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Waldschutz

Borkenkäfer in Niedersachsen: Was Waldbesitzer tun und lassen sollten

Trockener-Fichtenbestand
Michael Degenhardt, Forstamtsleiter LWK-Forstamt Südniedersachsen
am
11.03.2019

In wenigen Wochen beginnen die Borkenkäfer auch in Niedersachsen auszuschwärmen. Bis dahin haben Waldbesitzer noch viel zu tun.

Bei Temperaturen ab 17 °C aufwärts und länger werdenden Tagen ist in im Frühjahr mit dem ersten Schwärmflug der Borkenkäfer zu rechnen. Milliarden, die unter der Rinde oder in der Bodenstreu überwintert haben, starten dann auch in Niedersachsen durch.

Die bis dahin verbleibende Zeit sollte genutzt werden, um möglichst viele unschädlich zu machen. Das Holz sollte möglichst aufgearbeitet und abgefahren werden. Doch lässt sich das verwirklichen?

So ist die Situation:

Die Aufarbeitungskapazitäten sind vollkommen ausgelastet. Das Forstpersonal in den Sturmschadensgebieten arbeitet seit mehr als einem Jahr im „Katastrophenmodus“. Nicht alles Wünschenswerte wird sich realisieren lassen.

Borkenkaefer

Die Holzindustrie und die Nadelholzsägewerke in Deutschland können zudem trotz hoher Produktion nicht alles angebotene Holz aufnehmen. Die Märkte in Mittel- und Norddeutschland sind mit Fichtenrundholz geflutet, die Preise teilweise im freien Fall. Ehemals hochwertiges Sägeholz muss mittlerweile nicht selten als minderwertiges Industrieholz zu 16 €/Rm und weniger frei Waldstraße vermarktet werden.

Wegen des hohen europaweiten Kalamitätsholzanfalls und der zu befürchtenden Zwangsanfälle durch Borkenkäfer im Frühjahr und Sommer 2019 ist Besserung nicht in Sicht. Zwangsweise eingeschlagenes Holz dürfte in größeren Mengen zunächst unvermarktet liegen bleiben wird.

Wie sollen sich Waldbesitzer in dieser Situation verhalten?

Waldbesitzer sollten sich auf folgendes konzentrieren:

  • Nur Fichtenstämme entnehmen, bei denen tatsächlich noch Borkenkäfer unter der Rinde stecken und von denen eine Gefahr für benachbarte Bestände ausgeht.
  • Alle anderen zunächst stehen lassen und zu einem späteren Zeitpunkt einschlagen.
  • Einschläge, um Flächen abzurunden oder um die Kultur vorzubereiten, jetzt möglichst nicht durchführen.
  • Kurzfristig sind Abwehrmaßnahmen gegen frischen Stehendbefall wichtig. Dies ist ein Bündel von Maßnahmen, das vom fachgerechten Einsatz von Fangholzhaufen oder „Trinets“ bis hin zur Organisation der Kontrolle der Fichtenbestände reicht.
  • Durch intensive Kontrollen muss frischer Stehendbefall möglichst rasch entdeckt, die Bäume gefällt und mit zugelassenen Insektiziden behandelt werden.
  • Holzpolter mit darin überwinternden Borkenkäfern, falls sie nicht rechtzeitig abgefahren werden können, behandeln.
  • Weil die Verfügbarkeit der Pflanzenschutzmittel begrenzt ist, müssen sie rechtzeitig bestellt werden. Gleiches gilt für den Erwerb von Trinets.
  • Wegen des Überangebots am Holzmarkt müssen sich Waldbesitzer und Förster darauf einstellen, dass Polter noch mehrere Monate nicht abgefahren werden. Daher den Polterplatz sorgfältig aussuchen und effizient nutzen.
  • Bei der bevorstehenden nächsten Borkenkäferkatastrophe wird der Geschäftsbereich Forst der LWK Niedersachsen zusammen mit den Forstlichen Zusammenschlüssen die Waldbesitzer bestmöglich unterstützen. Entscheidend für das Ausmaß der Schäden wird aber neben entschlossenem und fachgerechtem Handeln der Witterungsverlauf sein.

Lesen Sie hier mehr über die Biologie des Borkenkäfers und sehen Sie sich unsere Bildergalerie mit Symptomen des Käferbefalls an...

Hier Infos zu Sonderregelungen durch die Niedersächsischen Ministerien für Umwelt und Landwirtschaft...

 

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