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Forst

Farbe im Wald ist keine Kunst

von , am
10.09.2014

Welche Bäume sollen entnommen, welche gefördert werden? Wo ist die Rückegasse? Dauerhafte Farbmarkierungen verhindern solche Fragen. Tipps dazu lesen Sie hier.

Dieser "leuchtende" Grenzstein ist langfristig unübersehbar. Das beugt Ärger vor. © Scholz

Waldflächen werden häufig nur alle paar Jahre begangen, und auch gearbeitet wird dort nicht ständig. Deshalb ist es sinnvoll, einmal festgelegte oder benutzte Rückegassen so zu markieren, dass sie auch nach ein paar Jahren ohne großen Aufwand wieder zu finden sind. Üblicherweise werden daher die Gassen mit einer Sprühfarbenmarkierung versehen, die möglichst lange sichtbar bleibt (Langzeitfarbe). Welches Symbol bzw Farbe hierfür verwendet wird, ist sekundär, solange es nur für den Wirtschafter eindeutig ist.

Auszeichnen vor der Ernte

Auch beim Auszeichnen von Beständen hat sich statt der Verwendung des Reißhakens vielfach die Markierung mit Sprühfarbe und/oder Bändern durchgesetzt. Der Vorteil der Farbe liegt darin, dass die Rinde nicht verletzt wird und sie lange gut sichtbar bleibt. Dies kommt z.B. im Zuge der maschinellen Holzernte zum Tragen, bei der der Maschinenführer die Farbmarkierung von seiner Kabine aus erkennen können sollte.

Beim Auszeichnen der Bäume können auch verschiedene Markierungsmethoden kombiniert werden: z.B. die zu schonenden Zukunftsbäume mit Bändern aus schnell verrottendem Material, die zu entnehmenden Bäume mit andersfarbiger Sprühfarbe. Der Handel hält für fast alle Zwecke Lang- oder Kurzzeit-Leuchtfarben bzw. Bänder bereit. Über Sammelbestellungen der Forstämter oder der forstlichen Zusammenschlüsse sind hierbei deutliche Rabatte möglich.

Wichtig ist, dass grundsätzlich vor der Ernte ausgezeichnet wird, üblicherweise durch den betreuenden Förster. Denn diese anspruchsvolle Arbeit können Harvesterfahrer oder Motorsägenführer keinesfalls nebenbei erledigen. Neben erheblichen Zeitverlusten müssten auch qualitative Einbußen hingenommen werden, weil sich die Bäume vom Harvester aus meist schlechter beurteilen lassen, als im Bestand stehend. Erfolgt das Auszeichnen dagegen in einem separaten Arbeitsschritt vor der Ernte, so lassen sich auch sogleich sämtliche relevanten Kriterien des Eingriffs mit einbeziehen, die selbst für einen geübten Praktiker nicht "mal eben nebenbei" zu machen sind: Gassenabstände, Z-Baumauswahl, Mischungsregulierung, Eingriffsstärke etc.. Dabei empfiehlt es sich, je nach Gelände und Wetter nach einigen Stunden zu pausieren, um nicht "betriebsblind" zu werden.

Klare Verhältnisse

Besitzgrenzen sind ein weiteres Einsatzspektrum für Markierungen im Wald: nach einem Generationswechsel des Waldbesitzers oder Verkauf steht so mancher Wirtschafter im Wald und muss sich selbst orientieren, wenn zum Einweisen der Eigentümer nicht vor Ort ist. Dabei können wichtige Details übersehen werden, und die entstandenen Unsicherheiten und notwendige Nachfragen kosten Zeit. Hier können Markierungen mit Farbe, Reißhaken oder Stäben/Pfosten wertvolle Hinweise geben, sei es für kaum sichtbare Durchlassrohre neben dem Weg, überwucherte Grenzsteine oder zu belassende Bäume (Spechtbäume oder Bäume für die Zerfallsphase). Wird auf derartige Besonderheiten mit einem Vermerk im Arbeitsauftrag klar hingewiesen, so lässt sich möglichem Ärger wegen Schäden im Vorfeld aus dem Weg gehen.

Wenn eine Grenzlinie im Wald erst einmal zugewachsen oder aber nach Sturm kaum mehr sichtbar ist, ist die Grenzfeststellung ebenfalls sehr aufwändig und erschwert unnötig die Betriebsarbeiten. Im eigenen Interesse sollten diese potenziellen Konflikte entschärft werden. Und nicht zuletzt sind Markierungsarbeiten eine gute Gelegenheit, den eigenen Wald einmal wieder abzuschreiten und genau in Augenschein zu nehmen.  
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