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Forst

Altholz unterbauen - aber wie?

von , am
19.03.2013

Viele Waldbesitzer möchten ihre verlichteten Nadelholzbestände in stabilere und produktivere Wälder umbauen. Wie man einen solchen Unterbau vorbereitet, lesen Sie hier.

Sie dürfen stehen bleiben: die weißen markierten Bäume sind positiv ausgezeichnet und bilden künftig den Altholzschirm. © Papenheim

Bei der langfristigen Überführung von Reinbeständen in stabile und vitale Mischbestände wird zwischen Unterbau und Umbau unterschieden. Während beim Unterbau das waldbauliche Schwergewicht nach wie vor auf dem vorhandenen Altbestand liegt, besitzt beim Umbau der Altbestand nur noch eine Schutzfunktion. Basis der Baumartenwahl sind die Empfehlungen der Standortkartierung. Darüber hinaus darf der Wildfaktor (sind Zaunbaumaßnahmen erforderlich?) nicht außer Acht gelassen werden.

Schlechteste Bestände sind erste Wahl

Die Phase der Vorbereitungen beginnt mit der Flächenauswahl. Die ältesten (60 Jahre oder älter) und qualitativ schlechtesten Bestände werden bevorzugt. Bei guten Ausgangsbeständen (Wertklasse (WK) besser als 3) sollte ein Bestockungsgrad von 0,6 nicht unterschritten werden; bei schlechteren Qualitäten (WK 3 und schlechter) kann der Bestockungsgrad auch schon mal bis auf 0,4 und nur im Extremfall bis auf 0,3 abgesenkt werden.

Entnommen werden vorrangig Stämme mit schlechter Stamm- und Kronenausformung sowie Bäume mit großen ausladenden Kronen, da sie bei einer späteren Nachlichtung häufig große Probleme bereiten und Schäden am Unterbau verursachen. Insbesondere Douglasien weisen bei zu starkem Schirmdruck Vitalitätsmängel im Bereich der Kronen- und Wurzelausformungen auf, wie Nachlichtungen in älteren Unterbauten gezeigt haben. Kleinere Kronenausformungen ziehen zwangsläufig ein verringertes Wurzelwachstum nach sich, was wiederum häufig Windwurfschäden zur Folge hat. Deshalb ist es äußerst wichtig, den Schirm rechtzeitig nachzulichten.

Positiv oder negativ auszeichnen?

Je nach Ausgangssituation wird zwischen positivem und negativem Auszeichnen des Bestandes gewählt. Beim positiven Auszeichnen erhalten die im Bestand verbleibenden Bäume eine Markierung, beim negativen Auszeichnen sind es die zu entnehmenden Bäume. Beim positiven Auszeichnen werden die als Schirm oder Überhälter zum Verbleib vorgesehenen Bäume im Abstand zwischen 5 m und 10 m markiert. Kriterien sind u.a. das Vorhandensein geringwertiger Altbestände mit einem relativ hohen Bestockungsgrad, das Ziel, die Übersichtlichkeit zu steigern und der geringere Zeitaufwand.

Je qualitativ höherwertiger und auch lichter sich ein Bestand darstellt, umso vorteilhafter ist das negative Auszeichnen, also die Kennzeichnung aller zu entnehmender Bäume. Negativ ausgezeichnet wird in der Regel auch bei bereits stärker reduzierten Bestockungsgraden  und wenn weitere unbefriedigende Bestandesglieder zu entfernen sind, die nicht in die folgende Neukulturfläche übernommen werden sollen.

Bereits bei der Anlage einer Unterbaufläche ist das Erschließungsnetz zu konzipieren, um sich weiter auf der Fläche bewegen und operieren zu können. Dabei stehen unterschiedliche Varianten zur Verfügung, wobei gegebenenfalls die Vorgaben der Zertifizierung zu beachten sind.

Alte Gassen oder neu erschließen?

Entweder übernimmt man das Gassensystem (soweit vorhanden) aus dem Vorbestand und führt falls nötig Ergänzungen durch oder man wählt bewusst die künftigen Gassen dort, wo momentan noch der Schirm am dichtesten ist. Dies hat den Vorteil, relativ wenig potenzielle Pflanzfläche zu verlieren und im Rahmen einer ersten Nachlichtung (angenommene zehn Jahre) ein aktuelles Erschließungssystem zu erhalten, ohne großen Schaden im Unterbau zu verursachen. Bis zu einem Kulturalter von etwa fünf Jahren sollte zudem die Möglichkeit bestehen, bei Sturmschäden im Bereich des Altholzes noch spurversetzt an die Bäume heranzukommen.

Es wird deutlich, dass es praktisch nicht möglich ist, bei der Vorbereitung von Unterpflanzungsmaßnahmen pauschalisiert vorzugehen, da jeder Ausgangsbestand eine unterschiedliche Handlungsweise erfordert. Neben den zu berücksichtigenden Qualitätsunterschieden spielt eine dominierende Rolle, über wie viel Erfahrung der Waldbesitzer beim Auszeichnen von Beständen verfügt. Bei Fragen oder Zweifeln scheuen Sie daher nicht den Weg zu Ihrem zuständigen Bezirksförster: Er steht Ihnen dann gerne mit Rat und Tat zur Seite.
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