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Agrarpolitik

Erste Ökoflächen zum Ausgleich

von , am
09.07.2014

Erstmals wird in Niedersachsen durch ein Pilotprojekt die Umstellung auf den Ökolandbau als "produktionsintegrierte Kompensation" (PIK) für bauliche Eingriffe in Natur und Landschaft anerkannt.

Biolandwirt Jan Hemmeke erläutert das Konzept der Fruchtfolge und präsentiert die Ackerflächen und Grassäume. © Krüger
 
Das Projekt wurde am Montag in Itterbeck erläutert. Dort, in der Grafschaft Bentheim, wo der Boden fruchtbar ist, die Flächen aber knapp sind, geht man einen anderen Weg bei der Suche nach Ausgleichsflächen. In einer Kooperation der Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH, der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim und des Bioland-Betriebs der Familie Hemmeke aus Itterbeck wird künftig ein 22 Hektar großes Areal als Ausgleichsfläche genutzt. Dabei wird durch eine mindestens viergliedrige Fruchtfolge und das Anlegen von Gras-Stauden-Säumen der Boden entlastet und Lebensraum für Tiere geschaffen. Besonders für Wiesenvögel sei diese Bewirtschaftungsart laut Christian Kerperin von der Naturschutzbehörde von Vorteil: "Wo sich Feldlerche, Rebhuhn, oder Kiebitz in den Feldern oder Grassäumen zur Brut ansiedeln, lässt Jan Hemmeke die Nutzung bis zum Ende der Brutzeit ruhen."

Für die Einschränkungen bei der Flächenbewirtschaftung erhält der Landwirt von der Naturschutzstiftung einen finanziellen Ausgleich. "Die Aufwertung der Flächen wird nach einem speziellen Bewertungsschema in Ökopunkte umgerechnet und fließt in ein bei uns geführtes Ökokonto ein", so die beiden Geschäftsführer der Umweltstiftung Hartmut Schrap und Paul Uphaus. Wer einen Eingriff verursacht, kann sich des Ökokontos bedienen. "Über die Veräußerung der Ökopunkte erfolgt die Refinanzierung des Gesamtprojekts", so Schrap.

Bei einer Informationsveranstaltung auf dem Hof Hemmeke überzeugte sich auch der Bentheimer Landrat Friedrich Kethorn, selbst gelernter Landwirt, von dem Projekt. Die Umstellung der Flächen, auf denen im Moment Mais, Lupinen, Hafer und Gerste wachsen, ist vertraglich und grundbuchlich gesichert und auf 30 Jahre angelegt. Sie wird jährlich von einer unabhängigen Öko-Kontrollstelle überprüft.

Eine begleitende Untersuchung der der Uni Kassel soll erkunden, wie die Aufwertung für den Naturschutz erfasst und dokumentiert werden kann. Dr. Bettina Frieben, zuständige Biologin beim Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen, sieht das Pilotprojekt in Itterbeck als Modell, dass zur Nachahmung animieren soll: "In Thüringen und Nordrhein-Westfalen gibt es solche PIK-Flächen schon, nun sollen sie auch in Niedersachsen etabliert werden."
Auch der Kreislandvolkverband unterstützt die Maßnahme. Der Vorsitzende Hermann Heilker sagte: "Der Flächendruck auf die Landwirtschaft nimmt zu. Wir tragen diese Maßnahmen mit, denn konventionelle und ökologische Landwirtschaft haben beide ihren Platz in der Grafschaft."
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