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Forst

Arbeiten mit der Natur

von , am
30.04.2013

Wenn lückenhafte Bestände wieder geschlossen werden müssen, stehen Waldbauern vor der Frage: pflanzen, säen oder natürlich verjüngen? Wir nennen Ihnen gute Gründe für die natürliche Verjüngung.

Hier wächst ein stabiler Wald aus Fichten, Buchen, Birken und Eichen heran. © Nachreiner

Viele Waldbauern betrachten das Verfahren "Naturverjüngung" mit Skepsis. Doch es bietet gegenüber der Saat oder Pflanzung viele Vorteile, besonders im Klein- und Kleinstprivatwald:

Kosten
Gegenüber den künstlichen Verjüngungsverfahren entstehen geringere Kulturkosten und je nach Schirmstellung des Altbestandes geringe bis keine Pflegekosten.

Herkunft
Eine gute Anpassung an den jeweiligen Standort und Erhaltung örtlich erprobter Populationen.

Wachstum
Die ungestörte Ausbildung des Wurzelsystems.

Ein Fallbeispiel

Nach heißen Sommern tritt in Fichtenbeständen häufig folgendes Problem auf: durch Borkenkäferbefall entstehen Lücken im Bestandesgefüge; manchmal werden diese durch nachfolgende Gewitterstürme noch vergrößert. Die natürliche Verjüngung kann hier das Mittel der Wahl sein. Im Folgenden schildern wir die bei ihrer Anwendung gemachten Erfahrungen auf kleinen Flächen im Privatwald.

In der Regel werden solche  Störungen im Bestand zunächst beobachtet und abgewartet. Oft sind es viele kleine Flächen, auf denen sich eine planmäßige Kulturbegründung mit Bodenbearbeitung und Pflanzung nicht lohnt. Im Laufe der folgenden zwei bis fünf Jahre stellt sich in der Regel ein dichter Kegel aus Fichtennaturverjüngung, oft in Mischung mit verschiedenen anderen Baumarten, ein. Üblicherweise lassen wir diese Verjüngung wachsen und "schauen erst einmal nicht mehr hin". Sollte die Überschirmung durch die Altbäume ausreichen, wird es über Steuerung von Licht und Schatten zur natürlichen Auslese kommen. Das Ergebnis: Der Waldbauer erhält aus dem Samenpotenzial des Altbestandes eine Verjüngung ohne weitere Kosten.

Fehlentwicklungen

Sind die Lücken im Bestand zu groß für eine erziehende Wirkung von Licht und Schatten, so kann das "Wegsehen" dazu führen, dass die Qualität für eine weitere Bewirtschaftung nicht befriedigt, denn die hohe Stammzahl junger Fichten führt bei übermäßigem Lichtgenuss in der Regel zu schwachen und instabilen Verjüngungsbildern. Gleichzeitig verlieren die erwünschten Misch- und Begleitbaumarten den Konkurrenzkampf um Licht und Wasser. Sie werden in den dichten "Fichtenpolstern" erstickt.

Dieser Fehlentwicklung kann der Waldbesitzer in einer frühen Phase der Verjüngung mit geringem Kostenaufwand entgegenwirken. In der Regel reicht der Einsatz eines Freischneiders oder einer leichten Motorsäge völlig aus. Die Arbeiten sind ohne große körperliche Belastungen durchführbar. Der Ausführende benötigt lediglich Baumartenkenntnisse und ein gewisses Einfühlungsvermögen in das Zusammenspiel der verschiedenen Baumarten.

Denn, haben sich in der Verjüngung neben der Fichte auch andere, die Stabilität fördernde Mischbaumarten eingefunden, so ist es zu diesem Zeitpunkt wichtig, diese freizustellen und zu fördern. Hierbei werden Sie die Bezirksförsterinnen und Bezirksförster der Landwirtschaftskammer gern unterstützen. Der Abstand der verbleibenden Jungpflanzen sollte je nach Alter und Höhe zwischen zwei und drei Metern betragen. Es erfordert also etwas Mut, sich auch von üppig wachsenden Bäumchen zu trennen.

Frühe Weichenstellung

Fehlen in der Verjüngung geeignete Mischbaumarten, weil alte Samenbäume zu weit entfernt oder der Wilddruck zu groß ist, ist nun auch der geeignete Zeitpunkt, um diese durch Pflanzung zu ergänzen (Buche, Douglasie und je nach Standort Ahorn; einzelstammweise oder in kleinen Gruppen; als leichte Heister mit einer Drahthose oder geeignetem Fegeschutz; in Lücken und an Ränder). Auf diese Weise kann der Waldbauer mit geringem Einsatz die Weichen für einen stabilen Mischbestand stellen.
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