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Energie

Treibhausgase schwarz auf weiß

von , am
20.05.2014

Die Biogaserzeugung kann sehr klimaschonend betrieben werden. Das belegen erste Zahlen aus Treibhaus-gasberechnungen. Sie werden seit Jahresbeginn von der Landwirtschaftskammer erstellt. Ein Beispiel.

Peter Beeken (l.) hat es jetzt schriftlich: Seine Biogasanlage erreicht eine sehr gute Klimabilanz. Errechnet hat das Ansgar Lasar (r.) von der Landwirtschaftskammer Niedersachen. © Kahnt-Ralle

Bei der aktuellen Diskussion um die EEG-Novelle geht es nur noch um Preise und Kosten sowie Ausbaukorridore. Vom Klimaschutzgedanken scheint sich die Politik verabschiedet zu haben. Dabei sollte gerade dieser mehr denn je berücksichtigt werden. Denn infolge zu günstiger CO2-Zertifikate und billiger Kohle wird wieder mehr Strom aus fossilen Quellen erzeugt - und das konkurrenzlos günstig. Ein Rückschritt für den Klimaschutz, denn Deutschland hat dadurch seinen Ausstoß an klimaschädlichem CO2wieder erhöht.

Vergleich mit Kohle, Gas und Erdöl

Im Vergleich zu Kohle, Erdgas und Erdöl schneiden die viel gescholtenen Biogasanlagen  in ihrer Klimabilanz aber deutlich besser ab. Ansgar Lasar, Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, hat sich viel mit dem Thema Klimaschutz in der Landwirtschaft beschäftigt und kann diese Aussage mit Zahlen belegen: "Eine kWh erzeugte Energie aus Braunkohle setzt gut 1.000 g CO2 frei, eine kWh aus Erdgas immerhin noch gut 500 g und eine kWh aus der Biogasanlage zwischen 200 und 400 g CO2". Lasar macht es aber noch deutlicher: "Eine 500-kW-Biogasanlage vermeidet so viele Treibhausgase, wie 1.100 Autos bei einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 km ausstoßen".

Der Berater hat im vergangenen Jahr eine Berechnung von  Klimabilanzen für Biogasanlagen entwickelt.  Betreiber, die diese Dienstleistung nutzen, erfahren über das Ergebnis, wo in ihrer Anlage welche Treibhausgasemissionen anfallen.  Aber damit nicht genug. Lasar: "Die Klimabilanz für die eigene Anlage zeigt auch Reserven auf, die genutzt werden können und sollten, um die Klimafreundlichkeit zu verbessern".  Und eines sei auch klar: Eine Biogasanlage, die weniger Treibhausgasemissionen erzeugt, läuft auch wirtschaftlich rund, weil sie effizienter ist, kann der Berater aufzeigen. Die sachlich fundierten Zahlen der Klimabilanz könnten schließlich auch von den Anlagenbetreibern bei der Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden.

Einer, der wissen wollte, wie umweltfreundlich er seine Anlage betreibt, ist Peter Beeken, Betreiber von einer Trockenfermentationsanlage mit insgesamt 1,4 MW Leistung im ammerländischen Ocholt. Beeken ist schon durch andere, technische Besonderheiten (den Einsatz eines Gorators) bekannt geworden. Ein Fermenter wird mit Nawaros aus vorwiegend Mais, Getreide-GPS und Grassilage (4. Schnitt) gefüttert, der zweite Fermenter ausschließlich mit separierter Gülle und Festmist aus Milchvieh-  und Schweinebetrieben. Dabei wird der Mist über Container auf den Lieferbetrieben erfasst.

Mist wird weitgehend aufgeschlossen

Durch Techniken wie den Gorator (Nasszerkleinerer im laufenden Betrieb) werden die faserigen Stoffe aus dem Mist weit aufgeschlossen, so dass möglichst alle Energie von den Biogasbakterien vergoren werden kann. Um die Grassilage bestmöglich auszunutzen, wird der Gärrest aus dem „Grasfermenter“ über ein 1 mm-Sieb separiert  und die faserigen Feststoffe in den Gärprozess des Mistfermenters geleitet. Hinsichtlich der Ausnutzung seiner Substrate hat Beeken seine Anlage bereits weit optimiert. Das ist gut für die Klimabilanz. Lasar: "Besonders positiv für die Klimabilanz ist aber das Wärmekonzept der Anlage in Ocholt". Die Abwärme der drei BHKW heizt über zwei Wärmenetze 30 Häuser, eine Schule, eine Gärtnerei sowie mehrere Firmengebäude sowie einen Industriebetrieb.

Mehr als 8 Mio. kWh Wärmeenergie je Jahr werden so produktiv genutzt und vermeiden den Verbrauch fossiler Energieträger. Die verwertete Wärmemenge entspricht dem Heizwärmebedarf von 2.300 Personen. Wer die Möglichkeit habe, ein Wärmekonzept aufzubauen bzw. zu optimieren, könne sehr viel für die Umweltfreundlichkeit seiner Biogasanlage tun, betont Lasar. Wichtig sei aber, dass es sich um ein „echtes“ Wärmekonzept handelt, also zuvor genutzte fossile Energie ersetzt werde.

Aber gerade bei der Wärmenutzung sieht Betreiber Beeken eine Schwäche des in der Diskussion befindlichen EEG: "Für die Nutzung der BHKW-Abwärme wird kein ausreichender Anreiz gegeben". Beeken betont auch: "Hätte man von Anfang an bei den Biogasanlagen ein Wärmekonzept gefordert, wäre es nicht zu diesem Boom beim Anlagenzubau gekommen". Auf jeden Fall besteht auf etlichen Anlagen beim Wärmekonzept noch Nachholbedarf. Für die Treibhausgasberechnung benötigt Lasar eine Reihe von Anlagendaten. Neben der Stromerzeugung und der Wärmenutzung, werden auch Daten aus der Substraterzeugung oder dem Betrieb bzw. dem Bau der Anlage erfasst. Diese Daten stammen aus Beekens automatischen PC-basierten Aufzeichnungen (BOGIS-Programm) und werden jährlich vom Umweltgutachter geprüft.  Die Emissionsfaktoren, mit denen die einzelnen Betriebsdaten verrechnet werden, stammen aus der Datenbank "Einzelbetriebliche Treibhausgasberechnungen Landwirtschaft" und sind in einer bundesweiten Arbeitsgruppe abgestimmt worden. Der Berater achtet darauf, dass die richtigen Daten dem Betriebssystem Biogaserzeugung zugeordnet werden.

Daten auf Plausibilität überprüfen

"Wir prüfen alle Daten hinsichtlich ihrer Plausibilität, wir sehen immer das Gesamtsystem", so Lasar.  So sei z.B. die Gülle beim Übergang von der Tierhaltung über die Biogasanlage bis zum Feld so zu bewerten, dass kein Bilanzierungsbruch entstehen kann. Lasar weiß, dass es bei der Erstellung von Klimabilanzen bisher sehr unterschiedliche Ansätze gibt, weshalb Ergebnisse nicht unbedingt vergleichbar seien. Durch die Abstimmung der Berechnungsstandards in der bundesweiten Arbeitsgruppe soll hier Abhilfe geschaffen werden. Betrachtet man das Ergebnis der Anlage in Ocholt, sieht man, dass 62 % der Treibhausgasemissionen bei Anbau, Transport und Lagerung der Substrate entstehen, 24 % an BHKW, Fermenter und Gärrestlager, 10 % durch zugekauften Strom für den Anlagenbetrieb, 3 % aus der Errichtung der Biogasanlage und 1 % aus dem Diesel- und Schmierölverbrauch für den Anlagenbetrieb. Mit einer Treibhausgasemission von 169 g CO2äq je kWhel erreichte Beeken 2013 einen sehr guten Wert. Lasar: "Die Anlage in Ocholt vermeidet so viele Treibhausgase, wie 4.340 Autos mit einer Jahreskilometerleistung von 15.000 km ausstoßen". Dabei erzeuge sie jährlich soviel Strom wie 11.000 Personen verbrauchen (1.000 kW je Person). Fakten, die Kritiker der Biogaserzeugung auch berücksichtigen sollten. 
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