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Energie

Auf Störfälle gut vorbereitet sein

von , am
06.05.2014

Biogasanlagen, die zwischen 10.000 und 50.000 kg Biogas speichern können, fallen laut Bundes-immissionsschutzgesetz unter die Störfallverordnung. Was bedeutet das?

Jens Engelken (hier mit Methan-Messgerät) muss laut Störfallverordnung die Grundpflichten erfüllen. © Kahnt-Ralle

Durch die Verpflichtungen aus der Störfallverordnung sehen Anlagenbetreiber zusätzliche Dokumentationspflichten auf sich zukommen. Das ging Betreiber Jens Engelken in Haren (Ems) nicht anders. Er betreibt seit 2010 eine für diese Region typische Nawaro-Biogasanlage mit Mais, Grünroggen, Gras, Zuckerrüben, Hühnertrockenkot sowie Schweine- und Rindergülle als Substrate. Vor zwei Jahren wurde die Anlage auf 560 kW erweitert.

Aufgrund der Speicherkapazität seiner Anlage von etwas über 10.000kg Biogas muss  auch Engelken die Grundpflichten der Störfallverordnung erfüllen. Das bedeutet, er musste vor allem ein Sicherheitsmanagementsystem erstellen. Dies beinhaltet unter anderem die Themen: Organisation und  Personal, Ermittlung und Bewertung von Gefahren bzw. Störquellen, die Überwachung des Betriebes oder die Planung für Notfälle.

Aufwand minimieren


"Der notwendige Aufwand, der für ein solches Sicherheitsmanagementsystem betrieben werden muss, sollte in den täglichen Arbeitsablauf des Betreibers integrierbar sein",  so Johannes Zurfähr, der als Mitarbeiter in einem Energieversorgungsunternehmen mit der Störfallverordnung beruflich zu tun hat und für Engelken ein maßgeschneidertes Störfallkonzept erarbeitete. Dabei gebe er den formalen Rahmen vor, zusammen mit dem Betreiber werde dieser ausgefüllt, so Zurfähr.

"Die hier üblichen 500 kW-Anlagen sind meistens aber an einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb angeschlossen, der kein Personal extra zur Erfüllung des Sicherheitskonzeptes abstellen kann", so Zurfähr, der dafür plädiert, dass möglichst viele Daten, die von und auf der Biogasanlage vorhanden sind, in das Störfallkonzept mit einbezogen werden.

So könne man z.B. aus den Fütterungs- und Arbeitswerten  der Anlage (Einsatzstofftagebuch, Betriebstagebuch) "ablesen", ob eine bedeutende Gasleckage vorliegen könnte, so Zurfähr. Eine gezielte Messung bräuchte dann erst stattzufinden, wenn bei diesen Daten Abweichungen festgestellt würden. Auch ließen sich wiederkehrende Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten (Wartungsbuch für die Motoren) in das Störfallkonzept mit einbeziehen.

Liste abhaken

Jens Engelken hat seinen Weg gefunden: "Wir haben uns ein Rundgangprotokoll entwickelt, auf dem wir täglich und wöchentlich dokumentieren, ob alles in Ordnung ist". So werden täglich z.B. der  Motorölstand, die Gaszusammensetzung sowie die optische Prüfung der Behälteröffnungen überprüft, wöchentlich eine optische Kontrolle des Gasnetzes, der Keilriemenspannung am Kompressor vorgenommen und die Tauchmotorrührwerke auf Funktion und ruhigen Lauf hin übergeprüft. Das dauere etwa eine Stunde pro Tag, und rumgehen und prüfen würde man sowieso, so Engelken. "Da können wir auch auf unserer Liste den Haken machen", so der Betreiber.

Engelken gibt zu, dass es ihm anfangs schwer gefallen sei, sich so zu disziplinieren. Aber er habe schon einige Kontrollen durch die Behörden auf seiner Anlage über sich ergehen lassen müssen, er weiß also, wofür er sich absichert. Und "den Haken machen" halten der Betreiber und seine Frau Stefanie für sehr wichtig, dann habe man hinterher die Gewissheit, dass man alles kontrolliert hat. Zwar könnte man sich die Daten aus der Prozesssteuerung auch täglich aufrufen, ausdrucken oder aufs Handy schicken lassen, aber man müsse es auch tun. Aber nicht alle Informationen liegen dort vor.

Was anfangs als vielleicht lästige Pflichterfüllung aussah, entpuppte sich dann bald als nützliche Hilfestellung z.B. bei der Aufdeckung von Motorenproblemen. Engelken: "Wir können heute früher erkennen, wenn sich Probleme mit dem Motor abzeichnen und den Monteuren wichtige Hinweise geben". Beides habe einen positiven Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit des Anlagenbetriebes. "Monteure benötigen nicht mehr soviel Zeit, wenn sie die Entstehung des Motorproblems besser nachvollziehen können", hat Engelken erfahren. Kleinere Probleme könne er dann auch über Fernanweisung frühzeitig selber beheben.

Das Sicherheitsmanagementsystem laut Störfallverordnung fordert auch, dass bei Veränderungen an der Anlage immer auch die sicherheitsrelevanten Aspekte geprüft werden müssen. "Wir haben z.B. den Feststoffeintrag überdacht und müssen  eine Gummileiste anbringen, weil die Überdachung für Personen zu niedrig ist und Verletzungsgefahr bedeuten könnte", gibt der  Betreiber ein Beispiel.  Damit Personal auf der Anlage unterrichtet wird, was zu beachten ist und wie es sich zu verhalten hat, wurden im Betriebsgebäude entsprechende Listen mit Gefahrenpunkten und Betriebsanweisungen ausgehängt. Wer die Anlage betritt, muss diese Unterweisungen lesen und mit seiner Unterschrift bestätigen, dass er  unterrichtet wurde", erklärt der Betreiber. Ein wichtiger Punkt im Rahmen des Sicherheitsmanagementsystems sei die Kommunikation mit Polizei, Feuerwehr und Landkreis, was im Falle einer Störung zu tun ist. Zurfähr: "Die Störfall-VO schreibt vor, dass der Betreiber ein Konzept für den Notfall vorlegen muss". Hierfür gibt es keinen Gestaltungsspielraum, dies ist vorgegeben. Sollte trotz aller Vorkehrungen ein Störfall eintreten und die Versicherung leisten müssen, könne sich das Sicherheitsmanagementsystem auch hier positiv auswirken, ist Zurfähr überzeugt. Er rät Betreibern deshalb, bei der Verhandlung mit dem Versicherer das eigene Störfall-Konzept mit in die Waagschale zu werfen.
 
Weitere Infos: stoerfallkonzept@ing-zurfaehr.de
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