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Forst

Heidebewohner unter Schutz

von , am
14.01.2014

Nach dem Volksglauben beschützt der Wacholder den Menschen vor Krankheiten und Unheil. Bezirksförster Manfred Loos aus Bispingen lenkt den Blick auf diese außergewöhnliche Art.

Unter guten Bedingungen können die sonst strauchartigen Wacholder zu stattlichen Exemplaren heranwachsen (rechtes Bild). In extensiv genutzten Weidelandschaften bestimmte ursprünglich der Wacholder das Bild. Heute sind solche Anblicke seltener geworden. © Loos
Der Wacholder (Juniperus communis L.) ist ein nicht wegzudenkender Bestandteil vielfältiger Weidelandschaften, nicht nur in der Lüneburger Heide, sondern auch auf den Kalktrockenrasen der Mittelgebirge. Florengeschichtlich spielt er zusammen mit dem Sanddorn in weiten Teilen fast ganz Europas eine wichtige Rolle als Übergangsgehölz von der baumlosen Pioniervegetation zu geschlossenen Wäldern.

Aromatische Früchte

Die nadelförmigen, lineal-lanzettlichen immergrünen Laubblätter sind rund 15 bis 20 mm lang und an der Oberseite mit einem deutlich blauweißen Wachsstreifen versehen. Die auf der Unterseite gekielten Nadeln sitzen zu dritt in abgespreizten Quirlen am Zweig. Der Wacholder ist zweihäusig (= diözisch: weibliche und männliche Blüten auf getrennten Individuen). Die dunkelbraunen - violetten "Scheinbeeren" benötigen zwei Jahre, um zu reifen. Die Früchte sind 4 bis 9 mm dick, kugelig-eiförmig und kurz gestielt. Der Geschmack der Frucht ist aromatisch-süßlich.

Da in früheren Jahrhunderten weite Landschaftsteile in Nordwestdeutschland als extensives Weidegebiet genutzt wurden, konnte sich der Wachholder stark ausbreiten. Heute sind diese Gebiete dagegen selten geworden und mit ihnen auch der Wachholder. Auf Grund seiner spitzen Nadeln wird der Wachholder weder vom Vieh noch vom Wild gefressen und hat so einen Konkurrenzvorteil, durch den er sich in Weidegebieten durchzusetzen vermag.

Obwohl der Wacholder sehr langsam wächst, schließen sich einzelne Gruppen mit der Zeit zu immer dichteren Beständen zusammen. Unter der Last von Nassschnee brechen einzelne Sträucher auseinander. Die am Boden liegenden Äste bewurzeln sich wieder und bilden Ableger. So werden die Wachholderbestände immer undurchdringlicher und selbst die Heidschnucken können sie nicht mehr passieren. Im Schutze solch dichter Bestände können sich die Samen unterschiedlicher Baumarten gut entwickeln, überwachsen den Wacholder und bilden einen geschlossenen Wald.

Die größten Wacholderheiden Nordwestdeutschlands liegen heute im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide und werden überwiegend vom Verein Naturschutzpark gepflegt. Wir finden aber immer wieder auch kleinere Areale mit Flächengrößen von 0,3 bis 5 ha die außerhalb des Schutzgebietes liegen.

Hilfe für die bedrohte Art

Der heute unter Naturschutz stehende Wacholder bedarf unter den Aspekten des Natur- und Landschaftsschutzes einer besonderen Pflege durch den Menschen. Besonders auf den Kleinflächen benötigt die extrem lichtbedürftige Art, die oft unter dem Konkurrenzdruck des nahen Waldrandes leidet, eine konsequente Zurückdrängung des Baumbestandes.
Um die "Verwaldung" der Wachholderheiden zu verhindern, werden Jahr für Jahr durch freiwillige ehrenamtliche Helfer diese kostbaren Kleinode in mühsamer Handarbeit entkusselt und gepflegt. Hieran beteiligen sich oft ganz unterschiedliche Personengruppen wie z.B. freiwillige Feuerwehren, Fremdenverkehrsverbände, Dorfgemeinschaftsgruppen und nicht zuletzt engagierte Waldbesitzer und ihre Familien. Sie alle leisten so einen wertvollen Beitrag zum Natur- und Landschaftsschutz.
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