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Energie

Nach dem Motto "Weniger ist mehr"

von , am
28.08.2014

Energie ist teuer und Energiesparen lohnt sich. Die Energieeffizienz rückt als zweites Standbein der Energiewende noch mehr in den Fokus. Hier ein paar Hintergründe.

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) schätzt, dass durch energetische Sanierungen der Altgebäude und moderne Gebäudetechnik bis zu 80% des Energieverbrauchs eingespart werden können. © Mühlhausen/landpixel

Die Bundesregierung will den gesamten Energieverbrauch im Vergleich zu 2008 bis 2020 um 20% und bis 2050 um 50% senken. "Energieeffizienz bzw. Energieproduktivität müssen deutlich gesteigert werden, wenn wir diese ambitionierten Ziele erreichen wollen" sagt Lothar Nolte, Leiter der neu gegründeten Niedersächsischen Klimaschutz- und Energieagentur KEAN beim Genossenschaftstag Weser-Ems Ende Juli in Rastede (wir berichteten). Die Energiesparpotenziale sind enorm. Elektrogeräte und Autos werden bereits in Energieeffizienzklassen eingeteilt und entsprechend deklariert. Etwa 70% des deutschen Wohnungsbestandes ist älter als 35 Jahre. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) schätzt, dass hier energetische Sanierungen und moderne Gebäudetechnik bis zu 80% des Energieverbrauchs einsparen können.

Einsparziele

Angesichts der Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten steht das Thema Energieeffizienz auf politischer Ebene zurzeit weit oben. Im Juli hat die EU-Kommission neue Ziele vorgegeben: Bis 2030 soll der Primärenergieverbrauch um 30 bis 35% reduziert werden. Damit könnten bis zu 500 Mrd. € für fossile Energieimporte eingespart werden. Energieeffizienz ist auch Investitionspotenzial: "Wir können aus der Steigerung der Energieeffizienz ein umfassendes Wachstums-programm für ganz Europa machen, wenn wir die Rahmenbedingungen richtig setzen" sagt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Verbindlich ist bisher die EU-Energieeffizienz-Richtlinie von Dezember 2012. Die Umsetzung hinkt jedoch noch in vielen EU-Staaten. Auch Deutschland hat noch nicht alle EU-Vorgaben umgesetzt. Die Staaten müssen pro Jahr 1,5% Energie einsparen. 3% der öffentlichen Gebäude sollen ab jetzt jährlich saniert werden. Die Mitgliedstaaten müssen im Drei-Jahres-Rhythmus Nationale Energieeffizienz-Aktionspläne vorlegen. Private Verbraucher sollen durch mehr Transparenz ihre Energiekosten besser überblicken können, große Unternehmen sollen sich ab 2015 alle vier Jahre einem Energie-Audit unterziehen. Mittlere und kleine Unternehmen sollen ebenfalls Energie sparen.

In Deutschland überwacht die Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE) beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die Umsetzung der Energieeffizienzziele. Im Herbst soll ein Nationaler Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) neue Ziele und Maßnahmen vorgeben. Eine ganzheitliche Gebäudestrategie (Sanierungsfahrplan) soll Ende 2015 folgen. Ziel ist es laut Bundesregierung, bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand in Deutschland zu haben.

Seit Mai 2014 macht die neue Energie-Einsparverordnung (EnEV) bereits folgende Vorgaben: Bei Verkauf oder Vermietung muss in Zukunft ein Energieausweis mit Energieeffizienzklassen den Energieverbrauch der Immobilie kenntlich machen. Die Effizienzstandards für Neubauten erhöhen sich ab 2016 um etwa 25% (Primärenergiebedarf) bzw. 20% (Wärmedämmung der Gebäudehülle). Ab 2021 müssen alle Neubauten Niedrigstenergie-Gebäudestandard haben. Die meisten Heizkessel, die älter als 30 Jahre sind, müssen ausgetauscht werden.
 
Gut beraten

Energiesparmaßnahmen sind oft teure Investitionen. "Man muss Geld auftreiben" weiß Lothar Nolte von der KEAN. Der Dschungel von über 1000 Fördermaßnahmen durch Bund, Länder und die EU lässt sich grob in zinsvergünstigte Darlehen (z.B. von der KfW-Bank) und einmalige Zuschüsse aufteilen. "Hier müssen Prioritäten gesetzt werden. Allein der Bund hat 70 Fördermaßnahmen zur Energieeffizienz. Das ist zu unübersichtlich" erkärt Nolte. Die Fördermöglichkeiten seien oft nicht ausreichend bekannt, häufig unflexibel und finanziell begrenzt. Entscheidend für den Erfolg von Energieeinsparungen sei das Bewusstsein. Dieses Bewusstsein wächst. Eine Mittelstandsumfrage der DZ Bank aus diesem Jahr zeigt, dass die Energie-, Rohstoff- und Materialkosten zu den "aktuellen Problemfeldern" gehören. Beratung bieten neben Banken auch Verbraucherzentralen, lokale Energieagenturen und Energieberater an.
 
Auch energetische Sanierungen und Energiesparmaßnahmen bieten Potenzial für gemeinschaftliches Handeln. Genossenschaften können ein sinnvolles Geschäftsmodell darstellen, so Georg Litmathe vom Genossenschaftsverband Weser-Ems. Die Verbreitung von Informationen und positive Beispiele für Energieeffizienzmaßnahmen aus der Mitte der Gesellschaft seien unverzichtbar. Nur 50% der Biogasanlagen in Niedersachsen hätten ein sinnvolles Wärmekonzept, so Litmathe.

Matthias Partetzke von der iNeG Ingenieur Netzwerk Energie eG berät und betreut viele Unternehmen, Kommunen und Landwirte bei der Umsetzung von Energieprojekten. Er rät: "Fragen Sie nach. Was zahlen andere für Strom und Wärme? " Unternehmen wie Landwirte seien oft nicht bereit, 3.000/4.000 € für eine Energieberatung zu investieren, obwohl sie damit langfristig enorm Energiekosten sparen könnten.
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