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Forst

Kiefernreinbestände: Die Weichen in der Jugend stellen

von , am
13.08.2013

Als Lichtbaumart wächst die Kiefer in der Jugend besonders stark. Wer dieses Potenzial nutzen möchte, muss die Entwicklung des Bestandes rechtzeitig lenken. Wie das möglich ist, lesen Sie hier.

Eine rechtzeitig freigestellte kräftige Kiefernkrone garantiert auch einen guten Zuwachs des gesamten Baumes. © Günther
Die Kiefer ist eine Pionier- und Lichtbaumart. Hohe Lichtansprüche stellt sie besonders im Jungwuchsstadium und Jungbestands- alter. Ihre Ansprüche hinsichtlich Nährstoffversorgung und Wasser sind hingegen gering. Aus diesem Grund liegt ihr Anbauschwerpunkt auf den sommertrockenen, sandigen Standorten der Heide. Die Lichtbaumarten, zu denen beispielsweise auch Lärchen und Eichen zählen, erreichen ihren stärksten Höhen- und Massenzuwachs bereits in der Jugend. Bei der Kiefer ist das der Zeitraum, in dem sie rund 20 bis 40 Jahre alt ist. Um diesen maximalen Zuwachs auszunutzen, braucht sie ausreichend Wuchsraum im Kronenbereich. Die Krone ist der Wachstumsmotor eines jeden Baumes. Es gilt der Grundsatz: Je größer die Krone, desto höher der Zuwachs des Einzelbaumes.
 
Zuwachs auf die Besten lenken
 
Bei einer Oberhöhe von etwa 10 m sollten die Bestände zunächst erschlossen werden. Dazu sind alle 20 m Rückegassen anzulegen. Zwei bis drei Jahre nach der Feinerschließung haben sich die Bestände wieder stabilisiert und es folgt die Erstdurchforstung. Dann werden in qualitativ guten Beständen 200 bis 250 Z-Bäume (Zukunftsbäume) ausgewählt, gegebenenfalls dauerhaft markiert und durch die Entnahme von ein bis drei Bedrängern je Z-Baum freigestellt.
 
Die Z-Bäume werden hierbei nach den Kriterien Vitalität, Qualität und Verteilung ausgewählt. Sie müssen folglich gesund sein, gut ausgeprägte, möglichst große Kronen haben und in ihrer Qualität gerade und feinastig sein. Dann haben sie die optimalen Voraussetzungen, um später einen wertvollen und stabilen Bestand bilden zu können. Im Zuge der Folgedurchforstungen werden die Z-Bäume immer wieder auf ihre weitere Eignung als Wert- und Zuwachsträger überprüft und ihre Anzahl reduziert sich auf diese Weise mit zunehmendem Alter.
 
Je nach Eingriffsstärke sollten Kiefernjungbestände ein- bis zweimal im Jahrzehnt durchforstet werden. In der Praxis hat es sich bewährt, die Bestände positiv auszuzeichnen. Das bedeutet, dass die Zukunftsbäume dauerhaft markiert werden. Der Maschinenführer erhält dann den Auftrag, je nach Dichtstand, ein bis drei Bedränger pro Z-Baum zu entnehmen. Auf diese Weise wird der Zuwachs optimal auf die späteren Wertträger gelenkt - eine äußerst wichtige Maßnahme, da die Kiefernkronen mit zunehmendem Alter nicht mehr in der Lage sind, auf stärkere Freistellungen zu reagieren. In qualitativ schlechteren Beständen bietet sich in der Regel eine negative Auszeichnung an.
 
Schlagabraum im Bestand belassen
 
Bei regelmäßiger Pflege wird zudem ein lebensfähiger Unter- und Zwischenstand erhalten, der sich positiv auf die Bestandesstabilität auswirkt. Gleichermaßen sollten Laubbäume wie Birke und Eberesche gefördert werden. Dies begünstigt sowohl die Humusanreicherung durch die Laubstreu als auch die Bestandesstabilität. Der Schlagabraum sollte auf den wenig verdichtungsgefährdeten, sandigen Kiefernstandorten im Bestand und nicht auf den Gassen abgelegt werden. So werden die Nährstoffe aus der Rinde und den Nadeln in den Bestand zurückgeführt und nicht auf den Gassen konzentriert, wo nur die Randbäume davon profitieren.
 
Je nach Dimension und Qualität fallen in den Kiefernerstdurchforstungen die Sortimente Industrieholz (Spanholz und OSB) und Palettenabschnitte an. In Kiefernreinbeständen ist die Erstdurchforstung die erste wichtige Weichenstellung für eine gute Kronenbildung, Qualitätsentwicklung und einen gesteigerten Zuwachs, insbesondere der Wertträger (Z-Bäume). Wenn Sie Besitzer von Kiefernjungbeständen sind und eventuell Durchforstungsbedarf sehen, dann sprechen Sie doch einfach Ihren zuständigen Bezirksförster an. Er wird Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen.
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