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Forst

Eichen: Die Belastungen halten an

von , am
28.08.2013

Viele ältere Eichen in Norddeutschland sind von einer Komplexerkrankung betroffen und büßen zunehmend ihre Vitalität ein. Welche Ursachen vorliegen, lesen Sie in unserem Fachbeitrag.

Anders als bei vielen anderen Schadpilzen kommen intensive Sonne und niedrige Luftfeuchte dem Eichenmehltau gerade recht. © landpixel
Hohe Blatt- und Feinreisigverluste, vermehrte Totäste und Absterbeerscheinungen: mit diesen Sympthomen werden die Vitalitätsverluste der Eichen äußerlich erkennbar. Verantwortlich für das Auftreten der Komplexkrankheit sind verschiedene Faktoren. Herausragende und die Krankheit letzlich auslösende Ursachen sind den Untersuchungen der NW-FVA zufolge Witterungsextreme (z.B. starke Spätwinterfröste, Temperaturstürze, Trockenheit) in Kombination mit wiederholtem, starkem Blattfraß (Eichenfraßgesellschaft).

Schlag auf Schlag

Ein nachfolgender Befall durch Mehltau (Microsphaera alphitoides) kann die Schäden verstärken, denn er sorgt in manchen Jahren dafür, dass betroffene Eichen nur wenige Wochen im Jahr eine intakte Belaubung aufweisen. Dies führt unter anderem zu einer verminderten Einlagerung von Reservestoffen und zum Rückgang funktionsfähiger Feinwurzeln. Im weiteren Erkrankungsverlauf sind Sekundärschädlinge wie Prachtkäfer und bodenbürtige Wurzelfäulen, vornehmlich hervorgerufen durch Hallimasch-Arten, von Bedeutung. Sie können stark vorgeschädigte Eichen zum Absterben bringen.

Nach Analyse des akuten Erkrankungsschubes seit dem Jahr 2011 durch die Versuchsanstalt haben derartige, ungünstige Faktorenkombinationen mancherorts mehrfach vorgelegen und zu den Absterbeerscheinungen geführt. Die Eichen hätten in den vergangenen Jahren in vielen Gebieten keine belastungsfreien Erholungsphasen (z.B. ohne Trockenheit / ohne andere extreme Witterungsbedingungen, ohne Fraß, ohne Mehltau-Befall) gehabt, heißt es.

Auffälligkeiten in 2013

Im Frühjahr und Frühsommer sind im norddeutschen Raum vielerorts erneut Auffälligkeiten und Schäden an der Belaubung von Eichen aufgetreten. Der NW-FVA wurden etwa ab Mitte Juni folgende Beobachtungen mit örtlich unterschiedlich starker Ausprägung gemeldet:

stärkere Blüte, die scheinbar zu geringerem Austrieb geführt hat; vertrocknete, braune Blütenstände

Kronen mit überwiegend vergilbten Blättern

Fraß am frischen Austrieb (mit Braunfärbung der Austriebsreste) und Fraß an entfalteten
 
Blättern (Blätter teilweise von den Fraßstellen her braun und etwas eingerollt)
braune, unterschiedlich große Blattflecken (häufigste Meldung ab Mitte Juni)
vorzeitiger Blattabfall (Blätter oft mit dunkelbraun verfärbten Blattstielen)
Triebspitzen ohne Blätter
Zweigabsprünge (oder Zweigenden, die bei näherer Untersuchung teilweise „abbrechen wie Glas“)
starker Mehltau-Befall, insbesondere an den Johannis- / Regenerationstrieben (ab Mitte / Ende Juli)
Pilzliche Schäden

Untersuchungen an zahlreichen Proben ergaben, dass oft Pilzbefall an den Blattstielen, den Blattadern und auf den Blattspreiten vorlag (v.a. Tubakia dryina, häufig auch eine Fusarium-Art, seltener Phomopsis spec., u.a.). Dieser kann den Ausführungen zufolge neben Blattfleckungen auch Blatt-abfall zur Folge haben, wenn z.B. Blattstiele oder Blattadern durch die Pilze geschädigt sind. Nur in sehr geringem Umfang hätten Fraßschäden an Blattstielen zu vorzeitigem Blattabfall geführt (Verursacher waren wahrscheinlich Springrüssler-Arten, ggf. auch Graurüssler oder Grünrüssler).
Die verbreitet beobachteten Zweigabsprünge besaßen dagegen typische Trenn- bzw. Bruchstellen, die besonders durch Trockenheit ausgelöst werden können. Teilweise trat zudem stark ausgeprägter Mehltau-Befall auf.

Den Erläuterungen der NW-FVA zufolge wird beim Eichenmehltau im Gegensatz zu vielen anderen Pilzen die Sporenbildung (Konidien) durch niedrige Luftfeuchtigkeit und intensive Besonnung gefördert und beschleunigt. Unter günstigen Bedingungen bilden sich bereits drei Tage nach der Infektion der jungen Blätter neue Konidien, die wiederum andere Blätter infizieren können.

Die anhaltende Sporenproduktion bei günstigen Witterungsbedingungen führte zu einem massiven Infektionsdruck im Juli / August. Dieses Phänomen sei regional bereits Mitte Juli deutlich sichtbar gewesen, führt die NW-FVA aus. Bei starker Infektion durch den Mehltaupilz rollen sich die Blätter ein, sie vertrocknen (teilweise oder auch ganz) und fallen gegebenenfalls auch vorzeitig ab.

Fazit

Nach der derzeitiger Einschätzung der Nordwestdeutschen Versuchsanstalt ist der Vitalitätszustand der Eiche mancherorts weiterhin als kritisch zu bewerten. Geschädigte Bestände sollten intensiv beobachtet werden, rät die Versuchsanstalt. Zeitgerechte Sanitärhiebe seien, abhängig von den betrieblichen Vorgaben bzw. der Lage vor Ort, ein probates Mittel, um drohenden Holzentwertungen vorzubeugen und Prachtkäferdichten zu begrenzen (lokal auch in jüngeren Beständen), heißt es.

Die für die Eichenfraßgesellschaft ungünstige Witterung im Mai habe verbreitet negative Auswirkungen für diese Schädlinge (inkl. Eichenprozessionsspinner) gehabt, sodass aktuell mit einer sich weiter entspannenden Lage bei den Blattfressern zu rechnen sei. Die Sekundärschädlinge würden allerdings weiterhin Schäden bis hin zu Absterbeerscheinungen verursachen.

In ihrer Mitteilung stellt die NW-FVA besonders heraus, dass von den starken Schädigungen teilweise sogar jüngere Eichenbestände (um 50-jährige) betroffen sind.
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