa die Kältetoleranz.
      • Vor Mitte Mai sollte eine Aussaat nicht erfolgen. In Poppenburg wurde in diesem Jahr am 17.5. gesät.

        Auch die Standfestigkeit muss noch verbessert werden. „Alte“ Futterhirsesorten weisen eine Wuchshöhe von bis zu 6,50 m auf und sind entsprechend lageranfällig. Neuere Dualtypen vereinen die Vorteile von Körnersorghum wie Standfestigkeit, Energiedichte und Frühreife mit dem hohen Biomasse-Ertragspotenzial bestehender massewüchsiger Sorten.

        Weitere Vorteile von Sorghum gegenüber dem Mais:

        • geringer Schaderregerdruck,
        • geringere Attraktivität für Wildschweine.

        Die Methanausbeute ist jedoch geringer als bei Mais.

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