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Forst

Jiffy - Alternative für die Pflanzung?

von , am
07.08.2013

Die Pflanzzeit für Forstkulturen konzentriert sich im Normalfall von November bis höchstens April. Wie man mit einer Pflanzung im Jiffy Arbeitsspitzen entgegen wirken kann, lesen Sie hier.

Pflanzbereite Jiffys mit verschiedenen Baumarten. © Wollnik

Der Jiffy ist ein Weichwandcontainer und im Urzustand eine in ein feines Netz gepresste Torftablette. Diese quillt im Gewächshaus durch Wasserzufuhr auf. Darauf wird ein Samenkorn platziert und zum Keimen gebracht. Der Keimling bildet im Torfquelltopf sein Wurzelwerk.

Die Wurzelspitzen sterben, sobald sie aus dem Jiffy wachsen wollen, durch Luftwurzelschnitt ab. Dieses „Air-prunning“ regt wiederum eine neue Feinwurzelausbildung der Pflanze im Containerinneren an - Hauptgarant für sehr gute Startbedingungen auf der Kulturfläche. Gepflanzt wird auf leichten bis mittleren, in der Regel vorbereiteten Böden (Kulla, Streifenpflug, TTS usw.) mit einem Pflanzrohr, dem Pottiputki. Diese Form erlaubt neben sehr hoher Pflanzqualität (keine Wurzeldeformationen oder Quetschungen) gute Ergonomiewerte und somit hohe Stückleistungen (125-275 Stk./h). Auf schweren Böden soll der Lochspaten, auf sehr skelettreichen, steinigen Böden die Spitzhacke der Schlüssel zum Erfolg sein.
Die Vorteile bei der Kulturbegründung sind, dass die Wurzeln beim Transport und bei der Pflanzung vor Austrocknung geschützt sind. Auch ist eine Pflanzung auf Problem-standorten gut möglich. Zudem erfahren die Wurzeln keine mechanischen Verletzungen.
 
Längere Trockenphasen im Frühjahr werden durch den hohen Feinwurzelanteil und schnelles Anwachsen wesentlich besser überbrückt. Die Ausfallquote ist sehr gering. Da die Pflanzung fast das ganze Jahr über möglich ist - am besten von April bis September - steht ein sehr großes Zeitfenster zur Verfügung.

Möglich und anzustreben ist, die Feuchtwetterperioden auszunutzen. Von Oktober bis Ende April sollte man allerdings auf die Pflanzung von Nadelhölzern verzichten. Mittel- bis langfristige Vorteile sind, dass beim Jiffy eine ursprüngliche Wurzelentwicklung, ähnlich wie bei einer Saat- oder Naturverjüngungspflanze, möglich ist. Die Pflanze erlangt später eine hohe Standsicherheit. Durch sicheres An- und zügiges Weiterwachsen kann eine schnelle Kultursicherung erreicht werden, was wiederum weniger Pflegegänge bedeuten kann.

Die Nachteile sind, dass größere Pflanzenmengen meist nur durch Lohnanzucht erzogen werden können. Dabei sollte man auf die Saatgutauswahl Einfluss nehmen. Auch ist eine weit vorausschauende Planung notwendig. Die Produktionsdauer beim Laubholz beläuft sich auf mindestens sechs Monate, beim Nadelholz auf 1,5 Jahre.

Die Pflanzung ist mit einem hohen logistischen Aufwand verbunden. Da Schalenwild gern frisch gesetzte Jiffypflanzen aus dem Boden zieht, ist außerhalb vom Zaun bis zum Anwachsen der Einsatz von Verbissschutz- oder Vergrämungsmitteln erforderlich.
Jiffypflanzen sind im Vergleich zur wurzelnackten Pflanze in den ersten beiden Standjahren in der Regel kleiner, beim Nadelholz auch labiler. Trotz der günstigen Pflanzung ist das Verfahren bei nicht geförderten Kulturen im Vergleich zur wurzelnackten Pflanze teurer.

Fazit

Ob sich die Jiffypflanzung am Markt weiter etablieren wird, bleibt abzuwarten. Mit Blick auf den sich abzeichnenden Klimawandel und die damit verbundenen Witterungsextreme wird das Verfahren, insbesondere wegen des großes Zeitfensters und der hohen Flexibilität, aber aller Vorausicht nach eine geeignete Alternative zur herkömmlichen Pflanzung sein können.
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