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Ausnahmezustand

Niedersachsens Walddrama hält an

Forstwirte und Ministerin
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Heidrun Mitze, LAND & Forst
am
07.11.2018

Nässe, Stürme, Trockenheit und Käferplage trafen vor allem den südniedersächsischen Wald. Der Ausnahmezustand hält an, doch es gibt auch Erfolge.

Vor mehr als einem Jahr nahm die Tragödie in Südniedersachsen mit Starkregen und aufgeweichte Waldböden ihren Anfang. Es folgten Winterstürme, Januarsturm Friederike, monatelange Trockenheit und ein massenhafter Käferbefall.

Forstleute sind seit Monaten unter Hochdruck mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit und gegen die Holzentwertung und den Borkenkäfer-Befall.

In der vergangenen Woche hatte sich Forstministerin Barbara Otte Kinast vom Fortgang der Arbeiten überzeugt und sich im Landkreis Northeim sowie im Harz ein Bild von der Lage gemacht.

Gute Nachrichten: Schadholz größtenteils geräumt

Die gute Nachricht: Viel ist schon geschafft – in den Landesforsten ist das Schadholz inzwischen komplett geräumt, in den Privatwäldern sind nach Schätzungen der Landwirtschaftskammer etwa 90 Prozent aufgearbeitet und vermarktet, regional schwankt der Stand der Arbeiten allerdings stark.

Belastungen für die Waldbesitzer: Preise und Wetter

Derzeit überwiegen aber leider die Belastungen für die Waldbesitzer.

Diese Entwicklungen tragen dazu bei:

  • Gesunkene Nadelholzpreise,
  • Mindereinnahmen durch Qualitätsverluste,
  • höhere Aufarbeitungskosten (Größenordnung von fünf bis neun Euro pro Festmeter),
  • schwierige Absatzbedingungen,
  • ein neuerlicher Massenbefall durch Borkenkäfer im kommenden Frühjahr und erneut hohe Schadholzmengen,
  • hohe Kosten für die Wiederaufforstung,
  • Vorfinanzierung von Pflanzungen auch bei Inanspruchnahme der Förderung,
  • unsichere Pflanzenverfügbarkeit
  • und unsichere Wetterbedingungen.

Appell: Mit der Notlage dürften Waldbesitzer nicht allein gelassen werden, mahnten teilnehmende Waldbesitzer sowie Verbandspräsident Norbert Leben und forderten Unterstützung.

Anliegen der Waldbesitzer: Mehr Unterstützung und Wertschätzung

Die Anliegen der Waldbesitzer:

  • Finanzielle Hilfen für die Schadholzaufarbeitung;
  • mehr geschultes Personal und forstliche Betreuung;
  • besserer Zugang zu den Verladebahnhöfen;
  • genaue Ermittlung von Schäden durch Sturm und Kalamitäten, beispielsweise durch Fernerkundung;
  • Pufferstationen zur Marktentlastung (Nasslager);
  • mehr Forschung und Wissenstransfer über Bäume und Waldbau;
  • Schaffung eines stärkeren Bewusstseins für die Systemrelevanz des Waldes;
  • grundsätzlich mehr Unterstützung und Wertschätzung für Waldbesitzer, auch mit wenig Fläche, damit sie am Eigentum festhalten und nicht aufgeben.

Massenansturm von Borkenkäfer erwartet

Es wurden große Anstrengungen unternommen, um das Brutmaterial, also abgestorbene und sterbende Bäume, inklusive möglichst vieler Käfer von den Waldflächen zu räumen.

Wie Dr. Rainer Hurling von der Forstlichen Versuchsanstalt beim Vor-Ort-Termin erläuterte, ist aber dennoch im kommenden März/April mit einem erneuten Massenansturm auf die stehengebliebenen und durch die lange Trockenheit geschwächten Fichten zu rechnen. Der Grund sind hohe Überwinterungsraten in der Nadelstreu.

Borkenkäfer: Rechtzeitige Bekämpfung wichtig

Eine rechtzeitige Bekämpfung oder Abschöpfung im Frühjahr ist also angesagt, problemlos wird das allerdings nicht: Es gibt Schwierigkeiten bei der Pflanzenschutzmittelzulassung, eine mangelnde Verfügbarkeit aufgrund der europaweiten Konkurrenz um die Mittel, eine fragliche Funktionalität der sonst üblichen Fangsysteme zur Dichtesenkung der Käfer und Engpässe bei der Beschaffung der Fangsysteme.

Holzkonservierung soll Markt entlasten

Verschiedene Verfahren der Holzkonservierung (Folien- und Nasslager) sollen den überschwemmten Holzmarkt entlasten. Entsprechende Anlagen wurden bisher überwiegend in den Landesforsten errichtet. Nach der Förderrichtlinie für forstwirtschaftliche Maßnahmen können Privatwaldbesitzer eine Förderung beantragen.

Gesetz: Errichtung von Nasslagern

In dem Gesetzestext ist dazu bisher allerdings lediglich die Errichtung von Nasslagern angesprochen:

"Erstinvestitionen für geeignete Einrichtungen und Anlagen zur Nasslagerung (Wasserlagerung) von Holz und dafür erforderliche konservierende Behandlung. Dies beinhaltet Investitionen zur Beregnung oder zur Einlagerung des Holzes in Gewässer zur Schaffung ungünstiger Bedingungen für Pilze und Insekten. Ein Einsatz von chemischen Mitteln ist nicht zulässig. Die Notwendigkeit einer Maßnahme ist durch die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) zu belegen. Die Zuwendung wird als nicht rückzahlbarer Zuschuss in Form einer Anteilfinanzierung zur Projektförderung gewährt.

Förderfähig sind die Ausgaben der erstmaligen Investition einschließlich etwaiger Anschlusskosten (z. B. für Elektrizität) sowie das erforderliche technische Gerät. Wer Zuwendungen beantragt, kann Sachleistungen bis zu 80 % des örtlichen Marktwertes als förderfähig ansetzen. Es sind mindestens zwei Vergleichsangebote vorzulegen. Der Zuschuss beträgt bis zu 30 % der zuwendungsfähigen Ausgaben."

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 45/18.

LAND&Forst

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