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Forst

Bäume schweben durch den Wald

von , am
26.02.2014

Eine Aufforstung unter dem Schirm älterer Bäume hat für die Anpflanzung ausschließlich Vorteile.
Wie können Sie aber später Überhälter entnehmen, ohne den Aufwuchs zu schädigen? Hier gute Tipps.

Der Greifarm des Baggers hat den Stamm des Überhälters fest im Griff und hebt ihn nach dem Fällen senkrecht vom Stock. © Sperrenberg
Douglasien, Küstentannen aber auch Buchen werden häufig unter Kiefern oder auch Lärchen angebaut. Mit seinem Wanderschatten bereitet der Schirm ein besonderes Waldklima. Die Problematiken der Freifläche entfallen. Die Anpflanzung ist weniger trocknis- und frostgefährdet. Zusätzlich erwachsen die Jungbestände feinastiger.

Wenn die jungen Douglasien oder Küstentannen aber mit den Jahren in die Kronen der Schirmbäume einwachsen, entwickeln sie Wuchshemmungen bzw. Kronendeformationen.

Schadloser Griff

Spätestens jetzt müssen die Überhälter entnommen werden. Eine motormanuelle Fällung der meist großkronigen Bäume würde jedoch in vielen Fällen übermäßige Schäden verursachen. Um dies zu verhindern, eignet sich eine Methode, bei der ein Bagger mit einer speziellen Greifzange zum Einsatz kommt.

Bei dem Verfahren bewegt sich der Kettenbagger auf einer vorher durch einen Harvester angelegten Schneise, greift den Überhälter in etwa fünf bis sechs Metern Höhe und fixiert ihn dort. Der Motorsägenführer schneidet den Baum mittels einer speziellen Schnitttechnik ab. Der Bagger hebt den Baum samt Krone senkrecht vom Stock und zirkelt ihn zwischen den jungen Bäumen hindurch zur Pflegegasse. Hier drückt der Baggerfahrer den Baum in die gewünschte Richtung und lässt ihn so gezielt auf die Gasse fallen.

Bei der nachfolgenden Aufarbeitung durch den Harvester sollte das Aufarbeitungsaggregat am Stamm entlang geführt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass beim Durchziehen der Kronen Schäden an den jungen Randbäumen verursacht werden. Aufgrund der kompakten Bauweise des Baggers und der speziellen Aufarbeitung des Harvesters reicht bei den PEFC-konformen Schneisen, im Abstand von 20 Metern, eine Breite von vier Metern aus.

Folgende Maßnahmen runden das Verfahren ab: Eine Gefährdungsbeurteilung zur Arbeitssicherheit unter Zuhilfenahme von Funkgeräten, die zwischen Motorsägen- und Baggerführer eingesetzt werden, die spezielle Schnitttechnik beim Fällen der Bäume und das Ausweisen von Sicherheitsbereichen für den Motorsägenführer, sobald der Baum vom Bagger bewegt wird.

Effizientes Verfahren

Die Kosten dieses Holzernteverfahrens sind - trotz des Einsatzes eines zusätzlichen Baggers - je nach Einschlagsmenge nur etwa doppelt so hoch wie die einer normalen Durchforstung, denn aufgrund die Konzentration des Holzes auf der Schneise ist die Leistung des nachfolgenden Harvesters höher.

Wachsen Douglasien oder Küstentannen schon in die Kronen von Kiefern ein, empfiehlt es sich, die meisten der  „Überhälter“ zu entnehmen. Wegen der bis dahin differenten Lichtverhältnisse sehen die Bestände anschließend reich strukturiert aus.
Bei jüngeren Unterpflanzungen kann zunächst auch ein größerer Teil des Überhaltes als „Erzieher“ verbleiben. Die Umstellung von Schatt- auf Lichtnadel erfolgt hierbei pfleglicher und für die Stabilität der jungen Bäume ist dies eher förderlich.
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