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Forst

"Frisches Blut" für den Wald

von , am
26.11.2013

Die Zapfenernte in einem Douglasienbestand in der Bezirksförsterei Sprakensehl-Süd hat sich gelohnt. Wie es dazu kam und wie der Waldbesitzer und Förster die Ernte vorbereitet haben, lesen Sie hier.

Waldbestände können in vielfältiger Weise aufwachsen. Es gibt Bäume in krumm- oder geradschaftiger Form, astige oder glatte Stämme, solche mit geringem oder hohem Zuwachs und Bestände, die Brennholz, Industrieholz- oder hochwertiges Sägeholz liefern. Entscheidend hierfür sind Klima-, Boden- und Lichtverhältnisse auf der einen und die Baumartenwahl, der genetische Ursprung und die waldbauliche Behandlung auf der anderen Seite.

Formloser Antrag genügt

Als der Douglasienbestand in der Bezirksförsterei Sprakensehl-Süd das Mindestalter für die Anerkennung als Saatgutbestand erreicht hatte (40 Jahre), wurde ein entsprechender formloser Antrag mit Karte und Bestandesdaten an die damalige Bezirksregierung Braunschweig gerichtet. Heute ist die ML-Landesstelle für Forstliches Vermehrungsgut (Herr Wülpern), Calenberger Straße 2 , 30169 Hannover, Tel.0511-120-2256, zuständig.

Zwei Mitarbeiter der Anerkennungsbehörde begutachteten den Bestand nach den Richtlinien des Forstvermehrungsgutgesetzes (FoVG) für Bestände, die Ausgangsmaterial für "Ausgewähltes Vermehrungsgut" liefern sollen. Einige wichtige Kriterien sind Ursprung (hier: Sachsenwald), Vitalität, Schaftform, Kronenausformung, Astigkeit, Volumenzuwachs, Alter und Größe (hier: 2,98 ha) des Bestandes. Der Bestand wurde als "herausragend" beurteilt, der Zulassungsbescheid konnte erteilt werden.

Noch im Jahr der Zulassung wurde ein „heftiges“ Blühen (mind. 40 Bäume) und später "guter" Zapfenanhang beobachtet. Zur Einschätzung der Situation waren nun Erfahrungswerte gefragt. Mit der Begutachtung des Bestandes wurde deshalb die Niedersächsischen Waldsamen- und Forstpflanzen- GmbH, Dr. Rahte, beauftragt. Weit mehr als die mindenstens vorgeschriebenen 20 Bäume wiesen ausreichenden Zapfenanhang auf. Ende Juli wurden Zapfenschnitte durchgeführt und eine überdurchschnittliche Anzahl vitaler Samen pro Zapfen gezählt. Der Entschluss zur Ernte stand fest.

Zum Erntezeitpunkt sollten die Samen und die Samenschale ausgereift und fest sein, der Zapfen noch fast grün gefärbt, mit leichter Verbraunung. Generell gilt, die Beerntung so spät wie nötig und so früh wie möglich durchzuführen. Im Auftrag des Waldbesitzers begann die Niedersächsische Waldsamen- und Forstpflanzen-GmbH am 19. August mit der Ernte nach dem FoVG unter Einsatz professioneller Zapfenpflücker.

Das tägliche Wiegen der Erntemenge, das Führen der Sammelliste über aufgebrachtes Vermehrungsgut, die Lagerung der Zapfen auf dem Dachboden der Scheune des Waldbesitzers und die Kontrolle der Zapfenpflücker im Bestand waren Aufgaben des Bezirksförsters. Trockenheit, gute Belüftung und genügend Platz sind wichtige Vorrausetzungen für eine fachgerechte Lagerung der Zapfen. Diese sollten nicht höher als 10 cm aufgeschichtet und mindesten zwei Mal täglich durchgeharkt werden, um Schimmelbildung zu vermeiden.

Lukrative Ernte

Am 4. September wurde die Zapfenernte beendet. Abschließend begutachtete der Saatgutbeauftragte die Ernte. Er bestätigte die Sauberkeit und Artreinheit des Erntegutes, überwachte die Abholung und stellte das Stammzertifikat aus. Alle Beteiligten waren nun gespannt auf die Ergebnisse. Zwei Zapfenpflücker hatten in 15 Tagen 2.748 kg Douglasienzapfen geerntet. Das entspricht 920 kg/ha und einer Tagesleistung von 180 kg. Bei Vollmast (optimaler Zapfenanhang) ist eine Tagesleistung bis zu 400 kg möglich. Die Saatgutausbeute betrug 45 kg. Für den Waldbesitzer war die Ernte äußerst lu-krativ, denn im Vergleich zu einer Holzeinschlagsmaßnahme lag der Erlös weit höher.

Saatgutbestände können aus verschiedenen Gründen ihre Zulassung verlieren oder sie fruktifizieren nur selten. Deshalb werden immer wieder "frische" Saatgutbestände verschiedener Baumarten benötigt, besonders auch aus den Ressourcen des privaten Waldbesitzes.

Fazit

Mit der Anerkennung des Bestandes und der Ernte von Douglasiensaatgut wurde ein Beitrag zur nachhaltigen Nutzung und genetischen Vielfalt unserer Waldbestände aus hochwertigen, nachgewiesen heimischen Herkünften des Privatwaldes geleistet.
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