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Forst

Eine anspruchsvolle Schönheit

von , am
06.05.2014

Die Vogelkirsche ist bei Tischlern und Bienen gleichermaßen beliebt, aber dem Waldbesitzer verlangt sie einiges an Pflegearbeit ab. Förster Michael Langer erläutert, was bei dieser Baumart zu beachten ist.

Herrlich anzusehen und eine Bienenweide ist die blühende Vogelkirsche, die hier am Waldrand steht. © Langer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Als Wildform der kultivierten Süßkirschen finden sich Vogelkirschen in unseren Laubmischwäldern in der Regel an Waldrändern oder auch einzeln im Waldbestand eingemischt, vorzugsweise in den sogenannten Eichen-Hainbuchenwaldgesellschaften. Der im Mittel 20, im Bestand auch bis 30 m hohe Baum bevorzugt frische, besser nährstoffversorgte Standorte und findet somit einen eher eingeschränkten Anbaubereich.

Steile Karriere

Auf eben diesen Standorten besticht die Vogelkirsche allerdings durch zwei interessante Attribute. Sie vermag in einem forstwirtschaftlich gesehen relativ kurzen Zeitraum von 60 bis 90 Jahren ein hoch bepreistes Holz zu produzieren. Örtliche Tischlereien nehmen gerne auch kleinere Mengen an, auf Wertholzsubmissionen erzielen Einzelstämme oft Spitzenpreise.

Aufgrund ihrer Anfälligkeit gegenüber einer Vielzahl von durch Viren, Bakterien und Pilzen verursachten Krankheiten (z.B. Schrotschusskrankheit) empfiehlt es sich, die Vogelkirsche nur in sehr kleiner Reinbestandsfläche unter einem Hektar oder in Mischbeständen anzubauen. Typische kleinere Aufforstungsflächen mit Vogelkirschenanteil können zum Beispiel Ersatz-und Ausgleichsmaßnahmen sein. Auf diesen "punktet" die Vogelkirsche nicht zuletzt aufgrund der Bedeutung als ergiebige Bienenweide und verbindet ökologische und ökonomische Ziele miteinander.

Bei der Aufforstung ist unbedingt auf eine geeignete Herkunft zu achten. Eine Alternative bilden die vegetativ vermehrten Pflanzen unter dem geschützten Markenzeichen Silvaselekt. Die genetisch bedingten guten Wuchseigenschaften dieser selektierten Klone erlauben weitere Pflanzverbände als mit herkömmlichem Pflanzgut üblich. Der höhere Preis je Pflanze dieses Sortimentes relativiert sich so weitestgehend.

Ein schneller Bestandesschluss ist bei der Kirsche wichtig, um die erwünschte Geradschaftigkeit zu erreichen. Diese ist für die Erzeugung von hohen Verkaufspreisen sehr wichtig. Während der Anwuchsphase ist auf die Gefährdung durch Mäuse zu achten. In der Jungwuchspflege, etwa bis zu einer Oberhöhe von ca. drei Metern, ist in der Regel ein Form- und Erziehungsschnitt nötig, um  zwieselnden Kirschen einen Hauptleittrieb zu geben.

Bei der Verwendung von Silvaselekt entfällt in vielen Fällen der sonst nötige Formschnitt, was zu einer weiteren Kosteneinsparung führt. Ist der Kronenschluss erreicht, sollte man die Selbstdifferenzierung wirken lassen. Bis zu einer Oberhöhe von etwa 12 m bewirkt der Dichtschluss Feinästigkeit und einen geraden Wuchs. Zukunftsbäume (Z-Bäume), die späteren Wertträger des Bestandes, sollten in dieser Phase nicht zu früh gefördert werden. In einer ersten Ästungsstufe sollte jedoch eine Grünästung auf drei Meter vorgenommen werden.

Geradlinig zur Endhöhe

Ab einer Oberhöhe über 12 Meter sollte dann konsequent und stark eingegriffen werden, um eine zügige Durchmesserentwicklung zu ermöglichen. Die Vogelkirsche erreicht als raschwüchsige Baumart schnell ihre Endhöhe und muss so frühzeitig eine ausreichende Krone ausbauen. Zwei bis drei Eingriffe je Jahrzehnt  bis zu einer Oberhöhe von 18 bis 20 Metern ermöglichen einen gleichförmigen Kronenausbau und entsprechendes Dickenwachstum. Eine zweite Ästungsstufe bis sechs Meter ist zu empfehlen. Im sogenannten Ausreifestadium soll die Vogelkirsche nun ihr wertholzreiches Produktionsziel mit Stämmen mit mindestens 40 bis 50 cm Brusthöhendurchmesser (BHD) erreichen, bevor sie als Wertholzstamm geerntet werden kann.  
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