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Forst

Älteren Öfen droht 2015 das Aus

von , am
01.04.2014

Sanieren oder stilllegen? Diese Frage stellt sich ab 2015 vielen Holz-, Kamin- und Kachelofen-Besitzern. Spätestens dann greift die 1. Bundesimmissionsschutzverordnung, die helfen soll, die hohen Feinstaub-belastungen zu mindern.

Einige Feuerungen sind zunächst mal von der Verordnung ausgenommen, so auch die Holzherde und Backöfen. © Brüggemann
Seit der Novellierung der 1. BImSchV im Jahre 2010 werden auch Holz-, Kamin- und Kachelöfen von der Verordnung erfasst und vom Schornsteinfeger kontrolliert. Dies ist auch erforderlich, denn die etwa 14 Millionen Feuerungen dieser Art tragen beträchtlich zur Feinstaubbelastung unserer Umwelt bei.

Herstellerverpflichtung zur Typprüfung

Die bedeutendste Änderung der 1. BImSchV für Einzelraumfeuerungen ist, dass nun sämtliche Feuerstätten mit Leistungen ab 4 Kilowatt (kW) in die Verordnung fallen. Dies war zuvor erst ab 15 kW der Fall. So wird seit 2010 eine Typprüfung für alle neuen Einzelraumfeuerungsanlagen wie Kamin- und Kachelöfen gefordert. Dabei wird nachgemessen, ob eine Feuerungsanlage die neuen Emissionsgrenzwerte für Staub und Kohlenstoffmonoxid (CO) sowie die Mindestwirkungsgrade einhalten kann.

Den Nachweis muss im Gegensatz zu Heizkesseln, die Zentralheizsysteme mit Wärme versorgen, nicht der Betreiber, sondern der Hersteller erbringen. Es wird nach der Errichtung der Feuerung also keine Messung vorgenommen, sondern der Bezirksschornsteinfegermeister kontrolliert anhand des Typenschildes, ob eine Typprüfung vorliegt. Bei der Anschaffung billiger Auslandsware ist also Vorsicht geboten.

Regelung für bestehende Anlagen

Die Verordnung sieht folgende Sanierungsregelungen für ältere Anlagen ohne Typenschild vor:

Bescheinigung des Herstellers, dass Grenzwerte für Staub von 0,15 g/m³ und für Kohlenmonoxid von 4 g/m³ auf dem Prüfstand eingehalten werden oder:
Nachweis über eine Vor-Ort-Messung, dass Grenzwerte für Staub von 0,15 g/m³ und für CO von 4 g/m³, vergleichbar mit den Prüfstandswerten, eingehalten werden.

Bestehende Einzelraumfeuerungsanlagen, für die dieser Nachweis erbracht werden kann, können zeitlich unbegrenzt weiterbetrieben werden. Ist dies nicht möglich, müssen Einzelraumfeuerungsanlagen, abhängig von ihrem Alter, ab dem 1. 1. 2015 bis 2024 nachgerüstet oder stillgelegt oder werden (siehe Tabelle S. 50 unten). Bis dahin, sind die Anlagen im Schnitt mehr als 30 Jahre im Betrieb und sollten dann ohnehin ausgetauscht werden.

Anstelle eines Austausches kann sich der Betreiber auch für die Installation eines bauartzugelassenen Staubfilters entscheiden. Hierfür steht ebenfalls der langfristig angelegte Zeitraum zwischen 2015 und Ende 2024 zur Verfügung. Allerdings sind bis heute noch keine erschwinglichen Staubfilter für Einzelraumfeuerungen auf dem Markt. Preise von 6.000 bis 8.000 € zerschießen jede Wirtschaftlichkeit.

Der Schornsteinfeger informiert

Betreiber einer Einzelraumfeuerung müssen zunächst selbst nichts unternehmen, der zuständige Bezirksschornsteinfeger macht auf die Sanierungspflicht aufmerksam, wenn es soweit ist.

Von der Sanierungspflicht ausgenommen sind:
  • nicht gewerblich genutzte Herde und Backöfen unter 15 Kilowatt
  • offene Kamine (dürfen nur gelegentlich betrieben werden), Badeöfen
  • Grundöfen, Kachelöfen aus mineralischen Speichermaterialien, die an Ort und Stelle handwerklich gesetzt wurden
  • Einzelraumfeuerungsanlagen in Wohneinheiten, deren Wärmeversorgung ausschließlich über diese Anlagen erfolgt
  • Kamine und Öfen, die vor 1950 errichtet wurden (historische Öfen).
Über den genauen Zeitpunkt der Nachrüstung oder des Austausches einer Einzelraumfeuerungsanlage werden die Betreiber im Rahmen einer ohnehin regelmäßig durchzuführenden Feuerstättenschau vom zuständigen Schornsteinfeger rechtzeitig informiert.

Die Errichtung oder Änderung einer Feuerstätte muss vor der Inbetriebnahme immer vom zuständigen Bezirksschornsteinfegermeister abgenommen werden.
In den hier beschriebenen Einzelraumfeuerungen darf  nur naturbelassenes Holz verfeuert werden, wenn der Feuchtegehalt weniger als 25 % beträgt (Wassergehalt < 20 %). Der Betreiber einer handbeschickten Feuerung hat sich innerhalb eines Jahres nach Inbetriebnahme durch einen Schornsteinfeger über die sachgerechte Bedienung der Anlage und Lagerung des Brennstoffes beraten zu lassen. Hier kann auch die zulässige Holzfeuchte (25 %) durch den Schornsteinfeger überprüft werden.
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