Login
Energie

Tipps für effizienten Anlagenbetrieb

von , am
24.07.2013

Wie lässt sich die Effizienz bestehender Biogasanlagen verbessern? In Tarmstedt war auch das Thema eines Energieforums. Hier gab ein Ingenieur praxisnahe Anregungen.

Substrate sind teuer und deshalb muss genau gerechnet werden. Alternative Sub-strate können eine Lösung sein, sollten vorher aber genau hinsichtlich EEG-Konformität  überprüft werden. Sonst riskiert man die Vergütung. © landpixel
Für Bernd Wolbring vom Ingenieurbüro NEST in Steinfurt müssen Betreiber an verschiedenen Schrauben drehen. Das beginnt bereits beim Substrateinkauf: "Wir bezahlen nur nach TS", so die klare Aussage. Die Ingenieurgesellschaft mit 25 Mitarbeitern betreibt selbst zwei Biogasanlagen mit einer Leistung von 2 MW und 600 kW. Zunehmend wird bei der Substratversorgung auf energiereiche Substrate wie Körnermais umgestellt. Um die 500 ha Anbaufläche werden jährlich von Landwirten "eingekauft".

Zur Strategie bei den Vertragsverhandlungen sagt Wolbring: "Wir haben nie Höchstpreise gezahlt, sind aber immer im oberen Drittel." Entwickelt wurde ein eigenes Erntelogistiksystem, das für alle Beteiligten transparent ist: "Der Landwirt kann bei uns in die Waage schauen." Die Erntekosten bei Mais liegen nach Angaben von Wolbring unter 7 €/t für Häckseln, Abfahren und Festfahren auf dem Silo. Trotzdem betont Wolbring: "Wir lassen auch dem Lohnunternehmer die Luft zum Leben."

In der gegenwärtigen Situation mit hohen Substratpreisen sieht er die Gefahr, dass Anlagenbetreiber preisgünstige Substrate verwenden, die beispielsweise per Tank-LKW aus den Niederlanden angeliefert werden. Wenn diese nicht EEG-konform sind, setzen Anlagenbetreiber den NawaRo-Bonus aufs Spiel.

Gärprodukte und Stromsparen

In Regionen mit hoher Biogasanlagen- und Viehdichte würde die fachgerechte Verwendung der Gärprodukte immer mehr zum Problem: "Wir reden bereits von Entsorgung, nicht mehr von Verwertung der Gärprodukte", macht Wolbring deutlich. Zur Aufbereitung werden auf den eigenen Anlagen Pressschnecken und mobile Dekanter eingesetzt. Die flüssige Phase dient dann zum Düngen des Getreides im Frühjahr und für das Grünland nach dem Schnitt.

Betriebe, die Gärprodukte aufnehmen, müssen seiner Ansicht nach beraten werden. Das gelte besonders für Ackerbaubetriebe, die keine Erfahrung mit der Gülledüngung haben. Auch wegen künftig zu erwartender gesetzlicher Auflagen sollten Anlagenbetreiber in Lagerraum investieren, so dass die Gärprodukte über 10 bis 12 Monate gelagert werden können. "Große Behälter sparen Geld", wie Bernd Wolbring festgestellt hat.

Besonders für "schwierige" Substrate lohne eine Zerkleinerung, betont der Biogas-Experte: "Das hilft immer, vor allem beim Einsatz von Festmist." Die Zerkleinerungstechnik verbraucht mitunter jedoch viel Strom, ein Aspekt, den viele Anlagenbetreiber sträflich vernachlässigen. Denn gerade im Stromeinkauf liege ein hohes Sparpotenzial. Wolbring rät dazu, im BHKW eine Brücke zu unterbrechen und den Strombedarf für Schaltschränke und Anlagentechnik aus dem Netz zu decken. Das könne Einsparungen von bis zu 2.000 € bringen.

Achten sollten Anlagenbetreiber auch darauf, dass sie bei ihrem örtlichen Stromversorger im günstigeren Gewerbekundentarif geführt werden. Mitunter ergibt sich auch die Möglichkeit, von einer benachbarten Windkraftanlage Strom für 9 ct/kWh zu beziehen.
Um die Verfügbarkeit der Technik zu gewährleisten, sollten Anlagenbetreiber wichtige Ersatzteile bevorraten. Außerdem kann es sinnvoll sein, Aggregate schon vor dem Ende ihrer Lebensdauer auszutauschen, wenn der Zeitpunkt günstig ist: "Der vorzeitige Tausch der Rührwerke kann Sinn machen, wenn der Fermenter im Mai ohnehin leer ist."

Gas-Kameras einsetzen

Um Verlusten auf die Spur zu kommen, sollten Betreiber ihre Anlage mit der Gascam untersuchen lassen. Inzwischen hätten sich hier ganz clevere Geschäftsmodelle etabliert, so Wolbring: So berechneten die Dienstleister 600 €, wenn bei der Untersuchung keine Verluste festgestellt würden, sonst jedoch 2.000 €. Durch die vermiedenen Verluste sei das jedoch in jedem Fall gut angelegtes Geld.

Sparen ließe sich auch durch regelmäßiges Anpassen des Versicherungsschutzes. Nach drei oder vier schadenfreien Jahren seien Einsparungen bei den Prämien von 20 bis 30 % möglich. Voraussetzung ist, dass der Betreiber mit dem Experten der Versicherung einen gemeinsamen Gang über die Anlage unternimmt.

Das derzeit niedrige Zinsniveau sollte darüber hinaus Anlass für eine Umfinanzierung zu aktuellen Konditionen sein. Anlagenhersteller und Technikanbieter bieten zudem neue Finanzierungsmöglichkeiten an: "Die neuen Lagerbehälter für die Biogasanlage lassen sich auch leasen."
Auch interessant