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Forst

Die Eibe: ein Standortwunder

von , am
31.07.2013

Früher war die Eibe ein sehr begehrter Waldbaum, heute finden wir sie häufiger in Parks und Gärten. Dabei hat sie viele gute Eigenschaften, aber auch einige problematische.

Von allen europäischen Baumarten verträgt die Eibe den Schatten am besten. © Elsner
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Europäischen Eibe (Taxus baccata) erstreckt sich von Skandinavien bis ins nordafrikanische Atlasgebirge und von Spanien bis zum Kaukasus. Sie besiedelt Ebenen und Gebirge bis zu einer Höhe von 1.400 m in den Alpen. Dabei zeigt sie eine große Vielfalt möglicher Standorte. Sie gedeiht auf feuchten, wechselfeuchten bis hin zu sehr trockenen Böden aus organischem Substrat, Sand, Kalk- oder Silikatgestein. Wie viele andere Baumarten entwickelt sich die Eibe auf frischen, nährstoffreichen und gut durchwurzelbaren Böden am besten.

Erträgt Schatten wie keine andere ...

Hier ist allerdings die Konkurrenz durch andere Bäume auch am größten, sodass es sehr selten reine Eibenbestände gibt. Am häufigsten wächst die Eibe in lichten Eichen-, Buchen-, Edellaubholz- und Tannenbeständen im Unter- oder Zwischenstand. Dabei profitiert sie von ihrer außerordentlichen Schattenerträgnis, der größten aller europäischen Baumarten.

In Mitteleuropa werden Eiben selten größer als 15 m. Der oft mehrteilige und spannrückige Stamm kann über 50 cm stark werden.
Eibennadeln sind weich und biegsam, zwischen 1,5 cm und 3,5 cm lang und rund 2 mm breit. Die Oberseite ist glänzend dunkelgrün, die Unterseite der Nadel matt hellgrün. Zwischen März und Mai blüht die normalerweise zweihäusige Eibe, d.h. männliche und weibliche Blüten befinden sich auf unterschiedlichen Bäumen. Bis August/Oktober reift der bläulich-braune Samen, der dann von einem leuchtend roten Samenmantel umgeben ist.

Amseln, Drosseln und Stare nehmen den gesamten Samen auf, verdauen den Samenmantel und scheiden den eigentlichen Samen wieder aus. Damit tragen die Vögel zur Verbreitung des Baumes bei. Die Eibe kann sich aber auch über Wurzelbrut oder bis zum Boden abgesenkte Äste, die sich bewurzeln, vermehren.
Weil die Eibe sehr langsam wächst, bildet sie ein feinringiges Holz aus, das überaus dauerhaft, hart, zäh und elastisch ist. Dabei ist das Kernholz rötlich-braun und der schmale Splint gelblich-weiß.

Aufgrund dieser guten Eigenschaften wurde die Eibe bis zum 16. Jahrhundert stark übernutzt, wovon sich die Bestände bis heute nicht erholt haben (mehr zur Historie siehe
rechts im Beitrag "Schon in der Steinzeit geschätzt"). In Deutschland steht sie daher auf der Roten Liste der gefährdeten Arten (Klasse 3 = gefährdet). Der größte niedersächsische Eibenbestand befindet sich bei Bovenden-Eddigehausen und umfasst ca. 800 Bäume mit einem Alter bis zu 200 Jahren. Hohe Wilddichten haben mancherorts die Verjüngung der Baumart verhindert, da Rotwild, Rehwild, Hase und Kaninchen unempfindlich gegen das Gift der Eibe sind und die Jungpflanzen stark verbeißen.

... und hält langen Dürrezeiten stand

Alle Pflanzenteile bis auf den roten Samenmantel, aus dem sogar Marmelade hergestellt werden kann, sind für den Menschen giftig. Auch Haustiere wie Rinder, Schafe, Ziegen und besonders Pferde können nach dem Fressen der Nadeln sterben. Bei Pferden ist schon eine Menge von 100 bis 200 g Nadeln tödlich. Aus diesem Grund gab es Vorbehalte gegen den Anbau der Eibe.

Aktuell hat die Eibe im Wald wegen der geringen Holzmenge keine wirtschaftliche Bedeutung. Gelegentlich anfallendes Holz findet aber gute Verwendung als hochwertiges Furnier, für Drechselarbeiten oder beim Bau von Musikinstrumenten. In Parks und Gärten ist die Eibe wegen der dekorativen Früchte und der Möglichkeit, mit ihr schattige Bereiche ausfüllen zu können, beliebt. Besonders geeignet ist sie wegen ihrer sehr guten Schnittverträglichkeit als Heckenbaum oder für den Formschnitt als Solitär.
Im Wald könnte der Klimawandel der Eibe auf einigen Standorten neue Einsatzmöglichkeiten verschaffen, da sie sehr dürreresistent ist.
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