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Forst

1 x 1 ist Schnee von gestern

von , am
13.05.2014

Bei der Anlage von Forstkulturen werden sehr viele Jungpflanzen in den Boden gebracht und später ein guter Teil wieder entfernt. Unser Experte erklärt, warum das sinnvoll ist.

Weil es Möglichkeiten der Vornutzung heutzutage kaum noch gibt, sind die Pflanzverbände gegenüber den früher üblichen weiter geworden. Diese Fichtenkultur wurde mit Reihenabständen von rund 1,80 m und Abständen der Pflanzen in der Reihe von 1,20 m begründet. © Cassens-Sasse
 
Für die scheinbar engen Pflanzverbände gibt es eine Reihe guter Gründe:
 
Nach der Pflanzung sind die  Forstpflanzen Gefahren ausgesetzt, die manchmal auch zu massiven Ausfällen in der Kultur führen können:
 
  • Biotische Gefahren, wie Verbiss-, Fege-, oder Schälschäden durch Wild, Pilzschäden (z.B. Hallimasch), Mäusefraß und Verdämmung durch Brombeeren;
  • Abiotische Gefahren durch Fröste oder Wassermangel.

Wenn dadurch Pflanzen absterben oder massiv beeinträchtigt werden, können große Lücken entstehen.

Wird ein gewisser Dichtschluss der Kultur nicht erreicht, werden die verbleibenden Stämmchen nicht so sehr zum Licht hin "gezwungen" und sie werden eher astiger und sperriger. Erst durch eine Konkurrenzsituation wachsen die vom Menschen erwünschten schlanken und astarmen Stämme. Daher werden Kulturen mit deutlich mehr Stückzahlen begründet. Diese liegen andererseits noch deutlich unter den Stückzahlen bei Naturverjüngungen.

Mit engen Pflanzverbänden lässt sich zudem ein gewisses Reservepotenzial schaffen. Fallen einzelne Pflanzen aus, so muss nicht sofort nachgepflanzt werden.

Angepasste Pflanzdichte

Da die Pflanzen und die Pflanzungen aber Geld kosten, werden die Pflanzenzahlen durch wissenschaftliche Versuche, aber auch durch Beobachtungen regelmäßig angepasst. Ziel ist es, mit möglichst geringem Aufwand eine möglichst hohe Pflanzenqualität und Sicherheit zu erhalten. Dies führt je nach Baumart, Wuchsbedingungen und Sortimentsauswahl der Baumschulware zu einer möglichen Spanne in der Pflanzenanzahl und damit einhergehend zur Wahl eines geeigneten Pflanzverbandes (s. Tabelle).

Zu einer Zeit, als noch Weihnachtsbäume, Bohnenstangen, Reiser, Latten für Zäune und Holz für Holzleitern gebraucht wurden und viele weitere Möglichkeiten der Vornutzung anfielen, wurde beispielsweise im Bergland die Fichte noch im Verband 1,0 x 1,0 m gepflanzt (also 10.000 Stück/ha). Ohne diese Vornutzungen ziehen derlei Dichtstände jedoch hohe Kosten für den Waldbesitzer nach sich: zum einen in der Läuterungs-/Durchforstungsphase, zum anderen bei Unterlassen der nötigen Stammzahlreduzierung aufgrund der Risiken durch Schnee- und Eisbruch oder Sturmschäden.

Kaum noch Vornutzungen

Da die oben genannten Sortimente in der Tat kaum noch anfielen oder betriebswirtschaftlich Sinn machten, wurden die Stückzahlen bei der Kultur deutlich reduziert und liegen zur Zeit bei rund einem Drittel der früher üblichen. Dies ist angesichts der stark gestiegenen Holzpreise und -nachfrage möglicherweise neu zu überdenken.

Es gelten folgende grobe Anhaltspunkte: Baumarten, die zu ästigem Wuchs neigen, werden enger gepflanzt (z.B. Kiefer, Eiche, Buche), die anderen Baumarten kommen mit weniger Stückzahlen aus (Lärche, Douglasie, Ahorn). In die Betrachtung einbezogen werden sollte, ob auf einer Freifläche mit oder ohne Begleitwuchs als Füll- und Treibholz (z.B. Birke) oder aber unter einem lichten oder lockeren Schirm von alten Bäumen gepflanzt wird (z.B. Voranbau).

Fazit


Um aus den vielen Variablen die für die konkrete Fläche geeignete Pflanzenanzahl zu planen, nehmen Sie am besten die Hilfe des/r betreuenden Försters/in in Anspruch, der/die Ihnen bei der Planung beratend zur Seite stehen wird.
 
Nachfolgend finden Sie die Tabelle zum Herunterladen:
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