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Forst

Ein notwendiges Übel auf Zeit

von , am
02.07.2013

Gegen Wildverbiss können Waldbesitzer ihre Jungpflanzen schützen. Das gängigste Verfahren stellt Förster Heiko Brunkhorst von der Bezirksförsterei Stade vor.

Dieser Zaun sollte dringend abgebaut werden, denn er ist in einem desolaten Zustand und die Kultur längst aus dem Gröbsten heraus. © Brunkhorst

Das Wild sucht bevorzugt Erstaufforstungen und Kleinflächen in der Feldmark auf. Während Rehe und Hirsche besonders junge Eichen und Edellaubhölzer gern verbeißen, fegen sie an intensiv duftenden Bäumen, wie beispielsweise Douglasien und Vogelkirschen. Die geschädigten Kulturen unterliegen länger einem steigenden Konkurrenzdruck durch die Begleitflora, die dann mit viel Aufwand eingedämmt werden muss. Wildschäden an Forstpflanzen müssen von den zuständigen Jagdausübungsberechtigten erstattet werden.

Auswahlkriterien für die Zaunart

Wird der Bau eines Wildschutzzaunes notwendig, so kommt je nach Größe und Lage der Kulturfläche ein Einzel- oder Flächenschutz in Frage. Auch die Pflanzabstände, Größe der Pflanzen und Wilddruck haben Einfluss auf die Wahl des Fege- und Verbissschutzes.

Beim Flächenschutz kommen Hordengatter, Knotenzaungeflecht- und Sechseckgeflechtzäune zum Einsatz. Hordengatter, aus einzelnen Latten zusammengesetzt, sind eher für Kleinflächen geeignet. Wo ein hoher Verbissdruck durch Kaninchen und Hasen zu erwarten ist, wird man das feinmaschigere Sechseckgeflecht (auch Kükendraht genannt) bevorzugen.

Der Knotengeflechtzaun ist der gebräuchlichste Flächenschutz und je nach vorkommenden Wildarten in unterschiedlichen Höhen zu finden. Die Angabe 160/23/15 bedeutet eine Höhe von 1,60 m, mit 23 Längsdrähten und einem Querdrahtabstand von 15 cm. Wegen des Niederwildes ist der Abstand der Längs- oder auch Horizontaldrähte am Boden geringer und steigt mit der Höhe des Zaunes. Pfähle aus Metall oder Holz gewährleisten einen aufrechten Stand des Zaunes. Bewährt hat sich ein Pfahlabstand von ca. 5 m. Eckpfähle müssen abgestützt werden, da auf sie eine besondere Zugkraft wirkt. Statt der Pfähle können auch Scheren aus Holz benutzt werden.
Beim Aufbau des Zaunes ist darauf zu achten, dass der Draht ca. 10 cm nach außen auf den Boden verlegt und fixiert wird. Das wirkt wie eine Fischreuse.

Fluchtmöglichkeit nach draußen

Wild kann nicht eindringen, könnte aber wieder heraus, falls es einmal versehentlich in die Kultur gelangt ist. Die meisten Zäune werden durch Profis erstellt und sind dann auch wilddicht.
Damit die Kulturfläche auch wildfrei bleibt, ist die regelmäßige Kontrolle durch z.B. den Waldbesitzer wünschenswert. Besonders nach starkem Wind müssen Windbruchbäume auf der Zauntrasse entfernt werden. Bei Schnee sieht man die Spuren von Wild innerhalb der Gatter sehr gut. Durch Pendeltore in den Ecken findet Wild beim Heraustreiben am einfachsten den Ausgang. Gattergrößen von über fünf Hektar sollten vermieden werden, weil diese meist nicht dauerhaft wildrein zu halten sind. Für das Ein- und Auswechseln von Schwarzwild sind Sauklappen ideal.
Je nach Zustand der Kultur wird der Zaun ca. 5 bis 10 Jahre benötigt. Aus Forst- und Tierschutzgründen ist die Ordnungsmäßigkeit in dieser Zeit zu sichern. Nach Rücksprache mit dem Bezirksförster kann der Zaun dann wieder abgebaut werden (bitte nicht zu früh). Häufig lässt sich das Material wiederverwenden, egal ob der Abbau in Eigenleistung, mit Unternehmern oder zusammen mit den Jägern erfolgt oder der Zaun über die Zeitung angeboten wird. Stark eingewachsene Zäune sind meist nur mit Schleppern oder Rückefahrzeugen (mit dem Greifer einrollen) zu bergen.

Zum Abbau der Wildschutzzäune gibt es nicht nur eine rechtliche Verpflichtung, sondern auch eine moralische gegenüber dem Wild. Nur so erreicht man eine Akzeptanz bei der Bevölkerung und den Jägern.
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