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Prävention

Niedersachsen: Waldbrandüberwachung Nonstop

Feuer auf dem Acker bedroht Wald
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Heidrun Mitze, LAND & Forst
am
06.07.2018

Seit Mitte April ist die Situation unverändert. Täglich von 10 bis 19 Uhr die volle Besetzung in der Waldbrandüberwachungszentrale in Lüneburg. Schon 64 Tage lang. „Das gab es noch nie“, sagt Helmut Beuke, Betriebsdezernent bei den Niedersächsischen Landesforsten und zuständig für deren automatisches Waldbrandfrüherkennungssystem (AWFS).

Was Beuke meint, ist die nicht enden wollende Trockenperiode, die schon mehr als zwei Monate eine stetige Überwachung der gefährdeten Gebiete erforderlich macht. Auch wenn inzwischen das ganze Land einer mediterranen Region im Spätsommer gleicht, leiden im niedersächsischen Vergleich die nordöstlichen Landkreise am meisten unter den fehlenden Niederschlägen und tragen das größte Waldbrandrisiko.
 

Waldbrandüberwachungszentrale

Das hat vor allem zwei Ursachen: Zum einen dominiert dort die am stärksten brandgefährdete  Baumart Kiefer, besonders in den Heidegebieten. Zum anderen herrschen trockene Sandböden vor. Erschwerend hinzu komme die dünne Besiedlung großer Flächen im Nordosten, so Beuke, und außerdem die drei Truppenübungsplätze Munster Nord, Munster Süd und Bergen. „Dort brennt es im Moment täglich“.
Solche Standortbedingungen sind Grundlage für eine europaweite Einteilung der Regionen nach ihrem Waldbrandrisiko.
 

In Niedersachsen rangieren ganz oben die Landkreise Celle, Giffhorn und Lüchow-Dannenberg mit einer hohen Gefährdung, gefolgt von den Landkreisen Heidekreis, Lüneburg und Uelzen mit einem mittleren Waldbrandrisiko.

Kameras zur Früherkennung

Folgerichtig werden diese sechs Regionen mit einer Fläche von rund einer Millionen Hektar inklusive einiger Randgebiete von dem Früherkennungssystem überwacht. Eingerichtet haben es die Landesforsten in den Jahren 2009/2010. Dazu wurden in den sechs gefährdeten Landkreisen 20 Kameras an 17 Standorten installiert. Diese melden jede registrierte Rauchentwicklung automatisch an die Rechner der Waldbrandzentrale – in Form von Bildern, Peilungen, Koordinaten und topographischer Karte. Mitarbeiter der Zentrale prüfen, ob es sich tatsächlich um Rauch oder nur um Staub oder eine Feldberegnung handelt. Bestätigt sich der Brandverdacht, alarmieren sie die jeweiligen Feuerwehreinsatzleitstellen bei den Landkreisen.

Trauriger Rekord

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Das war in den bisherigen Einsatztagen des Jahres bereits 245 Mal der Fall. Auf einer bis ins Jahr 2011 zurückreichenden Zeittafel, die der AWFS-Experte vorlegt, ist dies ein trauriger Rekord; nicht einmal im Hitzesommer 2013 war die Feuerwehr derart gefordert. Allein vom vergangenen Sonntag bis zum Montag, 15.00 Uhr, sind die Einsatzleitstellen 31 Mal alarmiert worden.
Meist waren Feld- und Mähdrescher-Brände während der Erntearbeiten der Grund dafür, berichtet Beuke. „In einem Fall, im Dorf Groß Thondorf, haben wir großes Glück gehabt“. Ostwind habe einen Feldbrand gen Westen getrieben. Nur deshalb sei der im Osten gelegene Wald verschont geblieben.
Dass das Überspringen vom Feld auf den Wald häufig verhindert werden könne, sei vor allem den gut ausgebildeten und ausgerüsteten Freiwilligen Feuerwehren zu verdanken. Doch die müssen erst einmal rechtzeitig alarmiert sein: „Waldbrände kann man nur dann effektiv löschen, wenn man die Entstehungsbrände frühzeitig entdeckt und eindämmen kann“. Dass dies gelingt, dafür sorgen im Nordosten die modernen Kameras. Jenseits von deren Peilung jedoch können nur sorgsame Bürger helfen, Katastrophen zu verhindern.

 

 

 


 

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