Login
Forst

Downhill - Wald als Hindernisparcours

von , am
12.02.2013

"Downhill" fahren auf illegal angelegten Pisten kann zum Problem werden für Waldbesitzer und andere Waldnutzer. Hier ein Bericht aus dem Teutoburger Wald mit interessanten Lösungsvorschlägen.

Downhiller kennen nur eine Richtung: Es geht immer abwärts. © Gleissner

Auf dem Fahrrad mit hohem Tempo über eine hindernisreiche Stecke abwärts fahren - was für viele unvorstellbar klingt, macht bei den sogenannten "Downhillern" einen besonderen Reiz aus. Sie nutzen dafür bis zu 20 kg schwere, äußerst kostspielige Spezialfahrräder, die ausschließlich für die Abwärtsfahrt ausgelegt sind.

Nicht für schwache Nerven

Das Downhill-Fahren ist eine Variante des Mountainbiking und wird meist im Wald trainiert. Zum Ärgernis wird die Sportart dann, wenn sie auf illegal angelegten Parcours ausgeübt wird. Downhiller bevorzugen steile Hänge, die quer durch die Waldbestände verlaufen. Oft erhöhen eingebaute Rampen und Sprünge Schwierigkeitsgrad und Nervenkitzel. Querende Fahr- und Rückewege werden häufig übersprungen, wobei die Downhiller über Strecken von fünf Metern und mehr fliegen.

Verschiedene illegale Strecken befinden sich auch im Bereich des Teutoburger Waldes. Sie werden über das Internet bekannt gemacht, sodass nicht nur Downhiller aus der weiteren Umgebung, sondern auch aus den Niederlanden in dem Gebiet anzutreffen sind.
Waldbesitzer, in deren Waldflächen sich intensiv genutzte Downhillstrecken befinden, äußerten zunehmend Verärgerung und auch Verunsicherung im Hinblick auf die rechtliche Situation. Illegale Downhillstrecken stellen Verstöße gegen das Eigentumsrecht, das Waldgesetz und die Verordnung zum Landschaftsschutzgebiet dar. Hinzu kommt eine unübersichtliche Situation in Bezug auf die Verkehrssicherungspflicht für Waldeigentümer, die Downhillstrecken auf ihrem Grund und Boden dulden.

Zudem mussten die Waldbesitzer feststellen, dass sie selbst keine wirksamen Möglichkeiten haben, das Downhillfahren zu unterbinden. Das hohe Tempo der Downhiller und unwegsames Gelände verhindern, dass die Sportler direkt angesprochen werden können. Auch ein Zerstören der Strecken und Hindernisse hatte meist nur kurzzeitige Wirkung oder führt zu einer Verlegung der Strecke in den Nachbarbestand.
Aus der Erkenntnis heraus, dass der Einzelne hier nicht viel erreichen kann, trugen die betroffenen Waldbesitzer und Bezirksförster das Thema an den Vorstand der Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd heran. Der Vorsitzende regte  daraufhin die Bildung eines Arbeitskreises an, der seither in folgender Zusammensetzung tätig ist: Downhillfahrer; Vertreter der Tourismusbranche, Vertreter der Ordnungsbehörden, betroffene Waldbesitzer, Förster und Vertreter der  Kommunen. Die Politik wurde auf verschiedenen Ebenen eingebunden. Die Mitglieder verfolgen drei Hauptziele:

1. Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten
2. Schaffung legaler Strecken für den Downhillsport
3. Unterbinden des illegalen Fahrens abseits von Wegen.

Mit Veranstaltungen und Informationsflyern, die die Situation der Downhillfahrer und der Waldeigentümer beschreiben, wurde dem Informationsaustausch Rechnung getragen.
In der Stadt Osnabrück wurde eine legale Strecke geschaffen, die in die Trägerschaft eines Sportvereins gestellt werden konnte. Weitere Strecken werden diskutiert, sind aber von einer Umsetzung noch recht weit entfernt.

Dem Ziel, das illegale Fahren durch die Waldbestände zu unterbinden, will man im Frühjahr 2013 näherkommen. Hierzu sollen unter Mitwirkung der Polizei,  der Ordnungsbehörden und der Waldbesitzer an bekannten Strecken Downhiller angesprochen und gegebenenfalls angezeigt werden.

Um im Bereich der Verkehrssicherungspflicht auf der sicheren Seite zu sein, wird den betroffenen Waldbesitzern empfohlen, die Nichtduldung der illegalen Strecken gegenüber der unteren Waldbehörde zu dokumentieren.

Fazit

Durch das Downhillfahren  abseits von Wegen werden Teile des niedersächsischen Privatwaldes und dessen Erholungsfunktion überbeansprucht. Es bleibt eine Daueraufgabe der Waldeigentümer und insbesondere der forstlichen Zusammenschlüsse, gegenüber der Öffentlichkeit und auch den Ordnungsbehörden die Rechte des Waldeigentums zu verdeutlichen und umzusetzen. Der fehlende Vollzug von bestehenden gesetzlichen  Regelungen schafft ein verfälschtes Rechtsverständnis in Bezug auf die allseits anerkannte Erholungsfunktion des Waldes.
Auch interessant