Login
Forst

Ab dem zweiten Jahr ein Selbstläufer

von , am
11.06.2014

Kulturpflege, Ernte und Kosten einer Kurzumtriebsplantage, kurz KUP: Was Sie dazu wissen sollten, hat Dr. Florian Stockmann vom Forstamt Weser-Ems für Sie zusammengefasst.

Wenn Kurzumtriebsplantagen alle drei bis fünf Jahre beerntet werden, können modifizierte Feldhäcksler zum Einsatz kommen (Foto l.). Bei längeren Umtriebsphasen werden die Stämmchen zu dick und lassen sich dann nur noch motormanuell oder mit einem kleinen Harvester fällen. © Wald-Agentur

Während des ersten Jahres nach der Pflanzung einer Kurzumtriebsplantage ist eine mehr oder weniger intensive Begleitwuchsregulierung erforderlich, damit das Wachstum der jungen Stecklinge nicht behindert wird. Aus diesem Grund empfiehlt sich das Ausbringen eines Vorauflaufherbizids direkt nach der Pflanzung bei noch geschlossener Knospe.  Mit Hilfe eines schmalen Mulchers oder durch maschinelles oder manuelles Hacken, können die Fahrgassen in den Sommermonaten freigehalten werden. Ein weiterer Herbizideinsatz ist nur unter der Nutzung eines Spritzschirms möglich. Im zweiten Kulturjahr ist in der Regel keine Unkrautbekämpfung mehr notwendig.

Die Ernte des Holzes findet in der Vegetationsruhe, idealerweise in einer Frostperiode, im Januar/Februar statt. Die Erntetechnik orientiert sich dabei am gewählten Pflanzverband und der Umtriebszeit (s. LAND & Forst Nr. 23/14).

Häcksler oder Harvester

Bei kurzen Umtriebszeiten (3 bis 5 Jahre) werden die Pflanzen mit einem modifiziertem Feldhäcksler bodennah abgesägt, zu Hackschnitzeln verarbeitet und auf ein Trägerfahrzeug befördert. Neben selbstfahrenden Erntemaschinen sind auch Anbaugeräte für landwirtschaftliche Schlepper verfügbar.

Bestände im längeren Umtrieb (10 bis 15 Jahre) können motormanuell oder mit Hilfe eines kleineren Harvesters beispielsweise mit Fäll-Sammel-Aggregat beerntet werden. Hierbei werden die Bäume etwa 10 cm über dem Boden abgesägt bzw. abgekniffen. Das Erntegut wird mittels Forwarder oder Rückeanhänger von der Fläche heruntergefahren und zentral zwischengelagert. Ist das Holz für eine energetische Verwendung vorgesehen, sollte es dort über die Sommermonate zum Trocknen verbleiben. Das Hacken des Materials kann zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden. Holz für die stoffliche Nutzung wird gepoltert und anschließend abgefahren.

Je nach Standort und klimatischen Verhältnissen sind Erträge von 8 bis12 Tonnen atro (absolute Trockenmasse) je ha und Jahr aus einer Kurzumtriebsplantage zu erwarten. Die Preise für Holzhackschnitzel aus KUP mit einem Wassergehalt von 35 % liegen im Bundesdurchschnitt derzeit bei etwa 96 €/t (www.carmen-ev.de). Der Anbau einer KUP ist von verschiedenen Faktoren (Eigenverwendung oder Verkauf der Hackschnitzel, Besitzverhältnisse, Produktionsform etc.) abhängig und bleibt daher immer eine einzelbetriebliche Entscheidung. Die Tabelle gibt eine grobe Übersicht über die Kosten. Über eine Flächen-Rekultivierung kann, beispielsweise  bei nachlassender Wuchskraft, nach 25 bis 30 Jahren nachgedacht werden. Hierbei wird mit Hilfe eines Forstmulchers der Boden in einer Tiefe von 35 - 40 cm bearbeitet und dadurch der Wurzelstock vollständig zerstört.

Überschaubare Risiken

Mit der Anlage einer KUP sind auch Risiken verbunden: So empfiehlt es sich, Flächen mit hohem Wilddruck bis zu 1 ha Größe gegen Rot-, Dam- und Rehwild zu zäunen. Bei größeren Flächen fallen Verbiss- und Fegeschäden in der Regel nicht übermäßig ins Gewicht. Schäden an Wurzeln, die zum Absterben der Pflanze führen, können durch Schermäuse verursacht werden. Mit entsprechenden Ködern lassen sie sich jedoch effektiv bekämpfen.

Ein erhebliches Risiko ist insbesondere bei Pappeln der Befall mit Blattrost. Eine Behandlung mit einem Fungizid ist zwar möglich, jedoch aus ökologischen und ökonomischen Gründen nicht empfehlenswert. Deshalb sollte bereits bei der Sortenwahl auf rostresistente Arten geachtet werden. Ein weiteres Risiko kann durch massives Auftreten von Pappelblattkäfern entstehen, die mit Insektiziden wirksam bekämpft werden können.  
Auch interessant