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Forstwirtschaft

Forst: Auf den Klimawandel vorbereiten

Forst-Baumschule
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Heidrun Mitze, LAND & Forst
am
26.10.2017

Auf den Klimawandel muss sich auch der Forstbereich einstellen. Forschung und Praxis sollten enger zusammenarbeiten. Das zeigte sich beim DLG-Waldsymposium.

Saatguteinkäufer der Landesforstbetriebe und Forstbetriebsgemeinschaften, Vertreter der Forstbaumschulen und Forstwissenschaftler müssen an einen Tisch. Das forderte der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats, Georg Schirmbeck, bei einem Diskussionsforum  zum Thema „Waldbau unter dem Druck des Klimawandels - Fahren wir gegen die Wand ohne Forstbaumschulen?“ beim DLG-Waldsymposium in Brilon. 

An Baumschulbetriebe werden hohe Anforderungen gestellt:

  • Dem Forstvermehrungsgutgesetz zufolge sollen sie hochwertiges und identitätsgesichertes Saat- und Pflanzgut zur Verfügung stellen.
  • So kann der Wald in seiner genetischen Vielfalt erhalten und verbessert werden.

Doch welche Mengen welcher Baumarten und Herkünfte werden gebraucht? Darüber lassen Waldbesitzer die Baumschuler offenbar weitgehend im Ungewissen und das, obwohl ihnen bewusst sein müsste, dass die jungen Waldbäume zum Heranwachsen in Saat- und Verschulbeeten Jahre benötigen.

 

Forstbaumschulen im Hintertreffen

Forstbaumschulen haben also wenig Planungssicherheit. Selbst solche Forstbetriebe, die zuvor eine Forsteinrichtung und damit langfristige Planung durchgeführt hätten, teilten den Bedarf häufig erst wenige Wochen vor der geplanten Pflanzung mit, beklagte VDF-Vorsitzender Armin Vogt: „Das ist ein unhaltbarer Zustand!“

Hinzu kommen verschärfende Situationen, z.B. nach Schadereignissen, die den Bedarf an Vermehrungsgut sprunghaft ansteigen lassen. Forstbetriebe und Waldbesitzer erwarten dann, dass Baumschulen zeitnah reagieren können, betonte auch Eberhard Freiherr von Wrede, Berater im Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen.

Treue zu einem Lieferanten helfe in solchen Fällen beiden Seiten, stellten von Wrede und Vogt übereinstimmend fest – allerdings könne diese aufgrund des Vergaberechts in Deutschland durchkreuzt werden.

Klimawandel: Heute gepflanzte Bäume müssen sich auch künftig behaupten

Mit dem Klimawandel tritt  ein weiterer Faktor auf den Plan, der erhebliche Unsicherheit auf allen Ebenen verbreitet, denn trotz zahlreicher Forschungsarbeiten bleibt es eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Bäume, die wir heute pflanzen, müssen sich in Zukunft unter veränderten Bedingungen behaupten. Offen sind Antworten auf Fragen wie diese:

  • Wie sicher sind die heute erbrachten Klimaprognosen, wie werden sich die Veränderungen kleinräumig auswirken?
  • Welche Herkünfte eignen sich dann bei uns in diesem noch unbekannten Gefüge?
  • Müssen wir unser Verständnis von einer standortgemäßen Baumartenwahl komplett über den Haufen werfen?
  • Ist es bei einem Blick in die Zukunft plötzlich falsch, heimische Herkünfte zu nutzen?

Forstwirtschaft, Wissenschaft und Baumschuler müssen zusammen arbeiten

Das alles sind Fragen, denen sich Forstwirtschaft, Wissenschaft und Baumschuler gemeinsam stellen müssen. Denn soviel ist sicher: „Es wird nicht so bleiben wie in den letzten 50 Jahren“, sagte der Pflanzenphysiologe und -genetiker Prof. Ralf Kätzel vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde.

Er bemühte sogar ein Szenario von einer künftigen Steppenlandschaft, die sich anstelle unserer Wälder ausbreiten könnte. „Wir müssen die richtigen Genotypen zum passenden Standort bringen“, so der Wissenschaftler. „Ich würde bald damit beginnen“, beschwor er sein Publikum.

Klar sei, dass bei einem solchen Vorhaben die Wissenschaft vorangehen müsse, sagte Kätzel und nach seinen Aussagen ist die Forschung hier bereits weit vorangeschritten.

Klar ist auch, dass diese Erkenntnisse sehr schnell in die Praxis gelangen müssen:

  • Baumschulen benötigen die Informationen über passende Saatgutbestände, um selektieren zu können;
  • Waldbesitzer brauchen umfangreiche Beratung;
  • selbst die Konformität mit dem geltenden Saatgutverkehrsgesetz muss auf den Prüfstand und
  • auch die naturschutzfachliche Kompetenz müsse mit ins Boot.

Der von Schirmbeck geforderte Austausch aller beteiligten Gruppen wäre deshalb ein wichtiger Schritt.

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