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Kommentar

Niedersachsens Wälder mit dem Sorgenkind Fichte

Redakteur Christian Mühlhausen
am Donnerstag, 13.12.2018 - 10:52

So hart es auch ist: Unser Brotbaum hat seinen Zenit offenkundig überschritten. Jetzt heißt es umzudenken, fordert LAND & Forst-Autor Christian Mühlhausen.

Viele Waldbesitzer stehen nach Stürmen und Dürre vor einem Scherbenhaufen. Und wird 2019 wieder ein trockenes Jahr, könnte es ähnlich katastrophal werden, weil Milliarden Borkenkäfer mit den geschwächten Fichten einen reichlich gedeckten Tisch vorfinden.

Im Fokus steht der Brotbaum vieler Forstbetriebe: die Fichte. Doch ihr Zenit ist überschritten. Wie kaum eine andere Baumart wird sie in nassen Wintern geworfen, weil ihre flachen Wurzeln im aufgeweichten Boden kein Halt mehr finden. Und wie keine andere leidet sie in Trockenjahren unter den Käferattacken.

Eignet sich hervorragend in Mischbeständen

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte den Anbau der Fichte nicht verteufeln. Sie ist eine tolle Baumart mit vielfältiger Nutzung, die sich hervorragend in Mischbeständen mit anderen Baumarten verträgt. Doch wer jetzt die Kahlflächen wieder mit reinen Fichtenbeständen aufforstet oder vorhandene Fichten-Naturverjüngungen nicht mit passenden Mischbaumarten ergänzt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Genügend Alternativen zur Fichte

Waldbesitzer denken in Generationen - jetzt können sie das erneut beweisen und stabile Wälder für die Zukunft begründen. Von 3.000 Hektar Kahlflächen in Niedersachsen ist die Rede. Es soll in 25 Jahren niemand sagen "Wir haben es nicht besser gewusst", wenn heute gepflanzte Fichtenreinbestände vom Käfer aufgefressen werden. Und dann diese Bäume gefällt werden müssen, noch ehe sie auch nur in die Nähe der Gewinnzone kommen.

Zumal es – je nach Standort – genügend Alternativen gibt: neben den Laubbäumen auch Nadelhölzer wie Douglasie, Küstentanne, Weißtanne oder Lärche.

Millionen an Fördermitteln für Wiederaufforstung

Das Landwirtschaftsministerium sagt unmissverständlich: Wer nicht gewillt ist, zukunftsfähigen Waldbau zu betreiben, darf auch nicht erwarten, öffentliche Förderung in Anspruch nehmen zu können.

Das Land leistet seinen Beitrag, indem es den Katalog der zu fördernden Baumarten überarbeitet und Millionen an Fördermitteln für die Wiederaufforstung bereitstellt. Dieser Beitrag wird nicht ausreichen und muss aufgestockt werden. Die Förster leisten ihr Möglichstes und planen bereits die Wiederaufforstung von Kalamitätsflächen, trotz der hohen Belastung durch den Einschlag von Käferbäumen und Laubholz.

Offen für die Begründung von Mischbeständen

Die Waldbesitzer sollten das Ihre tun und offen sein für die Begründung von Mischbeständen. Die sind deutlich weniger risikoanfällig gegenüber Stürmen und Insekten. Der Dank winkt den Kindern und Enkeln in Form von intakten, bunten und vielfältigen Mischwäldern, die dann auch solide Sparkassen sind.

Mehr über die Ergebnisse des aktuellen Waldzustandsberichts lesen Sie hier...

Mehr zum Thema Wiederaufforstung lesen Sie im Thema der Woche in der LAND & Forst 50/18.

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