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Forst

Baum der ungeahnten Möglichkeiten?

von , am
07.01.2014

Die Robinie vereint Eigenschaften, die eigentlich nicht zueinander passen: schneller Wuchs und hartes, dauerhaftes Holz. Dennoch ist ihre waldbauliche Bedeutung hierzulande gering.

Nach einem Kahlschlag fällt der Neuaustrieb der Robinien häufig sehr üppig aus. © Dettelbach
Die den Akazien ähnelnden Fiederblättchen haben der Robinie die zusätzlichen Namen Scheinakazie oder falsche oder unechte Akazie eingebracht. Diese Ähnlichkeit taucht sogar im botanischen Namen auf: Robinia pseudo-acacia. Sie gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler und stammt ursprünglich aus Nordamerika.

Am Blattgrund sitzen zwei große Dornen von mehrjähriger Lebensdauer. Die weißen, stark duftenden Blüten erscheinen Ende Mai bis Juni in hängenden Trauben; sie sorgen für beträchtliche Mengen an Honig.

Wärmeliebend

Die Robinie bevorzugt das "Weinbauklima". Sie kommt recht gut mit dem hiesigen Klima zurecht, ist aber frostempfindlich, vor allem gegenüber Frühfrösten. Da sie sich außerdem für trockene und nährstoffarme, allerdings nicht zu saure Böden eignet, wird sie sicherlich zu den Gewinnern der Klimaveränderung zählen. Die Robinie ist eine Leguminose und somit in der Lage, mit Hilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff zu binden. Diesen Konkurrenzvorteil nutzt sie bei der Bepflanzung von Eisenbahndämmen, Straßenböschungen, Kippen und Halden.

Sie gehört zu den ausgeprägten Lichtbaumarten und wächst in der Jugend besonders schnell. Vergleicht man die Ertragsleistungen einiger Baumarten auf ähnlichen Standorten, so besitzt sie sogar im Alter von 80 Jahren noch eine höhere Massenwuchsleistung als Eiche, Erle oder Birke und eine ähnliche wie die Buche. Der mittlere Durchmesser ist dabei aber weitaus stärker. So liegt bespielsweise die durchschnittliche Umtriebszeit in guten Beständen in Ungarn bei rund 30 Jahren.

Das Holz ist erstaunlich resistent gegenüber Fäule und noch dauerhafter als das Eichenkernholz. Es ist fest, zäh und biegsam, lässt sich leicht bearbeiten und gut drechseln und schnitzen. Aufgrund dieser den Tropenhölzern ähnlichen Eigenschaften ist die Robinie nach Pappel und Eukalyptus die am häufigsten in Plantagen kultivierte Baumart.

Wege der Vermehrung

Seit 2003 ist die Robinie im Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) erfasst. Zu diesem Zeitpunkt waren nur wenige Bestände für die Saatgut-Beerntung zugelassen. So verwundert es nicht, dass die Qualität der bis dahin gepflanzten Exemplare häufig nicht befriedigend und Krummschaftigkeit, Zwieselwuchs sowie unrunde Stämme verbreitet waren. Dabei kann die Geradschaftigkeit der Robinie teilweise sehr beeindruckend sein. Berühmt geworden ist die Varietät "rectissima", deren Form ihr auch die Bezeichnung „Schiffsmast-Robinie“ eingebracht hat.

Die Robinie pflanzt sich auch vegetativ über Wurzelausläufer und Stockausschläge fort. Die künstliche Verjüngung kann daher auch über einjährige, etwa 10 cm lange Wurzelschnittlinge erfolgen. Die so erhaltenen Klone, die Teil der natürlichen Verbreitungsstrategie der Robinie sind, kann man heute auch in Gewebekulturen erzeugen. Aufgrund des steigenden Bedarfs an Saat- und Pflanzgut werden heute gute Robinien-Klone in Samenplantagen angebaut, um später hochwertiges Saatgut erzeugen zu können.

Zur Zeit sind nur zwei Sonderherkünfte von der DKV (Deutsche Kontrollvereinigung für forstliches Saat- und Pflanzgut e.V.) anerkannt und erhältlich: Märkische Schweiz (Brandenburg) und Hexenberg (Hessen).

Da die Robinie noch nicht im Katalog der Waldentwicklungstypen (WET) zu finden ist, ist ihr Anbau auf Förderungsflächen noch auf den Waldrand beschränkt.
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