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Forst

Kein Problem mit nassen Füßen

von , am
17.12.2013

Schwarz-, Rot-, Grün- oder Grauerlen, kennen Sie sich aus? Helfried Brinken, im Forstamt Südostheide, pflanzt und beobachtet Erlenbestände seit 30 Jahren - und lässt uns an seinem Erfahrungsschatz teilhaben.

Mit ihrem inneren Belüftungssystem gedeihen Erlen, wie diese 27-Jährige, problemlos auf nassen Standorten. Kleines Foto: Nässende 2Teerflecken" am Stamm sind ein Zeichen für den Befall mit dem Phytophtora-Pilz. © Brinken
Hier in der Südheide kommt ausschließlich die Schwarzerle (Alnus glutinosa) natürlich vor. Sie wird auch Roterle genannt und besitzt eine schwarzbraune Rinde und rötliches Holz. Als Roterle wird allerdings auch die aus dem amerikanischen Westen stammende
Alnus Rubra bezeichnet, die ohne forstliche Bedeutung bei uns ist, ebenso wie die alpine Grünerle. Die Grau- oder Weißerle besiedelt alpine Flussschotter und wird in der Literatur als Vorwald empfohlen.

Teil der Nahrungskette

Unsere "Eller" ist also die Schwarzerle, eine in der Jugend schnell wachsende Lichtbaum-art, die schon im Frühsommer anfängt, ihre Blätter grün abzuwerfen - nicht weil sie krank ist, sondern weil die alten Blätter im Schatten der neuen Blätter ihren Lichtbedarf nicht mehr decken können. An Fließgewässern sind diese eiweißreichen Blätter wichtige Nahrungsquelle für die Bachflohkrebse, die ebenso wie Erlenblattkäfer den Bachforellen als Futter dienen. So nützen sie letztlich auch dem fischenden Schwarzstorch und der Flussperlmuschel, denn in den Kiemen der Bachforelle wachsen die Larven, die nach zehn Monaten zu Muscheln werden.

Uferbefestigung mit Unterwasserwurzeln an Fließgewässern und Gräben und deren Beschattung machen die Erle zur unverzichtbaren Spezialbaumart für Wasserbauingenieure.

Seit 1995 gibt es zunehmend Probleme mit dem pilzartigen Phytophtora-Erreger. Erste Kennzeichen sind schüttere Belaubung und kleine gelbliche Blätter, sowie schwarze, oft nässende "Teerflecken" (11.Waldschutz-Info 2008, NFV). Seit 2006 wird eine gewisse Stagnation der Ausbreitung von Phytophtora in Zusammenhang mit strengeren Wintern beobachtet (Schumacher 2012, Heft 33, Forstwiss. Beitr. Tharandt). Sind kranke Bäume vorhanden, sollten diese gefällt und aus den Beständen entfernt werden (nicht kompostieren, sondern verbrennen!). Regelmäßiges auf den Stock setzen kann den Krankheitsverlauf verlangsamen.

Sind Neuanpflanzungen erforderlich, könnte eine Saat von Vorteil sein, denn in einigen Baumschulen wurden Erreger gefunden. Geklengtes Saatgut ist dem aus dem Bach gefischten vorzuziehen, weil eine Erhitzung auf 35 °C die Erreger abtötet. Eine Pflanzung sollte im Frühjahr mit frisch ausgehobenen Pflanzen erfolgen. Hier ist ein stichprobenartiger Labor-test auf Befall möglich. Um die genetische Vielfalt zu erhöhen, sollten mehrere Herkünfte verwendet werden. Auffällig ist das Vorkommen von einzelnen infizierten Erlen in ansonsten gesunden Beständen. Wüchsige Individuen scheinen resistenter zu sein (Zaspel, et al.; BFH-Nachr. 2004). Also müssen wir die Kranken anzeichnen und die Besten fördern.

Auslese nötig

Ziel unserer Pflege ist es, bis zum Baumalter 60 starke Dimensionen ohne Kernfäule zu erreichen. Bis zur Oberhöhe von 10 m erfolgt eine Negativauslese. Wenn eine grünastfreie Länge von 6 m erreicht ist, fördern wir 120 Zukunftsbäume/ha. Die sehr starke Hochdurchforstung soll den Z-Stämmen stets eine Kronenlänge von 40 % sichern (Röhe; Schröder; Grundl. u. Empfehl. f. eine nachh. Bewirtsch. d. Roterle in M-V.).
Die Leistungsfähigkeit von Erlen für den Naturhaushalt wird häufig unterschätzt, deswegen hier noch der Hinweis auf das DBU geförderte Alnus-Projekt: "Erlenaufforstungen auf wiedervernässten Niedermooren".

Fazit

Für die Erlen hoffen wir auf frostige Tage, denn das Mycel von Phytophtora alni stirbt bei mehrtägigen Temperaturen unter 15 °C ab.
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