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Forst

Ein Juwel in deutschen Wäldern

von , am
20.08.2013

Die Elsbeere wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, steht aber trotzdem auf der roten Liste seltener Baumarten. Warum sich das ändern könnte, verrät Förster Heinz Winkler, Bezirksförsterei Söder.

Auf günstigen Standorten bildet die Elsbeere starke astfreie Stämme aus. © Winkler
Mit Verkaufspreisen von bis zu 14.000 Euro pro Festmeter ist die Elsbeere (Sorbus torminalis) das teuerste Holz aus deutschen Wäldern und bei der Weltausstellung im Jahr 1900 wurde der Baum zum schönsten Holz der Welt gekürt. 2011 war sie Baum des Jahres 2011. Kaum zu glauben, dass sie gleichzeitig auf der roten Liste der seltenen Baumarten steht. Im Privatwald ist sie nur spärlich vertreten. Zukünftig könnte sie sich aber auf einigen Standorten als sinnvolle und lohnende Alternative durchsetzen.

Die Elsbeere erreicht Höhen von bis zu 35 Metern und Durchmesser von bis zu 50 cm. Ihre Blätter sind spitzlappig, die Früchte rundlich und etwa 10 bis 15 mm dick.

Gegen den Klimawandel gewappnet

Die Elsbeere zählt zu den konkurrenzschwachen Halbschattbaumarten. Im natürlichen Verbreitungsgebiet der Schattbaumart Buche ist sie dieser stets unterlegen, worin unter anderem auch ihre Seltenheit begründet liegt. Sie liebt sommerwarme, mäßig trockene Kalkstandorte und stellt nur geringe Ansprüche an den Humusgehalt und die Bodenfeuchte. Auf diesen Standorten ist sie der Buche ebenbürtig und kann sich dauerhaft etablieren. Jahrestriebe von 40 bis 50 cm sind hier keine Seltenheit.

Obwohl die Baumart in der Regel ein relativ geringes Höhenwachstum aufweist, bildet sie ein überproportional starkes Wurzelwerk aus. Dieses reicht weit in das Erdreich hinein und durchwurzelt auch flachgründige Standorte gut. Bereits vierjährige Pflanzen entwickeln Wurzellängen von über einem halben Meter. Mit dieser Eigenart kann sie den im Zuge des Klimawandels prognostizierten, häufiger auftretenden Stürmen trotzen und zur Bestandessicherheit an Windwurf gefährdeten Hanglagen oder  Waldrändern beitragen.
Zukünftig wird es Standorte geben, an denen infolge intensiver und lang andauernder Trockenperioden Baumarten wie beispielsweise die Fichte zurückgedrängt werden. Als  alternative Laubbaumart ist hier eine Einbringung der Elsbeere möglich. Sie kann Niederschlagsmangel und Trockenheit gut verkraften. Auch auf mit Fichten fehlbestockten Kalkstandorten oder in vom Eschentriebsterben bedrohten Gebieten ist eine Substitution durch die Elsbeere vorstellbar.

Elsbeerenholz: attrakiv, begehrt und rar

Die Elsbeere zählt zu den Totastverlierern, das heißt sie ästet sich bis weit am Stamm hinauf selbst. Das so entstehende  astfreie Stammholz kann verschiedenen Verwendungszwecken dienen.

Starke, gut gewachsene Stämme sind rar und gesucht. Sie werden überwiegend zur Herstellung von Messerfurnieren eingesetzt. Diese können als Sichtfurnier in der Möbel- oder Automobilindustrie verwendet werden, wo die Baumart wegen ihres attraktiven, rotbraunen Farbtones begehrt ist. Zudem ist das Holz feinfaserig, dauerhaft, samtig glänzend und fest, dabei aber auch sehr elastisch. Es kann daher auch gut zu Spulen, Spindeln, Musikinstrumenten und Vollholzmöbeln weiter verarbeitet werden. Aus den Früchten der Elsbeere werden  Schnaps, Marmelade und Honig produziert.

Fazit

Die Preise für Elsbeerenholz liegen stets deutlich über denen anderer Edellaubhölzer, was sie zu einer wirtschaftlich interessanten Baumart macht. Gepaart mit guten, wachstumsspezifischen Eigenschaften ist sie nicht nur etwas für Liebhaber, sondern auf den geeigneten Standorten eine echte Alternative zu unseren Hauptbaumarten.
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