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Stromtrasse

Weniger Wald auf der Westtrasse vom Südlink

Südlink Trassenbreite
Thomas Gaul
am
19.03.2019

Seit Februar gilt: Die Stromtrasse Südlink nimmt den westlichen Verlauf. Aktuelles zu Planungsstand und Bedenken der Landwirte.

Vor allem im Westen der Region Hannover wurden Grundbesitzer und Landwirte Ende Februar überrascht. Bis dahin hatte der Netzbetreiber TenneT eher den östlichen Verlauf favorisiert. Dann jedoch teilte TenneT mit, die Stromautobahn von Neustadt über Garbsen, Seelze, Gehrden, Ronnenberg und Wennigsen bis Springe zu führen.

Durch den westlichen Verlauf sind zahlreiche Landwirte auf den fruchtbaren Böden des Calenberger Landes betroffen, über deren Flächen die Trasse verlaufen soll. "Die Bauern sollen das Erdkabel akzeptieren, damit die Bevölkerung es nicht sieht", sagt Dr. Holger Hennies, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Hannover.

Bürgerinitiativen: Protest gegen große Strommasten

Auf einer Länge von 70 km durchquert die Trasse das Gebiet des Verbandes. Dass es überhaupt zu der Erdverkabelung statt der Freileitung kommt, liegt an Bürgerinitiativen, die gegen große Strommasten protestiert haben und dabei Gehör bei der Politik fanden.

Die 700 km lange Hochspannungsleitung, die den vor Norddeutschlands Küsten erzeugten Strom zu den Verbrauchern in Süddeutschland führen soll, wird aus Gründen einer vermeintlich höheren Akzeptanz vorwiegend unter die Erde gelegt.

Und das, obwohl eine Freileitung wesentlich günstiger wäre. Die Baukosten für den Südlink als Erdkabel werden dagegen von TenneT mit 10 Mrd. Euro veranschlagt.

Interview mit Ulrike Hörchens, TenneT-Sprecherin

Aus welchen Gründen wird nun der Trassenverlauf westlich von Hannover favorisiert?

Wir haben die Korridorvarianten auf Basis von rund 150 Kriterien untersucht. Im Bereich Hannover waren vielfach Umweltschutzfragen entscheidend. Für ein Erdkabel wurden zunächst Flussauen und Flora-Fauna-Habitat-Gebiete als großes Hindernis betrachtet. Nach den Detailuntersuchungen ist nun klar, dass solche empfindlichen Bereiche unterbohrt werden können. Auf der Westtrasse liegen überdies weniger als zehn Kilometer Wald, der durchquert werden müsste, östlich sind es weit mehr.

Wie soll der Schutz des Bodens in der Bauphase sichergestellt werden?

Wir haben für unsere Erdkabelprojekte mit den „Leitlinien Bodenschutz“ einen Rahmen erarbeitet, wie der Bodenschutz in diesen Projekten beachtet werden soll. Dieses Dokument bildet die Grundlage für die regional spezifischen Bodenschutzkonzepte des SuedLink.

Diese Leitlinien und später auch die Bodenschutzkonzepte orientieren sich an der guten fachlichen Praxis und dem Stand der Technik entsprechend den Empfehlungen einschlägiger Leitfäden. Das umfasst beispielsweise Leitfäden von Bundesländern (z.B. „Leitfaden Bodenschutz auf Linienbaustellen“ der Landesregierung Schleswig-Holsteins) oder einschlägige DIN-Normen.

Wie geht Tennet auf die Bedenken der Landwirte ein?

Wir werden weiterhin den Austausch mit den Vertretern der Landwirtschaft suchen, um die Sicherheit der Kabelanlagen zu gewährleisten und gleichzeitig die Einschränkungen für die Landnutzer so gering wie möglich zu halten.

Ergeben sich Einschränkungen in der landwirtschaftlichen Produktion nach dem Bau?

Die landwirtschaftliche Nutzung nach guter fachlicher Praxis ist möglich. Einschränkungen gibt es, wenn die Erdkabel gefährdet werden, die bis zu ca.1,50 Meter tief unter der Oberfläche liegen. Pfähle oder andere Verankerungen, die tief in den Boden dringen, sind daher nicht möglich, genauso wenig wie tiefwurzelnde Bäume. Der Anbau von Sonderkulturen, d.h. verschiedenste Gehölze, die meist beim Obstbau vorkommen, können mit gewissen Einschränkungen weiter betrieben werden.

Wie lange werden die Bauarbeiten in einem Streckenabschnitt ungefähr dauern?

Auf Grundlage unserer bisherigen Erfahrungen gehen wir davon aus, dass in der Regel durch die Bauarbeiten für einen einfachen Kabelgraben ein Grundstück ca. 4 bis 6 Wochen in Anspruch genommen wird. Dabei werden folgende Bauphasen durchschritten: Vorbereitung der Trasse (Vermessen und Abstecken, Untersuchungen durch archäologische Baubegleitung und Kampfmittelräumdienst), Abtrag des Oberbodens und anschließende Herstellung des Grabenprofils, Kabeleinzug und Vermuffung der Kabelstücke sowie Rückverfüllung des Grabens.

Im Anschluss daran beginnen die Rekultivierungsmaßnahmen. Je nach Größe des Grundstücks, Beschaffenheit des Bodens, Witterungsbedingungen und anderen äußeren Faktoren können die Bauarbeiten auf dem Grundstück zeitlich variieren.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 12/19.

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