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Forst

Das Auge kauft mit

von , am
11.09.2013

Waldbesitzer sollten sich schon vor der eigentlichen Holzernte Gedanken machen, wem sie welches Holz in welchen Sortierungen anbieten wollen. Förster Dieter Scholz verrät, worauf es ankommt.

Buchenstammholz sollte dem Käufer sauber präsentiert werden. © Scholz
Mit Beginn des Herbstes stehen die Planungen für die kommende Holzeinschlagssaison bei der Buche an. Dazu sind aufgrund der Vielzahl möglicher Verkaufssortimente einige Vorüberlegungen und Abwägungen vorzunehmen, um den Holzkäufern bedarfs- und preisgerechte Sortimente andienen zu können.

Generell gilt: Wer sauberes und gut gezopftes Holz, möglichst einzeln liegend am Waldweg, in verladegerechten Portionen präsentieren kann, wird dies eher honoriert bekommen, als wenn einfach nur Langholz hingelegt wird, ohne sich vorher um die möglichen Verkaufssortimente (= Lose) Gedanken gemacht zu haben. Ein alter, immer noch geltender Leitspruch für die Präsentation lautet: "Das Auge kauft mit".

Geldwertes Sortieren

Soll das Stammholz in den (Übersee-) Export gelangen, muss es richtig gezopft sein; schließlich muss es in einen Container passen, darf also maximal nur 11,80 m lang sein. Oder geht das Stammholz an einheimische lokale Sägewerke, die vielleicht auch schlechtere Kronenstücke anhängend am Stamm mitkaufen? Auch hier gibt es Unterschiede hinsichtlich der Kundenkreise: Ein Käufer sägt konventionell mit einem Sägegatter, ein anderer braucht vielleicht Holz, welches geschält wird, also ein ganz anderen Verwendungskreis bedient. Oder gibt es sogar furniertaugliche Exemplare, die natürlich besser bezahlt werden und dann aber auch entsprechend präsentiert werden wollen?

Was soll mit dem "Rest" passieren: Neben dem reinen Kronenholz, welches als Industrieholz (Spanplatten- oder Zellstoffherstellung) oder Brennholz sortiert wird, fallen je nach Schlag auch noch andere Sortimente an; z.B. Holz für Palettensortimente oder Schwellenholz. Beide Sortimente sind zwar ähnlich, haben aber eben doch unterschiedliche Ansprüche an Längenmaße, Durchmesser und Toleranz von Rot- oder gar Spritzkernholz und unterscheiden sich daher auch im Preis.

Mehraufwand abwägen

Lohnt sich eine Sortierung in weitere Lose, die ja dann auch getrennt gelagert und präsentiert werden müssen, ist Platz für die Lagerung und spätere Holzabfuhrlogistik (Containerverladung benötigt Platz) oder kann das Restholz später gerückt werden? Es gilt hier zwischen höherem Sortierungsaufwand, Platzbedarf und Ertrag abzuwägen. Manche Holzkäufer möchten zum Schutz des Holzes vor einem möglichen Einreißen Schutzstücke am Stamm haben, andere bevorzugen Metallhaken als Schutz (S-Haken).

Fazit

All die genannten Überlegungen gilt es vor Hiebsbeginn zwischen Waldbesitzer, Förster, Holzverkaufsorganisation und Holzkäufern abzustimmen. Dann kann den zu beauftragenden Unternehmern ein präziser Arbeitsauftrag an die Hand gegeben werden. Schließlich muss die Umsetzung möglichst termingerecht auch bei nasser Witterung oder wünschenswerterweise nur bei Trockenheit und/oder Frost klappen und außer den Forstwirten zum Einschlag auch der Rücker präsent sein.
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