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Wie aus Stroh ein Biogassubstrat wird (Teil 1)

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Thomas Gaul
am
25.04.2018

Bei künftigen Ausschreibungen für Biogasanlagen ist der „Maisdeckel“ einzuhalten. Alternative Substrate wie Stroh sind dann gefragt. Was zu bedenken ist.

Bei den Reststoffen kommt vor allem Stroh in Frage:

  • Es fällt in der Landwirtschaft jährlich in großem Umfang an.
  • Die „Veredelung“ über die Biogasanlage hat den Vorteil, dass im Gegensatz zur Strohrotte auf dem Acker nicht zwei Drittel des Stroh-Kohlenstoffs in die Atmosphäre entweichen. Sie werden dem Boden in leicht umsetzbarer Form zugeführt und damit auch für den Humusaufbau zur Verfügung stehen.
  • Weil das Stroh selbst geringe Stickstoff(N)-Gehalte aufweist, ist es ein idealer Mischungspartner für Substrate, die wegen ihres hohen N-Gehaltes bisher nur eingeschränkt vergoren werden konnten.

Wie viel Stroh steht zur Verfügung?

Weil Getreidestroh auch bislang schon als Stalleinstreu genutzt wurde, ist eine Differenzierung zwischen dem theoretischen und dem nachhaltig nutzbaren Strohpotenzial notwendig:

  • Das nachhaltige Strohpotenzial Deutschlands beträgt abhängig von der verwendeten Methode der Humusbilanzierung zwischen 8 und 13 Mio. Tonnen im Jahr (Angaben des Deutschen Biomasse-Forschungszentrums, DBFZ).
  • Diese Zahlen entsprechen 27 bis 43 % des gesamten theoretisch nutzbaren Strohpotenzials in Deutschland.

Stroh als Alternative zu NawaRos

Die Gewinnung von Biogas aus Stroh ist aus energetischer und ökologischer Sicht eine sinnvolle Alternative zu Nachwachsenden Rohstoffen (NawaRos):

  • Im Gegensatz zu Mais oder Zuckerrüben werden keine zusätzlichen Anbauflächen benötigt.
  • Versuche zeigen, dass mit guter mechanischer Vorbehandlung von Stroh durchaus Biogaserträge möglich sind, die denen von Mais entsprechen. Das gilt allerdings nur, wenn man zuvor den unvergärbaren Ligninanteil rechnerisch abzieht.
  • Bei den gemessenen Methanerträgen von Stroh reichen im Vergleich zu Mais 17 der insgesamt 30 Mio. Tonnen Getreidestroh in Deutschland aus, um den gesamten Biogasmais mit 0,8 Mio. ha Anbaufläche ökologisch unbedenklich zu ersetzen.
  • Eine Tonne Stroh entspricht von der Organik dem 2,6fachen einer Tonne Frischmais-Silage oder umgekehrt eine Tonne Frischmais-Silage ist äquivalent zu 0,32 Tonnen Stroh.
Mit Material von Sebastian Antonczyk, Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), Hamburg

Silieren von trockenem, aber saugfähigem Material

Auch um die „Wasserproblematik“ zu entschärfen, bietet sich das Silieren von sehr trockenem, aber saugfähigem Material an. So kann ein Teil des Oberflächenwassers, das auf Fahrsiloanlagen anfällt, statt aufgefangen und entsorgt zu werden, gemeinsam mit trockenem Stroh siliert werden. Geradezu ideal dafür geeignet ist Maisstroh:

  • Pro Jahr fallen in Deutschland nach Schätzungen der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) bei der Ernte von Körnermais etwa 4 Mio. Tonnen Maisstroh an. Sie verrotten bisher auf dem Feld ungenutzt.
  • Dem stehen 12 bis 14 Mio. Trockenmasse (TM) Silomais gegenüber, die eigens für Biogasanlagen angebaut werden.
  • Der Anbau von Körnermais mit entsprechender Koppelnutzung würde also landwirtschaftliche Fläche in größerem Umfang freisetzen.

Betriebskosten bei der Strohvergärung

Bezogen auf die Betriebskosten gibt es auch „Haken“ bei der Strohvergärung:

  • Durch den Einsatz von faserhaltigen Einsatzstoffen erhöht sich insbesondere der Eigenstromverbrauch (mehr Rühren und evtl. Aufbereitung), der Verschleiß (durch Abrasion), die Personalkosten (Mehrmenge und personalintensiver) und die Handlingskosten (Mehrmenge).
  • Wie sich die Betriebskosten erhöhen, hängt zum Beispiel davon ab, ob 30 oder 60 % faserhaltige Stoffe bzw. Kleegras, Maisstroh oder Pferdemist eingesetzt werden.

Weitere Tipps zu Nutzung von Stroh in Biogasanlagen gibt es es im Teil 2: Stroh für Biogasanlagen nutzen..

Mit Material von Walter Danner, Berater aus dem bayerischen Reiskirchen
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