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Forst

Holz im Schlepp

von , am
23.04.2013

Forstarbeit ist schwer und riskant. Die Schädigung der Wirbelsäule durch falsche Belastung. Peter Richter stellt hilfreiche Werkzeuge vor, die das Gesundheitsrisiko mindern.

Mit einem solchen Stahlpackhaken lässt sich Schichtholz rückenschonend anheben und aufstapeln. © Grube

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung schreibt in ihrem Gesundheitsportal: "Beim Anheben eines 50 kg schweren Gewichtes mit krummem Rücken lastet auf den unteren Lendenbandscheiben etwa das Gewicht eines Kleinwagens."

Bandscheiben in Gefahr

Das ist für eine junge, gesunde Bandscheibe nicht weiter schlimm. Ist diese jedoch durch den Alterungsprozess schon degeneriert und wirken die Druckbelastungen einseitig (Biegekräfte), besteht die Gefahr, dass Faserstrukturen reißen und der Kern sich verstärkt in Richtung Rückenmark wölbt oder heraustritt (Bandscheibenvorfall).

In der professionellen Waldarbeit gehört das Aufarbeiten von Kurzholz und Aufsetzen von Poltern für die Brennholzgewinnung durch Forstarbeiter mehr und mehr der Vergangenheit an. Die Gründe: Zum einen ist es schädlich für den Rücken, zum anderen heutzutage einfach zu teuer. Diese doppelte Erkenntnis hat sich durchgesetzt und kann in einem kurzen Satz zusammengefasst werden: "Keine Hand ans Holz!" Das bedeutet, Maschinen sind für die Aufarbeitung und den Transport von Holz einzusetzen, wo immer es möglich ist. Daher übernehmen zunehmend Harvester die Baumernte und Kräne das Verladen und Stapeln.
Anders sieht es im privaten Bereich aus, ob bei Waldbesitzern oder Brennholzselbstwerbern, deren Zahl stetig zunimmt: Arbeiten, wie das Fällen, Schneiden, Spalten oder Stapeln belasten den Rücken, besonders dann, wenn die Haltung nicht stimmt. Und das wirkt sich unter Umständen erst nach Jahren aus.

Aufrechte Haltung

Um das Risiko zu mindern und den Rücken zu schonen, sind kleine Helfer zum Anheben und Tragen, wie Handpackzangen und Vorlieferzangen bestens geeignet. Mit ihnen lassen sich die Stammabschnitte gut heben, ohne sich zu tief bücken zu müssen.

Vorlieferzangen erlauben es dank ihrer Abmessungen, das Holz auf dem Boden schleifend zu transportieren, ohne sich zu bücken. Ihre Klauenöffnung ist je nach Modell unterschiedlich weit und schließt sich selbsttätig beim Anheben des Stammes.

Hebehaken werden beidseitig ins Stirnholz geschlagen und ermöglichen es so, das Holz rückenschonend nahe am Körper zu tragen und auf den Schichtholzstapel aufzusetzen. Wichtig ist dabei, unter Last den Oberkörper nicht zu drehen, sondern lieber noch einen zusätzlich Schritt zu machen. Manche Hebehaken lassen sich zusätzlich in Rohrfällheber einhängen und so als Wendehaken verwenden.

Für den bequemen Transport der kleinen Helfer sind auch Gürtelholster erhältlich, die sicher vor den scharfen Spitzen der Geräte schützen. Je nach Modell bieten sie zusätzlich eine Halterung für einen Fällkeil. Sie sind im Fachhandel für unter 100 Euro erhältlich.
Bücken ist out

Sappies stammen ursprünglich aus dem Alpenraum, wurden aber auch von den Flößern eingesetzt. Sie stellen eine Kombination aus einem Hammer und einem Wendehaken dar und werden beispielsweise beim Vorrücken verwendet.

Der Kopf besteht aus einer leicht gekrümmten Stahlspitze, die heutzutage auf ihrer oberen Seite eine Zahnung für bessere Griffigkeit aufweist. Die Rückseite ist zu einer Hammerfläche ausgearbeitet. Das Kopfgewicht beträgt zwischen 800 und 1.300 Gramm bei einer Stiellänge von 110 bis 130 Zentimetern.

Die kleineren so genannten Handsappies weisen ein Kopfgewicht zwischen 500 und 1.000 Gramm auf, wobei die Stiellänge zwischen 38 und 90 Zentimetern betragen kann. Sie eignen sich sehr gut, um beispielsweise Meterstücke mit einem Hieb ins Stirnholz aufzuheben und ersparen so das rückenschädliche Bücken. Das sollte einem der Gestehungspreis von unter 100 Euro wert sein.

Sicher fällen

Fällheber sind auch heute noch ein Standardhilfsmittel der Profis. Mit ihnen lässt sich der Baum komfortabel zu Fall bringen. Sie sind in verschiedenen Längen erhältlich, von knapp einem halben Meter bis zu etwa 130 Zentimetern. Ihr Gewicht kann gut dreieinhalb Kilogramm betragen. Meist sind sie mit einem Wendehaken ausgestattet. Er ermöglicht es, den Stamm zu drehen, beispielsweise zum Entasten, wobei der Fällheber als Hebelarm dient.
Hebelfällkarren: Bei ihnen ist der Fällheber mit einer Achse mit zwei Vollgummirädern ausgestattet, andere Versionen bieten noch die Zusatzfunktion als Rückekarre für Stammholz bis zu 25 Zentimetern Durchmesser.

Rückekarren, die angeboten werden, erlauben es, bis zu 600 Kilogramm Holz zu transportieren. Vielfach sind diese Hilfsmittel zerlegbar, sodass sie bequem in den Kofferraum passen. Sie sind für einige Hundert Euro im Forstfachhandel erhältlich.

Fazit

Bei der privaten Forstarbeit ist man gut beraten, sich die kleinen, aber sehr dienlichen Hilfsmittel zu Nutze zu machen. Sie helfen, rückenschonend zu arbeiten und so die eigene Gesundheit zu bewahren.

Und damit kann man nicht früh genug anfangen, denn die schmerzhaften Auswirkungen zeigen sich häufig erst nach Jahren. Sind die Schäden an der Wirbelsäule jedoch erst chronisch geworden, so ist es oft schon zu spät.
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