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Energie

Stromtrasse stößt auf Widerstand

von , am
19.02.2014

Ab 2022 soll Windstrom über 800 km von Schleswig-Holstein nach Bayern und Baden-Württemberg transportiert werden, ein erster Trassenvorschlag steht. Hier Reaktionen von Politikern und Verbänden.

Die vorgeschlagene Strom- trasse durchquert neun Landkreise in Niedersachsen. © dlv
Die Netzbetreiber TenneT und TransnetBW präsentierten jetzt den ersten Vorschlag für die Stromtrasse. Die vorläufige Planung löste Unruhe in Niedersachsen aus. Die Planungen sehen den Verlauf durch neun niedersächsische Landkreise vor. Betroffen sind - von Nord nach Süd - Stade, Rotenburg/Wümme, Verden, Heidekreis, Celle, Region Hannover, Hildesheim, Hameln-Pyrmont und Holzminden. Den längsten Streckenabschnitt hat Rotenburg/Wümme zu verkraften.

Die Planungen führen die Stromleitung westlich an Scheeßel und Rotenburg vorbei, queren die Bundesstraße 215 nach Osten, um entlang der Autobahn 27 bis auf Höhe Walsrode in südliche Richtung abzubiegen. Anschließend verläuft die Trasse östlich der Autobahn 7, zwischen Hannover und Lehrte. In Höhe Harsum geht es in westlicher Richtung an Hildesheim vorbei, über Salzhemmendorf und Emmerthal in Richtung Nordrhein-Westfalen.

Kaum war der Verlauf der Stromtrasse öffentlich, reagierten die Kommunalvertreter. Kritik entzündete sich vor allem daran, dass vorhandene Trassen von 220-KV- und 380-KV-Leitungen nicht genutzt würden. Zudem habe man es mit 70 m hohen Strommast-Giganten zu tun. "Es erschließt sich mir nicht, warum die Trassenführung östlich und nicht westlich von Hannover verläuft und damit deutlich länger wird", sagte Manfred Ostermann, Landrat im Heidekreis auf Anfrage.

Hermann Luttmann, Landrat in Rotenburg/Wümme, kritisiert den Verlauf. "Bisher ist nur eine Variante bekannt und keiner kann nachvollziehen, warum diese den Vorzug erhalten hat." Unverständlich ist für ihn, dass der Truppenübungsplatz im Heidekreis von den Planungen ausgenommen wurde. "Falls der einzige Grund ist, dass es sich um militärisches Sperrgebiet handelt, dann halte ich das für diskussionswürdig." In einem persönlichen Gespräch mit TenneT-Vertretern habe er seine Bedenken geäußert. Nun wolle der Landkreis in seinen Gremien prüfen, welche Möglichkeiten er habe, Einfluss auf die Trassenführung zu nehmen. Luttmann setzt auch auf das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium, das ebenfalls vermeldet hatte, Alternativen vorzulegen.

Im Landkreis Verden ist Kirchlinteln am stärksten betroffen. Nach dem aktuellen Entwurf orientiert  sich die Trasse grob an der Bahnlinie Rotenburg-Verden und verläuft dann neben Holtum-Geest in Richtung Autobahn 27 und an ihr entlang weiter nach Süden. Also direkt zwischen Kleinlinteln und Brunsbrock, und dann in Richtung Neddenaverbergen. In diesem Bereich wäre  eine große Waldfläche betroffen, die für die Trasse abgeholzt werden müsste. Landrat Peter Bohlmann hatte sich kritisch zu den Plänen geäußert und sich für eine Erdverkabelung ausgesprochen.

Schulenburg ist von Leitungen umzingelt

Die Ortsbürgermeister von Jeinsen und Schulenburg (Region Hannover) sind besorgt. "Für Schulenburg ist es eine Katastrophe", sagte Joachim Schneider gegenüber der Lokalpresse. Sein Heimatort sei umzingelt von Leitungen. Das Gesetz sieht vor, dass bei weniger als 400 Metern Abstand zur Wohnbebauung das Kabel unterirdisch verlegt werde muss. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel appellierte an die Bundesnetzagentur, davon Gebrauch zu machen. "Mehr Tempo beim Ausbau darf sich nicht zulasten der Bevölkerung gehen."

"Wenn die neue Leitung oberirdisch über Nutzflächen geführt wird, ist das in der Regel das geringere Übel für die Landwirtschaft als die Erdverkabelung, die mit einem schwerwiegenden Eingriff in den Boden auf großer Breite verbunden ist", stellte Umweltreferent Hartmut Schlepps für das Landvolk Niedersachsen fest. Er geht davon aus, dass die Landschaftsbeeinträchtigung durch die Strommasten über Ersatzgeldzahlungen kompensiert wird. "Problematisch für die Landwirtschaft kann in Teilbereichen die besondere Kompensationspflicht aus dem Artenschutz werden", so Schlepps.

Artenschutz ist problematisch

Kommunalvertreter und Verbände forderten eine umfangreiche Beteiligung der Bevölkerung. Die vorgestellte Vorzugstrasse dürfe nicht als vorweg genommenes Ergebnis des Verfahrens betrachtet werden.

Die ersten Informationsveranstaltungen von TenneT  wurden bis auf weiteres verschoben, ebenso die für dieses Jahr geplante Antragstellung. Hintergrund ist die Forderung des bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer nach einer Aussetzung des Verfahrens.
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