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Forst

Mit etwas Glück zur rechten Zeit

von , am
23.09.2014

Wann ist der beste Pflanzzeitpunkt für Bäume? Försterin Johanna Dreps-Kahl, Bezirksförsterei Elze, hat die Grundsätze für uns zusammengestellt, die auch den Klimawandel einbeziehen.

Eine Douglasienkultur, gepflanzt im September 2011: Obwohl die Monate September bis einschließlich November sehr trocken waren, sind nur rund 5 % der Pflanzen ausgefallen. © Dreps-Kahl

Für den Erfolg einer Kultur ist neben der Qualität der Pflanzen und der Arbeitsausführung sowie dem Umgang mit dem Pflanzgut die Wahl der Pflanzzeit von wesentlicher Bedeutung. Beim Pflanzen werden in der Forstpraxis in der Regel wurzelnackte Pflanzen verwendet. Die folgenden Aussagen beziehen sich deshalb auf dieses Sortiment.

Zeit für Laub- und Nadelbäume

Frühjahr

Im Frühjahr können Laubbäume und Nadelbäume gepflanzt werden. Anfang März, wenn die oberen Bodenschichten aufgetaut sind und vor dem Austrieb der Pflanzen kann es losgehen. Zu diesem frühen Zeitpunkt werden Lärchen und frühtreibende Laubbäume, wie beispielsweise Kirsche, gepflanzt. Es folgen die wintergrünen Nadelbäume und spättreibende Laubbaumarten, z.B. Eiche. Bis spätestens Mai sollten alle Pflanzarbeiten abgeschlossen sein, in höheren Lagen etwas später.

Vorteile: Im Boden ist noch viel Wasser aus dem Winter gespeichert; das bietet optimale Anwuchsvoraussetzungen. Außerdem ist das Risiko, dass die Pflanzen beim Transport, der Lagerung oder Ausbringung austrocknen, bei niedrigen Temperaturen geringer.

Dennoch: Der Frühling kann nicht mehr uneingeschränkt als idealer Pflanzzeitpunkt gelten, denn immer häufiger kommt es zu langen Trockenphasen. Sie erhöhen das Risiko, dass die Pflanzen vertrocknen, erheblich. Auch arbeitsorganisatorisch ist das Frühjahr problematisch, denn alle Arbeiten müssen in einem engen Zeitfenster durchgeführt werden. Dabei geht es um die Pflanzarbeiten selbst, aber auch vorbereitende Maßnahmen müssen rechtzeitig abgeschlossen sein.

Aufschub entzerrt Arbeitsspitzen

Spätsommer

Wintergrüne Nadelbäume können auch im Spätsommer, von Anfang August bis Ende September, wenn das Sproßlängenwachstum abgeschlossen ist, das Wurzelwachstum aber noch nicht wieder eingesetzt hat, gepflanzt werden. Vorteile: Die Bäume verwurzeln sich noch im selben Jahr im Boden und sind so im nächsten Frühjahr widerstandsfähiger gegenüber Trockenstress. Aus organisatorischer Sicht können Arbeitsspitzen im Frühjahr entzerrt werden.

Nachteile: Auch im Spätsommer kommt es immer häufiger zu längeren niederschlagsarmen Phasen, das kann aber im Herbst und Winter oft ausgeglichen werden. Sehr problematisch ist, dass es bei wärmeren Temperaturen eher zu Frischeverlusten beim Transport, der Lagerung und Ausbringung kommt. Es ist entscheidend, dass die Pflanzen fachgerecht eingeschlagen werden, wenn eine tägliche Lieferung nicht möglich ist.

Herbst
 
Laubbäume und Lärchen können noch von Oktober bis maximal Dezember, nach Verholzung der Sprosse, aber bei noch anhaltendem Wurzelwachstum, gepflanzt werden. Vorteile: Auch hier verwurzeln sich die Pflanzen im Boden, bevor im Frühjahr Wassermangel auftritt. Da die Pflanzen zum Anfang der Vegetationsperiode zusätzlich große Wassermengen benötigen um die Blätter zu entfalten, ist das ein großer Vorteil.

Nachteile: Die Pflanzen sind u.U. starkem Frost ausgesetzt. Dies kann zu Barfrostschäden führen. Besonders bei unzureichend verholzten Baumarten, wie beispielsweise der Schwarznuss, können Frostschäden auftreten.
Unabhängig von der Jahreszeit kann vielerorts auf geeignete Schutzmaßnahmen gegen Schäden durch Mäuse, Wild oder Rüsselkäfer nicht verzichten werden, da diese über mehrere Jahre ein Risiko darstellen (können).

Fazit

Das Wetter können wir nicht beeinflussen und somit gehört auch etwas Glück dazu. Worauf wir Einfluss haben, ist die Qualität der Pflanzen und die Arbeitsausführung. Bei der Kulturbegründung geht es um Entscheidungen für Generationen, dementsprechend verantwortungsvoll müssen wir damit umgehen.
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