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Forst

Checkliste für Waldbesitzer: Wenn Sturmschäden drohen

Sturmschaden
Nicolas Suarsana, Bezirksförsterei Wolfenbüttel LWK-Forstamt Südniedersachsen
am
11.09.2017

Im Sommer 2017 haben viele Wärmegewitter Sturmschäden in Wäldern verursacht. Was Sie als Waldbesitzer tun können, lesen Sie in unserer Checkliste.

So heftige Sturmschäden wie das verheerende Orkantief Kyrill im Jahr 2007 haben die örtlich mit Stürmen verbundenen Wärmegewitter dieses Sommers nicht verursacht. Doch nach dem Sturm ist vor dem Sturm.

Waldbesitzer tun gut daran, sich auf weitere Unwetter vorzubereiten. Durch bedachtes Vorgehen können entstandene waldbauliche und wirtschaftliche Schäden deutlich minimiert werden.

Sommerstürme

Sturmholz

In diesem Sommer bildeten sich viele Wärmegewitter, auch Sommer- oder Konvektionsgewitter genannt. Sie haben folgende Eigenschaften:

  • Wärmegewitter entstehen in Mitteleuropa praktisch ausschließlich im Sommerhalbjahr.
  • Sie treten meistens in den Nachmittags- und Abendstunden auf.
  • Örtlich werden sie von Hagel und Stürmen begleitet, die Sachschäden, landwirtschaftliche Verwüstungen und Kalamitäten im Wald anrichten.
  • Erhebliche Schäden im Forst treten ab Windstärken von etwa 130 km/h auf.

Per Checkliste richtig handeln

Wie sollten Waldbesitzer im Falle von Wärmegewittern und möglichen Sturmschäden reagieren. Nachfolgend unsere Checkliste:

  1. Haben Sie als Waldbesitzer Geduld während eines Sturms und warten Sie zu Hause ab, bis sich das Unwetter gelegt hat. Mit einem verfrühten Versuch, den Schaden einzuschätzen, würden Sie ihr eigenes Leben riskieren. Auch leichte Windböen können angebrochene Äste oder Stämme zu tödlichen Fallen machen.
  2. Bereits nach der Ankündigung eines Sturms durch den Deutschen Wetterdienst oder während eines Sturms sollten Sie den Förster oder örtliche Unternehmer über eventuell bevorstehende Schäden informieren. Große Mengen Schadholz aus benachbarten Waldgebieten können zu einem Wettkampf um Unternehmerressourcen führen. Eine Absprache mit Forstunternehmen und Nachbarbetrieben ist daher sinnvoll.
  3. Führen Sie zwischen dem ersten und dritten Tag nach dem Schadereignis eine Groberhebung des Schadensausmaßes durch. Dabei können Kameradrohnen effiziente Helfer sein. Ist eine Waldstrukturdatenerfassung oder ein Forstgutachten vorhanden, erleichtert dies die Schätzung der Schadenshöhe und die Planung der Aufarbeitung deutlich.
  4. Die anfallenden Holzmengen sollten der Vermarktungsebene gemeldet werden, damit diese vorab mit den Holzkäufern Verträge abschließen kann.
  5. Im selben Zeitraum ist es aus Verkehrssicherungsgründen und für den Abtransport des gesamten Schadholzes wichtig, die Wege wieder freizuschneiden und umsturzgefährdete Bäume an Wegrändern zu fällen.

    Ab dem dritten Tag nach dem Sturm sollte die Aufarbeitung des Sturmholzes in einer sinnvollen Reihenfolge vollzogen werden. Dazu hier einige Faustregeln:

    • nur so viel Holz aufarbeiten, wie auch vermarktet oder konserviert werden kann;
    • bei sehr großen Kalamitätsmengen nur so viel Holz konservieren, wie unbedingt aufgearbeitet werden muss, aber noch nicht verkauft werden kann, z.B. käferbefallene Bestände;
    • Windbrüche vor Windwürfen und Sonnenhänge vor Schatthängen aufräumen (natürliche Lebendkonservierung);
    • verkehrsgefährdende Bestände als erstes aufarbeiten (Verkehrssicherungspflicht gilt auch bei öffentlichen Straßen);
    • aus Waldschutzgründen (potenzielle Entwertung des Holzes bei zu langer Lagerung, Borkenkäferprävention etc.) sollte in folgender chronologischer Reihenfolge aufgearbeitet werden: 1. wertvolle Buchen- und Buntlaubholzstämme, 2. Fichtenbestände mit Einzel- oder Nesterwürfen, 3. Großflächen mit Fichten und Kiefern, 4. Eichen und Pappeln.

    Standortkartierung: So passt der Baum zum Waldboden

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