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Energie

Reicht ein Anreiz-Programm aus?

von , am
11.02.2014

Für Biokraftstoffe gibt es wieder eine Perspektive. Ein Marktanreiz-programm soll den Einsatz von Biokraftstoffen in der Land- und Forstwirtschaft forcieren. Kann das gelingen?

In modernen Schleppern funktionieren die erforderlichen Systeme zur Abgasnachbehandlung auch mit Pflanzenöl. © Mühlhausen/landpixel
Auf einer vom Deutschen Bauernverband (DBV), der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (Ufop) und dem Bundesverband Dezentraler Ölmühlen und Pflanzenöltechnik (BDOel) veranstalteten Fachtagung in Berlin wurden die Anforderungen und Möglichkeiten eines solchen Anreiz-Programmes diskutiert. In der deutschen Landwirtschaft werden jährlich rund 1,8 Mrd. l Diesel eingesetzt. Das sind fünf Prozent des gesamten Dieselverbrauchs. Pflanzenöl und Biodiesel als Reinkraftstoffe haben praktisch keine Bedeutung mehr, seit ihre Steuerermäßigung ausgelaufen ist.

Da herkömmlicher Diesel für Landwirte steuerbefreit ist, können die Biokraftstoffe preislich nicht mithalten. Das sähe anders aus, hätte sich die SPD in den Koalitionsverhandlungen mit ihrer Forderung nach einer Abschaffung der Vergünstigung durchgesetzt. Doch im Koalitionsvertrag heißt es nun, dass die bisherige Regelung erhalten bleibt und erst mit einer späteren EU-Energiesteuerrichtlinie neu geregelt werden soll.

Ein Drittel interessiert

Etwa 30 % der Landwirte haben Interesse an der Verwendung von Biokraftstoffen. Das ergibt sich aus dem Konjunkturbarometer Agrar vom Sommer 2013. Doch viele Befragte äußerten zugleich Bedenken wegen fehlender Freigaben der Motorenhersteller oder mangelnder Kraftstoffqualität. Die in entsprechenden Normen festgelegten Qualitätsanforderungen bei Kraftstoffen müssen also unbedingt eingehalten werden, um einen störungsfreien Betrieb zu gewährleisten. Jetzt haben auch wieder einige Traktorenhersteller neue Schlepper für den Flex-Fuel-Betrieb zur Marktreife entwickelt und weitere Baureihen für den Betrieb mit Pflanzenölkraftstoff freigegeben. Doch weil die Nachfrage aus Sicht der Hersteller noch zu gering ist, zögern sie noch mit dem Start der Serienproduktion.

In der Diskussion auf der Tagung stellte denn auch Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des DBV, fest: "Wir kommen nicht darum herum, einen Anreiz zum Kauf solcher Maschinen zu geben." Denn die für Bio-Reinkraftstoff tauglichen Motoren sind wesentlich teurer. Vorgeschlagen wird deshalb die Förderung über ein Marktanreizprogramm, das entweder als Darlehen mit Tilgungszuschuss gewährt wird (nach dem Vorbild der KfW-Kredite) oder als direkter Investitionszuschuss. Innerhalb von fünf Jahren soll so die Anschaffung von 10.000 Schleppern gefördert werden. Begleitet werden soll das Programm durch eine Branchenplattform unter Beteiligung der Landmaschinenindustrie.
Mit dem verstärkten Einsatz von Bio-Reinkraftstoffen in der Landwirtschaft könnten Wertschöpfungsketten im ländlichen Raum wiederbelebt werden, nebenbei heimische Eiweißfuttermittel produziert werden anstelle von Sojaimporten sowie die Versorgungssicherheit erhöht und der Ausstoß von Treibhausgasen verringert werden.

Deckel bei 7 %

Voraussetzung wäre allerdings, dass die EU die Vorschläge zur Anrechnung indirekter Faktoren zur Landnutzungsänderung (iLUC, siehe auch nebenstehender Beitrag) vom Tisch nimmt. Durch die Anrechnung verschlechtert sich die Treibhausgas-Bilanz der Biokraftstoffe. In verschiedenen Ausschüssen des Europäischen Parlaments wurde in den letzten Monaten darüber intensiv diskutiert. Nach Angaben von Ufop-Geschäftsführer Stephan Arens wird die EU-Kommission die Werte auf Basis "der besten verfügbaren Quellen" in 2017 erneut prüfen.

Dennoch soll es weiterhin einen "Deckel" für Biokraftstoffe aus Nahrungsmittelpflanzen geben, den der europäische Rat bei 7 % einziehen möchte. Kraftstoffe aus Abfallölen und tierischen Fetten sollen zweifach angerechnet werden können. Die Neuregelung umfasst den Zeitraum von 2014 bis 2020, was danach mit den Biokraftstoffen geschieht, ist noch völlig offen.

Statt wie in den anfänglichen "Boomjahren" der Biokraftstoffproduktion auf die Spediteure zu setzen (vor ein paar Jahren wurden allein hier noch jährlich 1,5 Mio. t Reinkraftstoffe abgesetzt) wird sich jetzt bewusst auf Landwirte konzentriert, die künftig wieder statt Diesel ihr wirtschaftseigenes Betriebsmittel verwenden sollten. "Aber wir müssen auch Lehren aus früheren Umrüstprogrammen ziehen, wo die Funktionsfähigkeit der alternativen Antriebe nicht immer gegeben war", mahnte Udo Hemmerling.

Dass es hier durchaus positive Beispiele gibt, zeigte Dr. Edgar Remmele vom Technologie-und Förderzentrum des Bayerischen Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe. Er berichtete über Erfahrungen mit der Nutzung von Biokraftstoffen auf den bayerischen staatlichen Versuchsbetrieben. Insgesamt sind 13 Pflanzenöl-Traktoren auf den staatlichen Versuchsgütern im Einsatz. Ein Fendt Vario 412 (Baujahr 2003) ist mittlerweile über 6.000 Betriebsstunden gelaufen - zur Zufriedenheit der Betreiber zuverlässig und ohne Leistungsverlust oder Motorschaden.

Als gut geeignet für den Pflanzenöl-Kraftstoff sind Remmele zufolge die Common-Rail-Motoren der John-Deere-Schlepper. Hier könnte das vom Hersteller verkürzte Ölwechsel-Intervall durchaus auf das Wechselintervall bei Diesel angehoben werden. Die modernen Schlepper zeigen zudem, dass die erforderlichen Systeme zur Abgasnachbehandlung auch beim Betrieb mit Pflanzenöl funktionieren. Würde die Landwirtschaft ihren gesamten Treibstoff selbst erzeugen, wären dafür 1,5 bis 1,8 Mio. ha notwendig.
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