Login
Artenkunde der Forstgehölze

Eibe: Ein Relikt der Eiszeiten

Dieter Scholz, Bezirksförsterei Hils-Vogler-Ost, LWK Forstamt
am
06.05.2016

Die Eibe gilt als stark bedroht und steht unter Schutz. Das Nadelgehölz verfügt über einige erstaunliche und wenig bekannte Merkmale.

Dass die Europäische Eibe (Taxus baccata), Gemeine Eibe oder meist einfach Eibe genannt, nur wenig im Bewusstsein der Menschen ist, liegt vermutlich an ihren seltenen Vorkommen.

Obwohl sich ihre natürliche Verbreitung auf ganz Europa erstreckt, findet man sie in Niedersachsen nur in den wärmeren Kalkbuchenwäldern des Berglandes und dies meist als Relikt.

Eibe als Tertiärrelikt

Dabei gilt sie als die älteste Baumart Europas (Tertiärrelikt). Ihr massiver Rückgang begann jedoch bereits ab ca. 2000 v. Chr. Heute steht die Art auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Hauptursachen dafür sind die starke Übernutzung durch Menschen und die Ausbreitung der konkurrenzstärkeren Buche.

Eibenholz zäh, schwer und hart

Das Holz war einst sehr beliebt, denn es ist außergewöhnlich widerstandsfähig, zäh, schwer und hart und konnte so für viele Zwecke genutzt werden. Am bekanntesten dürfte die Verwendung für Bögen und Armbrüste sein.

Eiben wurden als lebende Waffenkammern in der Nähe von Burgen gepflegt, wo sie auch heute noch meist zu finden sind.

Gletschermann mit Langbogen aus Eibe

Ein Beispiel ist der Eibenwald nahe der Burg Plesse nördlich von Göttingen. Allerdings gibt es dort keine geschlossene Reinbestände von Eibe, sondern die Eiben kommen meist nur als Trupp oder Gruppe vor.

Bereits der Gletschermann „Ötzi“ trug einen Langbogen aus Eibe bei sich und die jüngst entdeckten Langspeere aus Schöningen im Landkreis Helmstedt sind ebenfalls aus Eibenholz.

Holz als Exportschlager

Das Holz war bis in das Mittelalter ein echter (Waffen-)Exportschlager, bestimmt für den Bau von Langbögen, was zum Teil zu einer extremen Übernutzung führte. Auch alte Pfahlbauten wurden mit Eibenholz errichtet. Andere Verwendungen sind Schnitz- und Drechselarbeiten (Schachfiguren) und der Musikinstrumentenbau.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 18/2016 auf Seite 58. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

Auch interessant